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Sexualdelikte an Universitäten : „Das ist Rape Culture“

  • -Aktualisiert am

„Vergewaltigung ist Vergewaltigung“: Ein Stanford-Student protestiert bei seiner Absolventenfeier gegen den Umgang der Administration mit sexuellen Übergriffen. Bild: AFP

Lange haben amerikanische Universitäten Sexualdelikte unter den Teppich gekehrt, um Studenten und Eltern nicht abzuschrecken. Jetzt haben Studenten dieser Kultur den Krieg erklärt. Ihre Waffe: ein altes Gesetz.

          Kamilah Willingham ist keine, die weint, wenn sie ihre Geschichte erzählt. Sie ist keine von denen, die hysterisch werden oder wie in Trance reden, weil sie noch gar nicht begriffen haben, was ihnen passiert ist. Und sie ist vor allem keine von denen, die einfach schweigen. Willingham weiß, was ihr passiert ist, und sie scheut nicht davor zurück, ihre Geschichte wieder und wieder zu erzählen. Ihrer Freundin hat sie die Geschichte sofort erzählt, dann der Universität und der Polizei, dann einem Richter und schließlich einer Filmcrew des Senders CNN.

          Dabei ist ihre Geschichte, zumindest so, wie sie sie erzählt, eigentlich eine, bei der man sich schockiert die Hand vor den Mund schlagen müsste.

          Es passierte im Januar 2011, Willinghams drittes Jahr an der Harvard Law School. Sie ging aus, in eine Bar, gemeinsam mit einer Freundin und einem Freund, Brandon Winston, auch ein Harvard-Student. Die beiden kannten sich seit Jahren. Sie tranken, amüsierten sich, bis Willinghams Freundin zu betrunken war, um gerade zu stehen. Mit dem Taxi fuhren die drei die zehn Minuten zurück zu Willinghams Wohnung, während der Fahrt habe auch sie selbst das Bewusstsein verloren, sagt Willingham .

          Das nächste, an das sie sich erinnere, sei das Bild von ihrer halbnackten, immer noch bewusstlosen Freundin im Bett neben ihr gewesen, während Winston auf ihr selbst gesessen und sich an ihrer Unterwäsche zu schaffen gemacht haben soll. Sie habe ihn gefragt, was passiert sei. „Ich war das“, soll Winson gesagt und ihrer Freundin dabei mit einem Lächeln im Gesicht über den nackten Bauch gestrichen haben. Willingham meldete den Fall der Universität.

          Aber es gibt noch eine andere Version von Willinghams Geschichte. In der ist sie eine zurückgewiesene, gekränkte junge Frau, die sich aus Eifersucht das mit der Vergewaltigung ausgedacht hat. Erzählt wird diese Version von Winston, seinen Verteidigern, seinen Eltern, und einer Gruppe von Harvard-Professoren, die sich auf die Seite des Angeklagten gestellt haben. Nachzulesen ist sie im Detail online, denn Winstons Verteidigungsteam hat eigens für ihre Darstellung der Ereignisse in dieser einen Januarnacht eine Internetseite zusammen gestellt.

          Kamliah Willinghams Geschichte ist in Amerika kein Einzelfall

          Auf der Seite ist nachzulesen, dass Winston Willinghams Freundin nachts aufgeweckt habe, sie hätten sich geküsst, gemeinsam ihr Oberteil ausgezogen. Es sei alles in ihrem Einverständnis passiert. Am nächsten morgen hätten ihn dann die Liebkosungen von Willingham geweckt. Als ihm klarwurde, dass es sich um sie und nicht um ihre Freundin handele, habe er sie zurück gewiesen.

          Es gibt SMS von Winston an Willingham, die man als Geständnisse einer Vergewaltigung lesen kann. Zu finden sind sie verschachtelt unter den Beweisdokumenten auf der Internetseite von Winstons Verteidigung. „Ich bin zu weit gegangen“, schreibt er, und „es tut mir Leid.“ Vier Jahre zäher Gerichtsverhandlungen später steht das Urteil: ein paar Monate auf Bewährung. Als Sexualstraftäter wird Winston nicht registriert.

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