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Sexualdelikte an Universitäten : „Das ist Rape Culture“

  • -Aktualisiert am
Eine Studentin sitzt auf den Treppen der Universitätsbibliothek in Harvard.
Eine Studentin sitzt auf den Treppen der Universitätsbibliothek in Harvard. : Bild: dpa

Dabei ist für viele der „Überlebenden“, wie sich die Opfer von Vergewaltigungen in den Vereinigten Staaten oft nennen, die Art, wie sie von den zuständigen Hochschulstellen behandelt werden, ein klarer Fall von Diskriminierung. Für Kamilah Willingham war ausschlaggebend, wie sich 19 Professoren in einer öffentlichen Stellungnahme auf die Seite Winstons gestellt haben. „Das hatte einen Einfluss darauf, wie viele Sexualdelikte danach noch bei der Universität gemeldet wurden“, sagt sie. „Ich glaube, das ist eine klare Missachtung von Title IX.“ Das der Professoren habe „eine feindliche und unsichere Lernatmosphäre“ für Opfer von sexueller Gewalt geschaffen, sagt Willingham.

Eine „Kultur von Vergewaltigung“

Darüber hinaus sei das Verhalten der Universitäten eine Gefahr für Studentinnen: „Die Vergewaltiger vergewaltigen weiter, weil sie wissen, dass sie damit durchkommen.“ Das sei „Rape Culture“ – eine „Kultur von Vergewaltigung“, sagt sie. Es ist ein Begriff, der im Zusammenhang mit Sexualdelikten an amerikanischen Universitäten immer wieder fällt.

Nach der Veröffentlichung von „The Hunting Ground“ im Februar 2015 waren die Universitäten gezwungen, gegen diese Kultur vorzugehen und härter durchzugreifen. Denn dass es zahlreiche Fälle von Vergewaltigung gibt, wissen jetzt alle. Dass die Universitäten das verschleiern wollen auch. Und das ist nicht gut für das Image.

Auch Harvard war nach Kamilah Willinghams Beschwerde gezwungen zu handeln. Denn das Bildungsministerium entschied in dem Fall zu ihren Gunsten – und befand den Umgang der Universität mit gemeldeten Sexualstraftaten für rechtswidrig. Den Harvard-Professoren ist es inzwischen nicht mehr erlaubt, Exmatrikulationen, die von der Kommission bereits beschlossen wurden, wieder aufzuheben, berichtet Willingham.

Ebenso hat die Universität nach eigenen Angaben inzwischen 50 Title IX-Koordinatoren eingestellt, die Studenten beraten und bei einer Beschwerde helfen sollen. „Die Ressourcen der Stelle für Prävention von sexuellen Übergriffen haben wir verdoppelt,“ sagt Tania deLuzurianga, Sprecherin von Harvard. Die Universität stehe „bei Initiativen zur Prävention und bei der Reaktion auf sexuelle Übergriffe an vorderster Front.“ Die Zahl der Fälle, die der Universität gemeldet werden, sei in den vergangenen Monaten gestiegen. „Darüber freuen wir uns,“ sagt deLuzurianga.

Aber erst im Februar reichte eine Harvard-Studentin abermals Beschwerde beim Bildungsministerium wegen Missachtung von Title IX ein. Der Fall löste, wie die Studentenzeitung „The Harvard Crimson“ berichtete, eine neue Welle an Kritik aus. Auch Willingham, die inzwischen in Kalifornien lebt, sagt, dass sich das Klima an der Universität eigentlich kaum geändert habe: „Ich habe mit ein paar anderen Harvard-Studenten gesprochen, die ihre Fälle auch der Hochschule gemeldet haben. Obwohl sich die Richtlinien geändert haben, bleibt die Kultur dort wohl die gleiche.“

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