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Sensationeller Schatzfund : Tiefseetaucher unter Plünderungsverdacht

  • Aktualisiert am

Fundstück: Eine von 500.000 entdeckten Gold- und Silbermünzen Bild: REUTERS

Es war wie im Traum: Amerikanische Tiefseetaucher haben in der Meerenge von Gibraltar einen wahren Schatz gehoben. 500.000 wertvolle Münzen fanden sich am Meeresboden in einem Wrack aus dem 17. Jahrhundert. Doch nun erhebt Spanien Ansprüche.

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          Ein von amerikanischen Tiefseetauchern aus einem Schiffswrack im Atlantik geborgene Millionenschatz hat die Begehrlichkeiten Spaniens geweckt. Das Kulturministerium in Madrid vermutet nach Pressberichten vom Montag, dass es sich um eine spanische Galeone handelt und das Land somit Anspruch auf den Fund haben könnte. Möglicherweise sei das Wrack zudem in spanischen Hoheitsgewässern in der Meerenge von Gibraltar entdeckt worden. Möglicherweise müssen sich die Amerikaner nun sogar mit Plünderungsvorwürfen auseinandersetzen.

          Für die Schatzsucher hatte sich zuvor der Traum von der Entdeckung eines sensationellen Schatzes erfüllt: Sie fanden in einem Schiffswrack auf dem Grund des Atlantiks eine halbe Million Gold- und Silbermünzen. Mit einem geschätzten Gesamtwert von 500 Millionen Dollar (371 Millionen Euro) würde der Fund den bisherigen Schatzsucher-Rekord von 400 Millionen Dollar aus dem Jahr 1985 übertreffen, wie das Schatzsucher-Unternehmen Odyssey Marine Exploration in Tampa im amerikanischen Bundesstaat Florida mitteilte.

          Keine Angaben zum Fundort

          Odyssey-Mitbegründer Greg Stemm wollte mit Verweis auf Sicherheitsgründe keine Angaben zum genauen Fundort des Schatzes und dem vor 400 Jahren untergegangenen Schiff machen. In der Region seien so viele Schiffe versunken, dass die Schatzsucher selbst noch keine Gewissheit über Nationalität, Größe und Alter des untergegangenen Schiffes hätten. Der Fundort liege in internationalen Gewässern. Ein von Odyssey mit der Begutachtung der inzwischen in die Vereinigten Staaten ausgeflogenen 500.000 Gold- und Silbermünzen beauftragter Experte sprach von einem beispiellosen Fund aus der Zeit des 17. Jahrhunderts. „Mir ist nichts Vergleichbares bekannt“, sagte Nick Bruyer. Jede der Münzen könne mehrere hundert oder sogar tausend Dollar wert sein.

          Schatzsucher oder Plünderer? Greg Stemm (li.), Projektmanager Tom Dettweiler
          Schatzsucher oder Plünderer? Greg Stemm (li.), Projektmanager Tom Dettweiler : Bild: AFP

          Der Schatz besteht laut Odyssey zum größten Teil aus Silbermünzen. Aus gerichtlichen Eingaben von Odyssey leiteten einige Fachleute ab, dass der Schatz gut 70 Kilometer vor der Küste Südwestenglands gefunden worden sein könnte. Ein amerikanischer Bundesrichter hatte am Mittwoch einem Antrag der Firma stattgegeben, exklusiv ein in diesem Gebiet gefundenes Schiffswrack aus dem 17. Jahrhundert erkunden zu dürfen. Odyssey machte keine Angaben über Ursprungsland, Nennwert und Prägung der Münzen. Die Aktion zur Hebung des Schatzes sei unter dem Namen „Black Swan“ („Schwarzer Schwan“) gelaufen.

          Bisheriger Rekordfund vor 22 Jahren

          Der bislang größte aus einem Schiffswrack gehobene Schatz wurde 1985 in der spanischen Galeone „Nuestra Señora de Atocha“ gefunden, die 1622 in einem Hurrikan vor Florida unterging. Er war vom Schatzsucher Mel Fisher entdeckt worden.

          Odyssey ist seit 13 Jahren im Schatzsuchergeschäft. Der größte Erfolg des Unternehmens war 2003 die Entdeckung von 50.000 Münzen in der „SS Republic of Savannah“ in Georgia. Seit Januar sucht Odyssey in der Straße von Gibraltar nach dem Wrack des englischen Kriegsschiffs „HMS Sussex“, das 1694 mit möglicherweise neun Tonnen Gold an Bord unterging. Sollte es fündig werden, müsste es sich den Schatz allerdings mit der britischen Regierung teilen.

          Spanien: Suche nach „HMS Sussex“ suspekt

          Die spanischen Behörden prüfen nun, ob gegen Odyssey wegen Diebstahls spanischen Kulturbesitzes ermittelt werden kann. Die Erklärung des Unternehmens, der Schatz sei in internationalen Gewässern gefunden worden, sei angesichts der Suche nach der „HMS Sussex“ suspekt und „verdächtig“, wurde das Kulturministerium zitiert.

          Odyssey erhielt im Januar die Erlaubnis für Arbeiten an dem gesunkenen englischen Kriegsschiff. Sie deckte aber nur Erkundungsmaßnahmen ab, nicht Bergungsvorgänge. Odyssey war in den vergangenen Jahren auch vor der spanischen Küste aktiv, stellte seine Unternehmungen nach Beschwerden der Regierung in Madrid allerdings 2005 ein.

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