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Sensationeller Fund in Amerika : Bismarcks Stimme

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., National Park Service

Im amerikanischen Bundesstaat New Jersey ist die wahrscheinlich einzige Tonaufnahme Otto von Bismarcks aufgetaucht. Auf FAZ.NET können Sie sich das Dokument aus dem Jahr 1889 anhören.

          Lesen können historisch Interessierte heutzutage jede Menge über ihn und auch von ihm. Aber wer soll noch seine Stimme im Ohr haben – fast 114 Jahre nach dem Tode des Fürsten Otto von Bismarck? Niemand, weil bisher keine Tonaufnahme zur Verfügung stand. Dabei hatte der Reichsgründer und Reichskanzler von 1871 bis 1890 nur wenige Monate vor seinem endgültigen Zerwürfnis mit dem jungen Kaiser Wilhelm II. einer solchen Aufnahme zugestimmt. Diese galt allerdings als verschollen. Wie die „New York Times“ berichtet, wurde der Tonträger in „Edison’s Old Laboratory“ im „Thomas Edison National Historical Park“ in West Orange, New Jersey, wiederentdeckt.

          Am 7. Oktober 1889 kam Adalbert Wangemann, ein Mitarbeiter des Erfinders Edison, begleitet von seiner Ehefrau im Rahmen einer Europatour nach Friedrichsruh bei Hamburg, um Bismarck einen Edison-Phonographen vorzuführen. Wangemann spielte diverse Lieder ab und überredete Bismarck danach zu einer Tonaufnahme. Aus zeitgenössischen Presseberichten war seither bekannt, dass der Kanzler Auszüge aus dem amerikanischen Volkslied „In Good Old Colony Times“, dem Gedicht „Kaiser Rotbart lobesam“ von Ludwig Uhland und dem Studentenlied „Gaudeamus Igitur“ vortrug. Das erklärt der Historiker und Geschäftsführer der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh, Ulrich Lappenküper, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seit Jahren war die Stiftung auf der Suche nach dem Tonträger. Den Fund bezeichnet Lappenküper als „Sensation“, auch weil die Wachs-Walze festhielt, dass sich der 74 Jahre alte Bismarck kurz der französischen Sprache bediente, indem er die ersten Zeilen der „Marseillaise“ zitierte – was die zeitgenössische Presse wohl verschwieg, weil dies nicht dem „Geschmack“ der Mehrzahl der deutschen Verehrer des Kanzlers entsprochen habe. Schließlich gab Bismarck den „Rat eines Vaters an seinen Sohn“ zum Besten und empfahl Maßhalten bei Arbeit, Essen und Trinken.

          Dokumente aus dem Bismarck-Archiv – so ein Brief der Kanzler-Gemahlin Johanna an den Sohn Herbert, den früheren Staatssekretär des Auswärtigen Amts – überliefern, wie beide Bismarcks so fasziniert von Gerät und Vorführer waren, dass Wangemann bei allem Erzählen die Zeit vergaß und den Zug nach Berlin verpasste. Hören Sie in der Tonaufnahme zwischen allem Scheppern und Rauschen für zwei Minuten auch Bismarcks Stimme!

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