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Sensationelle Funde : Bald wird nicht mehr geteilt

  • -Aktualisiert am

Hobby-Archäologe Roberto Carelli in Frankfurt mit Fragmenten der Reiterstatue des Kaisers Trajan Bild: dpa

Bei archäologische Funden in Hessen gilt bis jetzt: Die eine Hälfte gehört dem Entdecker, die andere dem Eigentümer des Bodens. Das soll sich kurz nach der Entdeckung einer wertvollen Reiterstatue ändern - der Staat soll ab sofort alle Besitzrechte bekommen.

          Der Wind weht heisere Rufe, Peitschenknallen, Pferdewiehern heran. Die römische Familie am Straßenrand erstarrt; hastig stellt der Vater den Geldkasten auf den Grund der frisch ausgehobenen Grube. Die Frau zieht ihren goldenen neuneckigen Ring vom Finger und wirft ihn hinab, die Tochter lässt einen Silberring folgen, der Sohn einen Reitersporn. Schließlich löst der Vater eine Gewandnadel und legt sie auf den Schatz, bevor er das Loch zuschaufelt und mit Frau und Kindern den Ochsenkarren besteigt - im Jahr 260 nach Christus auf der Flucht vor marodierenden Germanen in der sich gerade samt Limes auflösenden römischen Provinz Germania superior.

          Die römische Familie hat ihre Schätze nicht wiedergesehen. Auch ein plündernder Germanen-Trupp musste seine 130 Meter entfernt verborgenen Reste einer bronzenen Reiterstatue für immer zurücklassen - direkt neben der Straße im heutigen Frankfurter Stadtteil Nieder-Eschbach, die einst zum Hauptort jener Provinz, der Civitas Ulpia Taunensium Nida, führte. Mehr als 17 Jahrhunderte lang ruhten die wertvollen Stücke im Boden. Im Jahr 2010 nach Christus nun geben sie, in der vergangenen Woche in Frankfurt präsentiert, möglicherweise den letzten Anstoß für die Einführung des Schatzregals in Hessen.

          150 000 Euro für Grabbeigaben am Rande der Wetterau

          Nach dieser rechtlichen Regelung wird herrenloses Gut, das bis zum Zeitpunkt des Fundes verborgen war, mit seinem Auffinden Eigentum des Staates, ohne dass dazu ein weiterer Übertragungsakt erforderlich ist. Die Regelung gilt in allen Bundesländern - außer in Bayern, Nordrhein-Westfalen und eben Hessen. Hier gilt noch die Hadrianische Teilung, die auf römisches Recht zurückgeht und im Bürgerlichen Gesetzbuch festgeschrieben ist. Sie legt als Eigentümer eines herrenlosen Fundstücks zur einen Hälfte den Finder fest und zur anderen den "Eigentümer der Sache, in welcher der Schatz verborgen war". Bei archäologischen Funden in Hessen gilt also: Die eine Hälfte gehört dem Entdecker, die andere dem Eigentümer des Bodens, in dem das Stück steckte.

          Frankfurts Bürgermeisterin Petra Roth und der Finder Roberto Carelli zeigen Bruchstücke des Fundes

          Nach Informationen dieser Zeitung soll sich das nun ändern: Vielleicht noch diese Woche, spätestens im Januar soll ein Gesetzentwurf zur Einführung des Schatzregals in den Hessischen Landtag eingebracht werden. Hat doch das Land Hessen immer wieder Hunderttausende Euro zahlen müssen, um archäologische Funde von privaten Eigentümern auszulösen: 70.000 Euro allein, wie der hessische Landesarchäologe Egon Schallmayer berichtet, auf der Grundlage eines unabhängigen Gutachtens für die Statue des Keltenfürsten vom Glauberg und 150 000 Euro für die Grabbeigaben aus den Fürstengrabhügeln am Rande der Wetterau.

          Archäologen jubeln über eine Sensation

          Auch der im Sommer 2009 im nordhessischen Waldgirmes geborgene Teil einer römischen Reiterstatue des Augustus, der vergoldete Bronzekopf eines vorwärtsdrängenden Hengstes mit reichverziertem Zaumzeug, gehört zur Hälfte dem Grundeigentümer. Für die Auslösung des Schädels sowie weiterer wertvoller Relikte rechnet die Ausgräberin Gabriele Rasbach von der Römisch-Germanischen Kommission (RGK) des Deutschen Archäologischen Instituts mit einer sechsstelligen Summe. Noch sei der Vorgang jedoch nicht abgeschlossen.

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