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Selbstverpflichtung : Modebranche verbannt Magermodels vom Laufsteg

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Deutsches Modeinstitut: „Verschobene ästhetische Vorstellungen” Bild:

Mit der Verbannung spindeldürrer Models von deutschen Laufstegen geht die Modebranche erstmals gegen Magersucht vor. Vier große Verbände haben sich verpflichtet, keine Magermodels mehr für Modeschauen und Werbefotos zu engagieren.

          Keine „Hungerhaken“ auf den Laufsteg: Vertreter der Modebranche haben sich am Freitag in einer Vereinbarung mit Gesundheitsministerin Ulla Schmidt verpflichtet, keine krankhaft unterernährten Models mehr einzusetzen. Hintergrund sind erschreckende Zahlen zur Magersucht. 1,4 Millionen Jugendliche zwischen elf und 17 Jahren leiden unter Essstörungen. Nach der Charta mit dem Motto „Leben hat Gewicht“ müssen Models bei Modeschauen und auf Fotos künftig mindestens den Body-Mass-Index 18,5 - also etwa Konfektionsgröße 36 - haben und 16 Jahre alt sein. „Wir wollen ein deutliches Signal gegen ein ungesundes Körperideal setzen“, sagte Schmidt.

          Frank Hartmann, Geschäftsführer des Messeveranstalters Igedo, appellierte an die Branche: „Wir müssen zeigen, dass es nicht zum Job gehört, sich zu Tode zu hungern.“ Der Fall des brasilianischen Supermodels Ana Carolina Reston, die vor zwei Jahren mit 21 Jahren an Magersucht starb, hatte die Branche aufgeschreckt.

          Signal an große Modeschauen

          Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode Instituts, kritisierte „verschobene ästhetische Vorstellungen“ vieler Designer. Weil die Kleider noch Spiel zum Körper haben sollten, bevorzugten die Modemacher oft magere Models. Dabei entspricht Größe 40 bis 42 nach Angaben von Marc Voss vom German Fashion Modeverband dem Bevölkerungsdurchschnitt.

          Krankfhaft unterernährte Mädchen sollen nicht mehr engagiert werden

          Der Schritt löse das Problem der Magersucht zwar nicht, räumte die Ministerin ein. Die Branchenvertreter betonten, auf Deutschlands Verbrauchermessen seien Magermodels bereits weniger verbreitet. Hartmann sagte: „Allein in Deutschland wird es sich nicht entscheiden, ob es einen gesellschaftlichen Trend zu anderen Größen gibt.“ Mit ähnlichen Vorstößen in England, Frankreich, Italien, Österreich und Spanien solle ein Signal an die großen Modeschauen gesendet werden, sagte Schmidt. Die Bilder von Topmodels beeindruckten junge Frauen oft am stärksten.

          Rund 600.000 Menschen erkrankt

          Rund 600.000 Menschen zwischen 15 und 35 Jahren sind in Deutschland an Magersucht oder Bulimie erkrankt. „Das ist ein Schicksal, das ganze Familien zerstört“, sagte Schmidt. Rund 22 Prozent der 11- bis 17-Jährigen zeigen nach einer Untersuchung des Robert Koch-Instituts Symptome einer Essstörung. Bei Mädchen mit 17 Jahren liegt der Anteil bei 30 Prozent. Jeder zehnte Magersüchtige stirbt daran.

          Heftig griff Schmidt die Werbebranche an. Sie nehme ihre Verantwortung nicht wahr. Der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft hatte der Bundesregierung populistische Verlogenheit vorgeworfen und eine Beteiligung an der Initiative abgelehnt. Schmidt und die Unterzeichner riefen die einzelnen Unternehmen und weitere Branchen zur Teilnahme auf. In der Charta verpflichten sich die Unterzeichner auch, körperliche Vielfalt darzustellen und Aktionen gegen Essstörungen zu unterstützen.

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