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Seilbahnunglück : Der Tod fiel vom Himmel

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Beim Absturz einer Seilbahn sind in Tirol sechs Kinder und drei Erwachsene aus Deutschland in den Tod gerissen worden. Wie Augenzeugen berichteten, hatte ein Hubschrauber in den Ötztaler Alpen ein Betonteil verloren. Es stürzte aus 300 Metern Höhe in die Tiefe und traf eine Gondel direkt.

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          Bei einem tragischen Seilbahnunglück im Gletscherskigebiet von Sölden sind am Montag neun deutsche Touristen ums Leben gekommen, darunter sechs Kinder. Sie kamen aus dem Schwarzwald. Dies berichtete die Nachrichtenagentur APA am Abend unter Berufung auf „Rettungskreise“. Bei den Opfern handele es sich um eine Frau, zwei Männer, vier Mädchen und zwei Jungen im Alter von elf und 13 Jahren. Die Gruppe hielt sich zum Sommertraining ihres Skivereins in den Tiroler Bergen auf.

          Ein Transporthubschrauber verlor auf dem Weg zu einer Bergstation im Ötztal einen 750 Kilogramm schweren Betonkübel, der eine der Gondeln traf und in die Tiefe riß. Zwei weitere Gondeln gerieten so stark in Schwingungen, daß Insassen durch die Fenster herausgeschleudert wurden.

          Ungeklärte Ursache

          Sieben Menschen wurden am Nachmittag verletzt in Krankenhäuser geflogen, zwei von ihnen befanden sich in kritischem Zustand. Zum Zeitpunkt des Unglücks waren laut APA in sechs Gondeln insgesamt 35 Menschen, davon 16 in den drei betroffenen Kabinen. Nach Angaben des österreichischen Fernsehsenders ORF wollten die getöteten deutschen Touristen auf dem in 3.250 Meter Höhe gelegenen Rettenbach-Gletscher Ski laufen. Der Gletscher ist auch in den Sommermonaten ein beliebtes Skigebiet (Siehe auch: Chronik: Die schwersten Seilbahnunglücke der vergangenen Jahre).

          Seilbahnunglück : Neun Tote nach Gondelabsturz

          Der Hubschrauber sollte Beton zur Bergstation Schwarze Schneid fliegen. Die Last löste sich aus zunächst ungeklärter Ursache und stürzte aus rund 200 Metern Höhe direkt auf eine der Gondeln der Seilbahn am Tiefenbachferner Gletscher, wie der Leiter der Innsbrucker Kriminalpolizei, Edelbert Köhler, erklärte. Der Haken, an dem der Behälter festgemacht war, könne mechanisch und elektrisch ausgeklinkt werden, zitierte APA den Leiter der Hubschrauberfirma, Roy Knaus.

          Mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht

          Die Schwerstverletzten wurden in die Kliniken nach Zams und Innsbruck geflogen, wie APA unter Berufung auf das Rote Kreuz berichtete. Kriseninterventions-Experten des Roten Kreuzes waren unterwegs, um sich um die Angehörigen der Opfer zu kümmern. Im Einsatz waren mehrere Notärzte, Sanitäter und zwölf Hubschrauber, darunter auch Maschinen der Polizei und des Bundesheeres. Die Insassen der übrigen Gondeln wurden mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht. Das Unglück ereignete sich in der Nähe der in 3.309 Metern Höhe gelegenen Bergstation der so genannten „Schwarze Schneid I-Bahn“, die den Rettenbach- mit dem Tiefenbachferner verbindet.

          Noch am Montag abend nahm die Staatsanwaltschaft Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung auf. Nach Angaben eines Sprechers werde wegen „fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen und wegen Gemeingefährdung“ ermittelt.

          Der Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden, Jakob Falkner, hat jede Verantwortung für das schwere Unglück vom Montag abgelehnt. Er sagte in der ARD: „Wir tragen in diesem Fall keine Verantwortung.“ Es müsse klargestellt werden, daß es sich nicht um ein Seilbahn-, sondern um ein Hubschrauberunglück handelt, bei dem eine Seilbahn schwer getroffen wurde. Ein generelles Sicherheitsproblem der Söldener Seilbahn könne er ausschließen.

          Zweiter Unfall

          Bereits im November vergangenen Jahres war es an der Seilbahn zu einem Unfall gekommen: Damals verhakte sich das Steuerseil mit einer leeren, talwärts fahrenden Gondel, die daraufhin abstürzte. 113 Fahrgäste mußten aus den übrigen, festsitzenden Gondeln einzeln - aus bis zu 50 Metern Höhe - abgeseilt werden. Die Rettungsaktion dauerte mehrere Stunden, verletzt wurde damals niemand.

          Das Unglück in Tirol ist der zweite Seilbahn-Absturz, bei dem ein Fluggerät beteiligt ist. Im Februar 1998 hatte bei Cavalese in den italienischen Dolomiten ein amerikanischer Militärjet das Tragseil einer Gondelbahn mit der Heckflosse durchtrennt. Die Kabine stürzte 80 Meter in die Tiefe. Alle 20 Insassen, unter ihnen 8 deutsche Skiurlauber, starben. Der Militärjet war unerlaubt im Tiefflug geflogen. Im April 2000 akzeptierten die Hinterbliebenen einen Schadenersatz von 40 Millionen Dollar (2 Millionen je Opfer).

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