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Schwere Unwetter : Tornado zerstört Häuser

  • Aktualisiert am

Verwüstung innerhalb weniger Sekunden: In Framersheim in Rheinland-Pfalz hat eine Windhose mehrere Häuser komplett zerstört. Bild: dpa

Auch in der Nacht haben Unwetter in Deutschland gewütet. Es kam zu Stromausfällen, der Berliner Flughafen Schönefeld stellte den Betrieb kurzzeitig ein. Besonders stark erwischte es Framersheim in Rheinland-Pfalz, wo ein Tornado durchs Dorf zog.

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          Über mehrere Regionen Deutschlands sind am Dienstagabend schwere Unwetter hinweggefegt. Die Gewitter und Unwetter waren vom Südwesten Richtung Osten gezogen und hatten am Abend und in der Nacht Brandenburg, Berlin, Sachsen und Bayern erreicht. Auf dem Berliner Flughafen Schönefeld wurde um 21.34 Uhr für mehr als eine halbe Stunde die Abfertigung eingestellt, wie ein Sprecher sagte.

          Die Deutsche Bahn verzeichnete bis kurz vor Mitternacht nur kleinere Störfälle. Auf Nebenstrecken seien vereinzelt Bäume und Äste in Oberleitungen gefallen und hätten zu Verspätungen geführt, sagte ein Sprecher.

           In Framersheim in Rheinland-Pfalz berichtete die Polizei von einer Windhose, die zahlreiche Häuser beschädigt und nach ersten Schätzungen einen Millionenschaden angerichtet haben soll. Nach Angaben von Ortsbürgermeister Ulrich Armbrüster (FWG) riss der Sturm die Dächer mancher Gebäude halb oder ganz weg. Insgesamt seien etwa 70 bis 100 Häuser betroffen.

          Bis zu 100 Häuser sollen am Dienstagabend in Framersheim beschädigt oder zerstört worden sein.

          Nach seinen Angaben richtete das Unwetter am Dienstagabend leichte bis schwere Schäden an den Dächern von 70 bis 100 Häusern an. Zwei oder drei Gebäude seien nicht mehr bewohnbar. Ziegel stürzten auf die Straßen und beschädigten Autos und andere Fahrzeuge. Den Gesamtschaden schätzt Armbrüster auf acht bis zehn Millionen Euro.

          „Ein Großteil ist über die Elementarschädenversicherung abgedeckt - zumindest, was die Kommune betrifft“, sagte er. Bei Privatleuten sehe es mitunter etwas schwieriger aus. Für sie stünden nun Gespräche mit den Versicherungen an. Der gut 1600 Einwohner zählende Weinort erwartet am Mittwoch zudem erneut einen Vertreter des rheinland-pfälzischen Innenministeriums. Ressortchef Roger Lewentz (SPD) habe bei seinem Besuch am Dienstagabend schnelle Hilfe zugesichert, sagte Armbrüster.

          „Die Leute haben das eigentlich erstmal weggesteckt“, beschrieb der Bürgermeister die Stimmung. So wie er die Menschen im Ort kenne, hülfen sie sich gegenseitig und schafften es relativ schnell wieder in den Alltag.

          Nach der Hitze der vergangenen Tage schlägt vielerorts der Blitz ein – wie auf dieser Aufnahme aus Kassel.

          Kirchturm wird überprüft

          Die Aufräumarbeiten, an denen sich nach Lewentz Angaben etwa 200 Helfer beteiligten, gingen bis zum frühen Mittwochmorgen weiter. Die Kräfte sicherten Häuser, wo es notwendig sei, und nähmen auch einen Kirchtum unter die Lupe, berichtete Armbrüster.

          Stromausfälle meldete die Polizei im baden-württembergischen Weinheim. Drei Hochspannungsmasten brachte der Sturm in Seegebiet Mansfelder Land in Sachsen-Anhalt zu Fall - 1800 Haushalte waren zeitweise ohne Strom. In Kelbra kippte durch den Sturm ein Wohnwagen um, dabei wurde ein Mensch schwer und ein weiterer leicht verletzt. Faustgroße Hagelkörner zerstörten den Angaben zufolge Vor- und Garagendächer, Straßen wurden überflutet. Rund 400 Feuerwehrmänner waren im betroffenen Landkreis im Einsatz.

          In Niedersachsen kam es im Raum Göttingen zu Verkehrsbehinderungen. Bäume stürzten auf Autos. Auf der A7 in Südniedersachsen gab es während des Sturms mehrere Unfälle.

          Zwischen Heidelberg und Seckenheim war der Straßenbahnverkehr der Linie 5 gestört, weil Äste Gleise und Oberleitung blockierten. Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH wollte einen Ersatzverkehr einrichten. Es kam zu Zugausfällen und Verspätungen.

          Zudem war es  im Süden und Osten Sachsen-Anhalts zu Unwettern gekommen. Im Landkreis Mansfeld-Südharz etwa stürmte es besonders stark. „Wir kommen kaum hinterher bei den Einsätzen“, sagte ein Sprecher der Polizei in Eisleben. Zahlreiche Bäume seien umgestürzt und Dächer abgedeckt worden, hieß es.

          400 Feuerwehrmänner im Einsatz

          Drei Hochspannungsmasten brachte der Sturm in zu Fall - 1800 Haushalte waren zeitweise ohne Strom. In Kelbra kippte durch den Sturm ein Wohnwagen um, dabei wurde ein Mensch schwer und ein weiterer leicht verletzt. Faustgroße Hagelkörner zerstörten den Angaben zufolge Vor- und Garagendächer, Straßen wurden überflutet. Rund 400 Feuerwehrmänner waren im betroffenen Landkreis im Einsatz.

          Auch in den Kreisen Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg kam es zu Einsätzen, teilte die Polizeidirektion Ost mit. Meist sei es um umgeknickte Bäume oder heruntergefallene Äste gegangen. Vereinzelt seien Autos beschädigt worden. Verletzte gab es nach ersten Angaben dort nicht.

          Der DWD hatte nach der Hitzewelle der vergangenen Tage vor Unwettern gewarnt. Die teils schweren Gewitter könnten sich am Abend nach Osten und Süden ausbreiten, hieß es. „Dabei muss mit Starkregen, Hagel und Sturmböen gerechnet werden“, hieß es. „Selbst ein vereinzelter Tornado kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür nicht sehr hoch ist.“

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