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Vatikan : Schweizergarde bekommt Helme aus dem 3-D-Drucker

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Der schwarze Morion aus Eisenblech mit Federbusch soll in Kürze durch ein Modell aus dem 3D-Drucker ersetzt werden. Für die Soldaten der Schweizergarde eine Erleichterung. Bild: dpa

Eine der traditionsreichsten Truppen der Welt wird zur Avant-Garde: Computer und 3-D-Drucktechnik machen den frühbarocken Kopfschutz der päpstlichen Leibwache komfortabler.

          Sichtlich 500 Jahre ist sie alt, die Schweizergarde mit ihren gelb-rot-blauen Uniformen und schimmernden Rüstungen - aber diesmal schlägt sie alle Armeen der Welt an Innovation: Zur Vereidigungsfeier am Wochenende führt die Truppe einen Helm ein, der aus dem Drucker kommt. Ein Spezialunternehmen im schweizerischen Stans fertigt den historischen Kopfschutz für die Leibgarde des Papstes mit modernster Technik.

          Das Modell stammt aus dem 16. Jahrhundert: ein sogenannter Morion mit einer vorn und und hinten nach oben gezogenen, spitz zulaufenden Krempe. Ein geübter Schmied benötigt für so ein Stück an die 100 Arbeitsstunden, Kraft, Schweiß und viel Geschicklichkeit. In der Stanser Firma für additive Fertigungsverfahren steht die Helmschale nach 14 Stunden im Drucker, aus einem Guss sozusagen, inklusive dem fein getriebenen Wappen von Julius II. (1503-1513).

          Ein Ersatz tat not: Die alten Exemplare aus Eisenblech hatten Beulen und Schrammen, so Gardekommandant Christoph Graf bei der Präsentation der 3D-Helme. Dabei stammten die Blessuren nicht von Kämpfen, sondern Stürzen: Zum Einsatz kommt der Morion ausschließlich als Teil der Galauniform. Aber ab und zu dotzte einer auf den Boden - manchmal bloß der Helm, manchmal auch der Mann. An sonnigen Tagen heizte sich das Blech mehr auf, als für manchen Gardisten auszuhalten war.

          Mehr Komfort, weniger Gewicht

          Für den neuen Helm verspricht der Initiator des Projekts, der Stanser Ingenieur Peter Portmann, höheren Tragekomfort. Gerade einmal 570 Gramm bringt die Schale auf die Waage, die schmucke Pfauenfeder nicht mitgerechnet. Der Kunststoff absorbiert nicht nur weniger Hitze; in die Helmschale sind auch Belüftungskanäle integriert, die die Stauwärme in den Kamm ableiten. Zusätzlich sind die Wangenklappen mit Leder gefüttert. Durch die Metallvariante kam es bei intensiver Sonneneinstrahlung teils zu Brandwunden.

          Das Wundermaterial der neuen Rüstungsgeneration nennt sich Acrylnitril-Styrol-Acrylat-Copolymer. Es wird beschrieben als schlagzäh, UV- und witterungsbeständig und gesundheitlich unbedenklich. Auf die Frage einer Journalistin, ob der Helm kugelsicher ist, antwortet Graf mit einem trockenen „Nein“. Aber das galt schon für den alten Morion. Von billigem Plastik kann jedenfalls keine Rede sein: Um die 800 Euro kostet ein Exemplar.

          Der Heilige Stuhl soll hierfür keinen Taler aufwenden müssen: Eine erste Serie von 40 Helmen ist bereits von privaten Spendern finanziert, für rund weitere 60 Stück sucht Portmann noch Sponsoren. Wer die Kosten für einen kompletten Morion übernimmt, darf seinen Namen an der Unterseite der Krempe aufprägen lassen. Offenbar ein Anreiz für viele. Die Initiative breitet sich laut Portmann ohne große Werbung aus, praktisch nur durch Medien und Mundpropaganda.

          Aber der Stolz der Schweizergarde liegt auch in der Tradition, und was bisher ein einzigartiges Stück Handwerkskunst war, ist jetzt ein Kunststoff-Klon auf Basis eines dreidimensionalen Scans. Keine Frage der Ehre? - „Wir müssen mit der Zeit gehen“, sagt Gardekommandant Graf. Sein Problem ist eher, genügend Rekruten zu finden. Dieses Wochenende verpflichten sich 32 Neue feierlich zum Dienst für den Papst. Aber vor der Schutztruppe liegen magere Jahrgänge.

          Die personellen Anforderungen steigen; soeben hat der Vatikan eine Aufstockung der 110 Mann starken Truppe um 25 Gardisten genehmigt. Nur die müssen erst mal gefunden werden. Der monatliche Sold von 1.500 Euro bietet keinen Anreiz, und auch beim katholischen Profil der Kandidaten muss die Gardeleitung Kompromisse schließen.

          Die Garde versucht schon durch eine Spezialausbildung bei der Tessiner Kantonspolizei attraktiver zu werden. Auch was den Soldaten den Dienst angenehmer macht, wäre Kommandant Graf willkommen - unter anderem eine weitere technische Aufrüstung der Uniformen. Aber ob etwa atmungsaktive und wasserdichte Bekleidung zum Einsatz kommt, ist nicht zuletzt eine Kostenfrage. Neuerungen müssen sich jedenfalls durch einen konkreten Nutzen rechtfertigen: „Eine Hellebarde würden wir nicht aus Kunststoff machen“, so Graf.

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