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Schweinegrippe : Zwei neue Fälle in Deutschland

  • Aktualisiert am

Schulfrei wegen Grippe: Nach mehreren Erkrankungen trifft die Stadt New York Vorsorge Bild: dpa

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Freitag binnen eines Tages mehr als tausend weitere Schweinegrippe-Fälle bestätigt. In Deutschland wurden zwei neue Virus-Infizierte gemeldet. In New York wurden nach neuen Erkrankungen drei Schulen geschlossen.

          In Deutschland sind zwei weitere Fälle von Schweinegrippe nachgewiesen worden. Damit hat sich die Zahl der Infizierten inzwischen auf 14 erhöht, wie das Berliner Robert-Koch-Institut am Freitag mitteilte. Die beiden neu Erkrankten sind Ehefrau und Sohn eines Mannes aus Sachsen-Anhalt, der sich in Mexiko angesteckt hatte. Weder Frau noch Sohn zeigten Krankheitssymptome, das Virus wurde aber bei einer Untersuchung möglicher Kontaktpersonen bestätigt.

          Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat binnen eines Tages mehr als tausend weitere Schweinegrippe-Fälle bestätigt. Insgesamt seien nun schon mehr als 7500 Menschen in 34 Ländern an Influenza A (H1N1) erkrankt, teilte die WHO am Freitag an ihrem Genfer Sitz mit. In New York wurden drei Schulen für eine Woche geschlossen, ein Lehrer erkrankte schwer.

          Die Zahl der weltweiten Todesfälle liegt laut WHO unverändert bei 65, allein 60 davon im Ursprungsland Mexiko. Als neues Land nahm die WHO zunächst Belgien auf ihre Liste auf; Malaysia und Peru meldeten ebenfalls erste Erkrankungen. WHO-Direktorin Margaret Chan warnte am Freitag vor neuen autonomen Infektionsherden. Die bisherigen Ergebnisse der Labors ließen den Schluss zu, dass das Virus noch lange aktiv bleiben und sich auf bisher nicht betroffene Regionen ausweiten werde, sagte ihr Stellvertreter Keiji Fukuda.

          Höchste Pandemie-Warnstufe möglich

          Bisher hatten sich die meisten Erkrankten bei Aufenthalten in Mexiko oder den Vereinigten Staaten angesteckt. Sollten neue Infektionsherde außerhalb des amerikanischen Kontinents hinzukommen, könnte die WHO die höchste Pandemie-Warnstufe ausrufen. Seit Ende April gilt die Stufe 5. Das bedeutet, dass die Übertragung von Mensch zu Mensch in mindestens zwei Ländern einer Region registriert wird, eine Pandemie somit unmittelbar bevorsteht und Gegenmaßnahmen dringend abgeschlossen werden müssen.

          Aus Sorge um einen Ausbruch der Schweinegrippe blieben am Freitag drei Schulen im New Yorker Stadtteil Queens mit knapp 4500 Schülern geschlossen. Ein mit der Grippe A (H1N1) infizierter Lehrer befinde sich in einem ernsten Zustand, zudem hätten mindestens vier Schüler derselben Schule das Virus, sagte Bürgermeister Michael Bloomberg am Donnerstag (Ortszeit). Es gebe eine „ungewöhnliche Anzahl grippeähnlicher Erkrankungen“ an den betroffenen Schulen, sagte er weiter.

          Schulen für fünf Tage geschlossen

          An einer Schule seien 50 Schüler mit Grippe-Symptomen nach Hause geschickt worden, an einer weiteren hätten am Donnerstag 241 Schüler im Unterricht gefehlt, an der dritten seien 29 Kinder mit grippeähnlichen Symptomen registriert. Die drei Schulen würden für zunächst mindestens fünf Schultage geschlossen, um eine Ausbreitung des Virus' zu verhindern. Im April war ebenfalls im Stadtteil Queens eine Schule wegen der Krankheit tagelang geschlossen worden. In den Veranstalterin wurden bereits 4298 bestätigte oder mutmaßliche Fälle der Grippe registriert, das sind über 2000 Erkrankte mehr als in Mexiko. Drei amerikanische Bürger starben bislang an der Krankheit.

          Die WHO hat derweil noch keine Entscheidung über die Massenproduktion eines Impfstoffs gegen die Schweinegrippe gefällt. Ein Expertentreffen am Donnerstag habe „keine großen Entscheidungen“ erbracht, sagte WHO-Vizegeneraldirektor Fukuda. Es handele sich um einen „mühsamen und schwierigen“ Entscheidungsprozess, der noch einige weitere Treffen erfordere. Eine Entscheidung über die Impfstoffproduktion muss laut Fukuda sorgfältig abgewogen werden, weil sie die Herstellung anderer Grippe-Impfstoffe beeinträchtigen könnte. Fukuda wies die Annahme eines Virologen zurück, dass der Erreger der Schweinegrippe aus einem Labor stammen könnte. Diese These habe einer Überprüfung nicht standgehalten.

          Milder Grippeverlauf in Deutschland

          Zur derzeitigen Lage in Deutschland erklärte das Robert Koch-Institut: „Für Deutschland wird derzeit eine gewisse Stabilisierung gesehen, aber nach wie vor kann keine Entwarnung gegeben werden.“ Alle Erkrankungen in Deutschland seien aber immerhin mild verlaufen. Die 14 Fälle verteilen sich wie folgt auf die Bundesländer: Sieben in Bayern, zwei in Brandenburg, vier in Sachsen-Anhalt und einer in Hamburg. Die ersten drei Fälle waren am 29. April bestätigt worden.

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