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Schweinegrippe : Neue Ansteckungswelle in Deutschland erwartet

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Fieberhaft wird an einem Impfstoff gegen die Krankheit geforscht Bild: ZB

700 Menschen sind nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation bisher an der Schweinegrippe gestorben. Fast 1500 Krankheits-Fälle gibt es mittlerweile in Deutschland. Zum Ende der Sommerferien könnte es eine neue Ansteckungs-Welle geben, fürchten Experten.

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          Die Schweinegrippe hat nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO seit April etwa 700 Todesopfer gefordert. Damit seien die Zahlen seit 6. Juli von damals 429 Opfern drastisch gestiegen. WHO-Sprecherin Alphaluck Bhatiasevi sagte am Dienstag vor Journalisten in Genf, eine genaue Zahl der weltweiten Opfer liege ihrer Organisation nicht mehr vor, da die Länder seit der vergangenen Woche nicht mehr verpflichtet seien, der WHO die Todesopfer zu melden.

          Die Zahl nachgewiesener Infektionen soll jetzt bei über 120.000 - nach knapp 95.000 Anfang Juli - liegen, hieß es in Genf. Fest stehe, dass sich das Virus weiter rasant ausbreite, wenn auch die meisten Fälle milde verliefen, sagte die Sprecherin. In Deutschland waren nach Angaben des Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin zum Stichtag am vergangenen Freitag insgesamt 1469 Infektionen mit dem H1N1-Virus gemeldet. Bei der letzten Meldung vom 15. Juli seien es erst 834 gewesen. Allerdings könne der rasante Anstieg auf eine technische Umstellung der Meldungen zurückgehen.

          Säugling an Schweinegrippe erkrankt

          In der Lübecker Uniklinik wird ein wenige Tage alter Säugling wegen Schweinegrippe behandelt. Der kleine Junge sei mit einer minimalen Dosis des Grippemittels Tamiflu behandelt worden. Es gehe ihm gut, sagte der Sprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Oliver Grieve, am Dienstag. Er bestätigte damit eine Meldung der „Lübecker Nachrichten“. Nach Angaben des RKI handelt es sich um den ersten bekanntgewordenen Fall eines mit dem Schweinegrippe-Virus infizierten Säuglings in Deutschland.

          Ob die Schulen geschlossen bleiben, müssen die Länder selbst entscheiden
          Ob die Schulen geschlossen bleiben, müssen die Länder selbst entscheiden : Bild: ddp

          Das am Montag sechs Tage alte Baby war am Wochenende von der Entbindungsstation einer Klinik in Bad Oldesloe nach Lübeck verlegt worden, weil es hohes Fieber und Grippesymptome hatte. Nach bisherigen Erkenntnissen ist die Erkrankung, die am Wochenende für eine vorübergehende Schließung der Lübecker Entbindungsstation geführt hatte, durch zwei schwangere Patientinnen aus Bad Oldesloe nach Lübeck gelangt. Sie waren wegen vorzeitiger Wehen in die Uniklinik verlegt worden, ohne dass ihre Grippeinfektion bekannt war.

          Weiterer Anstieg durch Ferienrückkehrer befürchtet

          Zum Ende der Sommerferien rechnen Gesundheitsexperten mit einer erneuten Ausbreitung der Schweinegrippe. Ärzte wurden angewiesen, bei Verdachtsfällen Schutzvorkehrungen in ihren Praxen umzusetzen. Schulen sollen neue Informationen bekommen, wie sie sich bei Infektionen verhalten sollen. Schulschließungen seien eine Möglichkeit, die Ausbreitung etwas einzudämmen. Dies müssten die Länder jedoch selbst entscheiden.

          Insgesamt sollen die Regelungen für den Umgang mit Schweinegrippe-Fällen in Deutschland künftig allerdings gelockert werden. Bisher sei nach jeder Kontaktperson eines Erkrankten gesucht und diese in Quarantäne gesteckt worden, erläuterte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. Nun gebe es für diese Menschen weniger Einschränkungen. Die Empfehlung der Institutes laute, sich darauf zu beschränken, die Ansteckung besonders gefährdeter Gruppen zu vermeiden. Eine Krankenschwester mit erkranktem Mann etwa dürfe sehr wohl am Kiosk eine Zeitung kaufen, solle aber nicht im Krankenhaus arbeiten. Ähnliches gelte für eine Kindergärtnerin.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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