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Schweinegrippe : Hunderte Erkrankungen an Schule in New York

  • Aktualisiert am

Der apokalyptische Reiter? Polizist mit Atemschutzmaske in Mexiko-Stadt Bild: AP

In New York sind mehrere hundert Schulkinder möglicherweise an Schweinegrippe erkrankt. In Mexiko, dem Ausgangsland der Infektionskrankheit, erhöhte sich die Zahl der mutmaßlich an Schweinegrippe Gestorbenen auf mindestens 152. Auch Deutschland ist betroffen.

          Die gefährliche Schweinegrippe breitet sich mit beängstigender Geschwindigkeit rund um den Globus weiter aus. Mehr als 20 Länder waren am Dienstag von bestätigten oder befürchteten Krankheitsfällen betroffen, darunter auch Deutschland. In Mexiko, dem Ausgangsland der Infektionskrankheit, erhöhte sich laut Regierung die Zahl der mutmaßlich an Schweinegrippe Gestorbenen auf mindestens 152. Bislang wiesen die Behörden den gefährlichen Erreger A/H1N1 bei 20 Toten nach, die Zahl der behandelten Patienten stieg auf 1614. In Mexiko-Stadt ordneten die Behörden vorübergehend die Schließung aller Fitnessstudios und Sportclubs an. Landesweit blieben am Dienstag die Schulen geschlossen. Aus anderen Ländern waren aber bislang keine Todesopfer bekannt.

          In den Vereinigten Staaten stieg die Zahl der bestätigten Schweinegrippe-Fälle auf mindestens 66, im Bundesstaat Kalifornien rief Gouverneur Arnold Schwarzenegger den Notstand aus, betonte aber, es bestehe kein Anlass zu Alarmismus. Alleine an einer bereits von Schweinegrippe betroffenen New Yorker Schule sind mehrere hundert Schüler erkrankt. Die Erkrankungen wurden bislang nicht definitiv als Fälle von Schweinegrippe bestätigt, wie der Leiter der städtischen Gesundheitsbehörde, Thomas Frieden, mitteilte. Die Kinder litten jedoch an denselben Symptomen wie ihre Mitschüler, bei denen das Virus bereits bestätigt wurde. Bürgermeister Michael Bloomberg sagte, außerdem seien zwei weitere Menschen mit Verdacht auf Schweinegrippe ins Krankenhaus gebracht worden. Es handele sich um ein Kind und einen Erwachsenen.

          Obama hat 1,5 Milliarden Dollar beantragt

          Der amerikanische Präsident Barack Obama hat beim US-Kongress zusätzliche 1,5 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) für die Bekämpfung der Grippe in den Vereinigten Staaten beantragt. Das Geld soll vor allem dazu benutzt werden, die Produktion und Lagerung von Impfstoff und anderen Medikamenten zu beschleunigen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, am Dienstag in Washington.

          In Kanada wurden sechs Fälle nachgewiesen. Auch in Israel und Neuseeland bestätigten Tests das Virus. In Spanien wurde ein zweiter Fall von Schweinegrippe bestätigt. In Großbritannien sind nach Behördenangaben mehrere Menschen infiziert. Aus etlichen anderen Ländern wurden weitere Verdachtsfälle gemeldet, darunter Frankreich, Irland, Schweden, Dänemark, Tschechien, Belgien, Österreich und die Schweiz.

          Mehrere Fälle in Deutschland haben sich bestätigt

          Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Warnung vor einer Grippe-Pandemie verschärfte, zeigte sich die Bundesregierung gut gerüstet für einen möglichen Ausbruch. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) wurden drei Menschen aus Süddeutschland auf Schweinegrippe getestet. Bei den Betroffenen handele es sich um ein Ehepaar, das kürzlich von einem Mexiko-Urlaub zurückgekehrt sei. Auch ein Schweinegrippe-Verdacht in Hamburg hat sich am Dienstagabend erhärtet. Die Patientin war am Wochenende aus Mexiko eingetroffen. „Sie passt in das Raster“, der Verdacht auf Schweinegrippe sei „hochgradig“, sagte Stephan Günther, Leiter der Virologie des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin, das die Proben untersucht.

          Nach Informationen der „Augsburger Allgemeinen“ stand zudem ein Mexiko-Urlauber aus dem Raum Donauwörth in seinem Haus unter Quarantäne. In seinem Fall wurde vorerst Entwarnung gegeben. Ein erster Schnelltest sei negativ ausgefallen, sagte ein Sprecher des Landratsamtes Donau-Ries. Gesundheits-Staatssekretär Klaus Theo Schröder betonte, es handle sich um „einzelne eingetragene Fälle von außen“. Selbst wenn sich die Verdachtsfälle bestätigen sollten, ergebe sich daraus noch keine wesentliche Veränderung der Lage. Deutschland sei „gut vorbereitet“.

          Die Lage sei weiterhin „sehr ernst“

          Angesichts der rasanten Ausbreitung boten zahlreiche Reiseveranstalter Mexiko-Urlaubern kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen an. Zahlreiche Länder rieten unterdessen gänzlich von Reisen nach Mexiko ab oder stellten den Import von Schweinefleisch aus Amerika ein. Andere Staaten verschärften ihre Kontrollen an den Flughäfen. Grenzkontrollen oder Wärmescanner sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedoch ein untaugliches Mittel im Kampf gegen die Schweinegrippe. Infizierte an Grenzübergängen oder Flughäfen hätten nicht unbedingt auch Grippe-Symptome, sagte WHO-Sprecher Gregory Hartl.

          Derzeit arbeiten laut WHO Labors in Großbritannien, Kanada und den USA an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Schweinegrippe. Nach Einschätzung von Experten dürfte es einige Monate dauern, bis ein handelsüblicher Impfstoff zur Verfügung steht. Die WHO hatte am Montagabend den Alarm für eine Grippe-Pandemie auf die vierte von insgesamt sechs Stufen erhöht. Die Lage sei weiterhin „sehr ernst“, sagte der stellvertretende WHO-Generaldirektor Keiji Fukuda am Dienstag. Dennoch sei eine Pandemie „nicht unvermeidbar“. Es dauere jedoch Monate, bis das Virus verschwunden sei.

          Hotline zur Grippe

          Das Robert Koch-Institut (RKI) informiert über die Telefonnummer 030/18754416 über das neue Influenzavirus. Die Nummer ist montags bis donnerstags von 8.00 bis 18.00 Uhr erreichbar.

          Das Bundesgesundheitsministerium schaltet an diesem Mittwoch, 29. April, um 9 Uhr die Telefonnummer 01805 / 99 66 19 frei. Die Experten sind dort von montags bis donnerstags von 8.00 bis 18.00 Uhr erreichbar. Am
          Freitag ist die Leitung von 8.00 bis 12.00 Uhr besetzt.

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