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Schwäbische Everest-Expedition : Das Himmelfahrtskommando

Hannelore Schmatz Bild: Gerhard Schmatz

Vor 30 Jahren scheiterte die „Schwäbische Everest-Expedition“. Hannelore Schmatz hatte es als erste deutsche Frau auf den Gipfel des höchsten Berges der Welt geschafft, scheiterte jedoch auf dem Rückweg. Noch Jahre später war ihr Leichnam auf einem Eisblock in 8350 Metern Höhe zu sehen.

          6 Min.

          Die Nachricht kam am späten Abend. Es war der 2. Oktober 1979, ein Tag, an dem die „Schwäbische Everest-Expedition“ eigentlich allen Grund zu feiern hatte. Alle acht Teilnehmer und fünf Sherpas hatten den Gipfel des höchsten Bergs der Welt, des Mount Everest (8850 Meter), erreicht. Ihr Leiter Gerhard Schmatz war der erste Ersteiger, der älter als 50 Jahre war. Seine Frau Hannelore war die erste Deutsche auf dem Everest und die vierte Frau überhaupt. Und beide zusammen hatten als erstes Ehepaar den Gipfel erreicht. Doch dann der Funkspruch: Aus der zweiten Gipfelgruppe hatten es beim Abstieg, bei schlechter werdendem Wetter, nicht alle zurück ins Lager vier auf dem Südsattel in fast 8000 Meter Höhe geschafft. Drei Bergsteiger – der Amerikaner Ray Genet, der Sherpa Sundare und Hannelore Schmatz – biwakierten oben am Südostgrat. Erschöpft, in Kälte und Sturm, ohne Zelt, ohne Schlafsack, ohne Kocher. Ein Himmelfahrtskommando.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          1979, das war am Everest eine andere Zeit, eine andere Welt. Damals wurde in jeder Bergsteigersaison, in Vor- und Nachmonsun, die Erlaubnis für die Besteigung einer bestimmten Route auf eine Expedition beschränkt. „Außer uns war niemand da“, sagt Günter Kämpfe, der mit Schmatz Jahre zuvor schon am Manaslu (8163 Meter) gewesen war. Ein Stück weiter lagerte noch eine polnische Gruppe, die zum Nachbargipfel Lhotse (8516 Meter) unterwegs war. Sonst herrschte Stille. Knapp 30 Jahre später, im Mai 2008, waren etwa 40 Expeditionen im Everest-Basislager versammelt – rund 1000 Menschen.

          „Wenn wir dieses Risiko nicht eingehen“

          Die Bergsteiger mussten sich damals mit den Sherpas selbst einen Weg durch den gefährlichsten Teil der Route suchen, den Khumbu-Eisbruch. Schon dieser Wasserfall aus Eis mit gewaltigen Gletscherspalten und hausgroßen Eistrümmern wurde der Expedition fast zum Verhängnis: Während sie Sicherungsseile anbrachten, stürzte ein mächtiger Eisturm auf Expeditionsarzt Tilman Fischbach, Hermann Warth und einen Sherpa zu. „Kurz vor uns hat er haltgemacht“, sagt Fischbach. „Sonst wären wir nicht mehr da gewesen.“ Der Sherpa fiel auf die Knie, zitterte, betete. Auch Fischbach und Warth kamen ins Grübeln. Ist es das wert? „Letztlich hat der Ehrgeiz gesiegt“, sagt Fischbach, damals 31 Jahre alt. „Wir haben uns gesagt: Wenn wir dieses Risiko nicht eingehen, müssen wir aufhören – und haben weitergemacht.“

          Erstmals ohne künstlichen Sauerstoff bestiegen Peter Habeler und Reinhold Messner den Everest 1978

          Dreißig Jahre später hat sich auch am Khumbu-Eisbruch viel verändert. Er ist immer noch unberechenbar, 2006 begrub ein einstürzender Sérac drei Sherpas unter sich. Doch die „Eisfall-Doktoren“, eine Gruppe von sechs Sherpas, unterhalten eine Route hindurch. Zu Beginn der Saison machen sie mit Seilen, Leitern und Eisschrauben den Weg für die Everest-Aspiranten frei. Jede Expedition bezahlt für ihre Dienste. Nach dem Eisfall sichern zwei weitere Sherpas jeder Expedition die Route über die Lhotse-Flanke zum Südsattel mit Fixseilen ab, an denen die Bergsteiger nach oben stapfen. Inzwischen wirkt das wie eine Prozession in Schnee und Eis. Am 21. und 22. Mai 2008 standen jeweils mehr als 100 Menschen auf dem Gipfel des Everest. „Es gibt Fixseile bis 100 Meter vor den Gipfel“, sagt Kämpfe. „Das hat mit Alpinismus nichts mehr zu tun.“

          Im Sog der Berge

          Mit Hilfe der Sherpas, die mit den Expeditionsbergsteigern das Material in die Hochlager brachten, standen am 24. September 1979 die ersten Zelte am Südsattel. Am 1. Oktober erreichten Schmatz, Warth, der Schweizer Hans von Känel und die Sherpas Lhakba und Pertemba den Gipfel, alle mit zusätzlichem Sauerstoff. Ein Jahr zuvor hatten Peter Habeler und Reinhold Messner den Everest erstmals ohne künstlichen Sauerstoff bestiegen. Doch ihre Berichte erschienen Fischbach, dem medizinischen Begleiter, bedenklich. Ab dem Südsattel sollten daher alle Sauerstoff nehmen. „Ich wollte kein Risiko eingehen“, sagt Kämpfe. „Beim geringsten Hinweis auf Erfrierungen war für mich klar: Ich drehe um.“ Kämpfe war damals 48, Bergführer war er nebenher, hauptberuflich arbeitete er als Maschinenbauer.

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