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Schneefront „Petra“ : Unwetterwarnung für nahezu alle Bundesländer

  • Aktualisiert am

Mit gedrosseltem Tempo: Autofahrer auf der A28 bei Oldenburg Bild: dapd

Die angekündigte Schneefront „Petra“ bewegt sich Richtung Süden. Der Deutsche Wetterdienst hat für nahezu alle Bundesländer Unwetterwarnungen herausgegeben. Starker Schneefall ist bis Freitagmorgen zu erwarten.

          Eine gewaltige Schneefront ist am Donnerstag über Deutschland hinweggezogen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach gab am Nachmittag für 12 der 16 Bundesländer Unwetterwarnungen heraus. Sturmtief „Petra“ sollte aus Nordwesten kommend von Schleswig-Holstein bis nach Bayern massive Schneefälle und Schneeverwehungen bringen. Windstärken von bis zu 85 Kilometern pro Stunde in Küstennähe und 65 Kilometern pro Stunde im Binnenland waren angekündigt. In mehreren Bundesländern gab es schulfrei. Ob die Schneedecke bis Weihnachten hält, war eine Woche vor dem Fest noch unsicher - aber eher unwahrscheinlich.

          Am Mittag hatte die Front mit bis zu 20 Zentimetern Neuschnee zunächst Norddeutschland erreicht. Graupel und gefrierender Regen verwandelten Straßen in Hamburg und Schleswig-Holstein in Rutschbahnen. Nach Angaben der Polizei blieb die Lage aber zunächst weitgehend entspannt. In Rheinland-Pfalz legten die Landtagsabgeordneten aus Sorge einen Schritt zu: Sie verabschiedeten in Mainz in Rekordzeit den Haushalt 2011 und die Verankerung der Schuldenbremse in der Landesverfassung. Die Sitzung endete am frühen Nachmittag - rund drei Stunden eher als geplant. Landtagspräsident Joachim Mertes (SPD) sagte: „Das zeigt, dass es eigentlich immer so schnell gehen könnte.“

          Decken und Schlafsäcke für Autofahrer

          Die Hilfsorganisationen legten an vielen Orten Decken, Schlafsäcke und Lebensmittel bereit, um steckengebliebenen Autofahrern helfen zu können. In Nordrhein-Westfalen gab es schon am Nachmittag heftiges Flockengewirbel. „Der Schneefall hat sich intensiviert und wird bis zum Abend anhalten“, hieß es beim Wetterdienst in Essen. Auf den Straßen blieb es zunächst vergleichsweise ruhig, bis zum Mittag wurden bei Unfällen drei Menschen schwer und neun leicht verletzt. Bei der Bahn gab es bis zum Nachmittag nur vereinzelt Verspätungen und Zugausfälle. Schüler in Dortmund, Hamm und dem Münsterland bekamen nach einigen Stunden unterrichtsfrei.

          Zugeschneit: Die A1 bei Wildeshausen in Niedersachsen

          Auch die Kinder in Schleswig-Holstein konnten zu Hause bleiben. In Hamburg brauchten 150 000 Schüler ihren Ranzen nicht zu packen, auch einige Kinder in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen waren betroffen. In Mecklenburg-Vorpommern sollten die Schüler auch am Freitag zu Hause bleiben, ebenso voraussichtlich in der Hälfte der sächsischen Landkreise und in Chemnitz.

          In der Nähe von Magdeburg war am Donnerstagmorgen eine Autofahrerin bei einem Unfall auf spiegelglatter Straße ums Leben gekommen. Ein Geländewagen hatte das Auto der 23-Jährigen gerammt. Etliche Straßen in Sachsen-Anhalt waren wegen Schneeverwehungen nicht passierbar. Auf dem Standstreifen der Autobahn 9 bildeten sich Kolonnen stehender Lastwagen. Die Parkplätze waren so überfüllt, dass rund 200 Brummis nur noch auf dem Standstreifen parken konnten.

          Minus 24 Grad im Bayerischen Wald

          In Bayern starb eine 27-Jährige, die mit ihrem Auto auf schneeglatter Straße auf die Gegenfahrbahn geriet und gegen einen Lastwagen fuhr. Der ADAC kritisierte den Leichtsinn vieler Autofahrer. „Sie fahren zu dicht auf und mit zu hoher Geschwindigkeit“, sagte ADAC-Sprecher Maximilian Maurer in München. „Wenn die Straße gut gesalzen ist und es mal voran geht, denken die Autofahrer nicht dran, dass sie auch wieder bremsen müssen.“

          In Baumärkten werden Streusalz, Schneeschieber und Eiskratzer knapp. „In einigen Märkten sind die Regale schon leer“, sagte der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte in Köln, Stefan Michell.

          In der Nacht zum Donnerstag war es in vielen Regionen knackig kalt. Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia zeigte das Thermometer in Haidmühle im Bayerischen Wald bis zu minus 24 Grad. Minus 18 Grad wurden am östlichen Stadtrand Berlins gemessen. Auch von Nordrhein-Westfalen über Hessen bis Thüringen und einige Regionen Bayerns erreichten die Werte vielerorts minus 10 bis minus 15 Grad.
          Auch in anderen Ländern Europas herrschte eisiges Winterwetter. In den Bergregionen Italiens gab es Kälte-Rekorde. Auf dem Cimabanche- Pass in den Dolomiten wurden minus 22 Grad gemessen, auf der Punta Helbronner im Aostatal minus 25 Grad. In Mittel- und Süditalien behinderte Schnee den Verkehr. In einigen Regionen Griechenland blieben wegen des Schnees die Schulen geschlossen. Zahlreiche Landstraßen waren nur mit Schneeketten befahrbar, wegen des heftigen Windes fielen Fährverbindungen in der nördlichen Ägäis aus.

          Milderung möglich für die Feiertage

          In Bulgarien hatten zahlreiche Orte keinen Strom mehr, weil ein Schneesturm die Leitungen beschädigt hatte. Im Süden und Westen blieben etliche Autos auf verschneiten Landstraßen stecken. Auch in Tschechien wurden wichtige Verkehrsverbindungen lahmgelegt. Mehrere Autobahnen waren schon seit Mittwoch gesperrt. In der Nacht fielen die Temperaturen bis auf minus 31 Grad im nordböhmischen Jizerka. Eisenbahnschienen wurden brüchig.

          Für die Feiertage deutet sich in den Computermodellen für Deutschland eine Milderung an, sagte die DWD-Meteorologin Dorothea Paetzold. Das wäre das bei Meteorologen bekannte „Weihnachtstauwetter“, das im vergangenen Jahr die weiße Pracht rasch hatte schmelzen lassen. Oft gibt es in Deutschland um die Feiertage einen solchen Warmlufteinbruch. Genaue Prognosen seien aber erst vier Tage im Voraus möglich, betonte Paetzold.

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