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Schneechaos in Bayern : „Daß die Sonne scheint, bedeutet nicht, daß alles vorbei ist“

  • Aktualisiert am

Es wird geschaufelt... Bild: AP

Die Lage in den bayerischen Katastrophengebieten entspannt sich etwas, für die Sicherheitsdienste gibt es aber noch keine Entwarnung. Edmund Stoiber kündigte Millionenhilfen an.

          Nach Tagen heftiger Schneefälle hat sich die Lage in den ostbayerischen Katastrophengebieten am Samstag etwas entspannt. Obwohl es kaum noch schneite, gab es für die Tausenden von Einsatzkräften in der Krisenregion noch keine Entwarnung. Hunderte Dächer waren durch zum Teil tonnenschwere und meterhohe Schneelasten noch vom Einsturz bedroht und mußten geräumt werden.

          In sechs Landkreisen bestand weiterhin Katastrophenalarm. „Ein Ende ist momentan überhaupt nicht absehbar“, sagte Kreisbrandinspektor und örtlicher Einsatzleiter in der besonders betroffenen niederbayerischen Gemeinde Zwiesel, Hermann Pledl. „Daß die Sonne scheint, bedeutet nicht, daß alles vorbei ist.“

          Fortschritte bei der Räumung

          Vor allem bei der Räumung von großen Hallendächern hätten die Einsatzkräfte aus Feuerwehr, Bundeswehr und Technischem Hilfswerk (THW) deutliche Fortschritte gemacht, hieß es in den betroffenen Landkreisämtern. Allerorts schaufeln Männer und Frauen den Schnee von den Dächern auf die Straßen. Straßenschilder und Hauseingänge verschwanden unter den Schneemassen. Autos waren in den Schneemassen versunken.

          ...gefräst...

          „Es gibt momentan eine gewisse Entspannung“, sagte ein Sprecher des Landkreisamtes Passau mit Blick auf die nachlassenden Schneefälle. Man habe die Lage im Griff, hieß es allgemein bei den betroffenen Landkreisen. „Weitere größere Schneefälle würden die Situation wieder in den kritischen Bereich bringen“, warnte jedoch das Landratsamt Freyung-Grafenau. Der Deutsche Wetterdienst hob seine Unwetterwarnung auf. Nur noch gebietsweise käme es zu leichtem Schneefall.

          Chaotische Verhältnisse

          Die starken Schneefälle der letzten Tage hatten im Süden Deutschlands zu chaotischen Verhältnissen geführt. Dächer stürzten ein, der Verkehr kam teilweise zum Erliegen. Die Straßen waren durch den Schnee teilweise so verengt, daß nur eine Spur befahrbar war. Schneepflüge alleine reichten nicht mehr aus, um der Lage Herr zu werden. Schweres Gerät wie Schneefräsen kamen zum Einsatz. Regionalzüge wurden auf Bahnhöfen eingeschneit. Im Landkreis Deggendorf waren am Samstag einige Ortschaften immer noch von der Außenwelt abgeschnitten.

          Die Rettungskräfte arbeiteten oft bis zur Erschöpfung unter gefährlichen Bedingungen auf den Dächern. Am Freitag starb ein Feuerwehrmann bei einem Sturz aus 15 Metern Höhe. Auch andere Rettungskräfte verletzten sich bei Stürzen von den Dächern schwer.

          Die noch am Freitagabend befürchteten zahlreichen Evakuierungen von Wohnhäusern blieben jedoch aus. Die Bewohner hätten die Häuser nur für die Zeit der Schneeräumung verlassen müssen, sagte der Referatsleiter Katastrophenschutz des bayerischen Innenministeriums, Christian Ebersperger. Anschließend hätten sie wieder in ihre Häuser gekonnt. Die vorbereiteten Notunterkünfte blieben leer.

          Finanzhilfen angekündigt

          Unterdessen machten sich Bayerns Politiker ein Bild von der Lage. Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) fuhr nach Passau und bedankte sich bei allen Helfern: „Besser kann Katastrophenschutz nicht funktionieren.“ Er rechnete mit Schäden in Millionenhöhe. Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), der mit Innenminister Günther Beckstein (CSU) am Samstagnachmittag die betroffenen Gebiete besuchte, kündigte in Deggendorf Finanzhilfen für die sechs betroffenen Landkreise an. Über die Höhe soll am Dienstag entschieden werden.

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