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Viele Lawinenabgänge : Noch einmal ein Meter Neuschnee

Bild: dpa

Lawinen gingen in Österreich und Bayern nieder, in den bayerischen Landkreisen bereiten die Schneelasten auf den Dächern große Sorgen und in Österreich rutschte ein Bus von der Fahrbahn. Doch es ist ein Ende der Schneefälle in Sicht.

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          Glück im winterlichen Unglück hatten rund 110 Gäste im Skiort Balderschwang im Allgäu: Gegen fünf Uhr am Montagmorgen wurde ihr Hotel von einer etwa 300 Meter breiten Lawine getroffen. Einige Fenster wurden eingedrückt, aber niemand sei verletzt, teilte die Polizei mit. Die Gäste wurden in andere Unterkünfte gebracht. Die Zufahrt zu dem Ort war wegen der hohen Lawinengefahr seit Sonntag gesperrt. Nach wie vor besteht im deutschen Alpenraum laut bayerischem Lawinenwarndienst die zweithöchste Lawinenwarnstufe4.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Große Sorgen bereitet den Menschen in den fünf bayerischen Landkreisen, in denen seit Tagen der Katastrophenfall gilt, weiterhin vor allem die Schneelast auf den Dächern. In einer solchen Situation müsse man zusammenstehen, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), als er sich am Montag im Berchtesgadener Land einen Überblick verschaffte. Er kündigte an, 230 Einsatzkräfte der Bundespolizei zur Unterstützung in die betroffenen Regionen zu schicken und dankte den Einsatzkräften für ihre unermüdliche Arbeit. Nach wie vor gehe die größte Gefahr „von der Schwere des Schnees und den damit verbundenen Dachlasten“ aus, heißt es beim Landratsamt Miesbach, das vor genau einer Woche als erster von fünf Landkreisen den Katastrophenfall festgestellt hatte. Seit Tagen sind daher in ganz Bayern Tausende Hilfskräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Polizei und Bundeswehr vor allem damit beschäftigt, Straßen und Dächer von Schnee zu befreien. Der stark beanspruchende Einsatz zerrt an den Kräften. Allein im Landkreis Miesbach waren am Sonntag 1700 Kräfte im Einsatz. Alle Dächer von Gebäuden, die dem „Erhalt der öffentlichen Infrastruktur“ dienen wie zum Beispiel Krankenhäuser, haben dabei Priorität. Eine solche Abstufung sei nötig, um in dieser Ausnahmesituation den Überblick zu behalten, teilt das Landratsamt mit. „Alle Einsätze, bei denen Gefahr für Mensch und Tier besteht, haben absolut Vorrang.“ Bei Privathäusern sind in der Regel die Eigentümer zunächst für die Sicherheit und die Räumung der Schneelast zuständig. Bei Anzeichen von Rissen in Balken oder Decken sowie bei ungewöhnlichen Geräuschen sollten die Häuser sofort verlassen werden. Die Behörden befürchten zudem, dass durch steigende Temperaturen und dann einsetzenden Regen der Schnee noch einmal schwerer werden wird.

          Auch am Montag blieben in vielen Gebieten Bayerns die Schulen geschlossen, da der Schulweg als zu unsicher gilt. Am Dienstag wird im Landkreis Miesbach darüber entschieden, ob am Mittwoch die Schule wieder beginnen kann. Mit einem Abklingen des Niederschlags wird von Dienstag an gerechnet.

          Im österreichischen Faistenau stürzten am Montag vier Arbeiter, die ein Dach befreien sollten, mit dem abrutschenden Schnee ab. Ein Mann kam dabei ums Leben, zwei wurden verletzt. In einem Bus, der von der Fahrbahn rutschte und eine mehr als zehn Meter tiefe Böschung herabstürzte, wurden 13 Personen verletzt; nach Angaben des Roten Kreuzes hätte der Unfall „noch weit schlimmer ausgehen können“. Mehr als 20.000 Einwohner und Touristen waren zeitweise eingeschneit oder abgeschnitten, weil die Zufahrtstraßen zu ihren Ortschaften wegen Lawinengefahr gesperrt waren. Auch wichtige Transitstraßen wie der Fernpass in Tirol wurden gesperrt; zeitweise auch die Inntalautobahn.

          Schwere Lawinenabgänge wurden vor allem in den Bundesländern Tirol und Salzburg verzeichnet, wo seit Sonntag teils mehr als ein Meter Schnee niedergegangen ist. In einem Riegel längs durch Österreich wurde die höchste Lawinenwarnstufe ausgegeben. Dort wurden, auch wegen teils heftiger Sturmböen, die meisten Skipisten geschlossen. Andere Skigebiete wurden freilich weiter betrieben, besonders südlich der Alpen, wo nach Angaben von Tourismusorganisationen eher noch zu wenig Schnee gefallen sei. Meteorologen rechnen damit, dass die massiven Schneefälle am Dienstag enden.

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