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Wegen Schneechaos : Die Bundeswehr im Wintereinsatz

Ein Kettenfahrzeug der Bundeswehr übernimmt eine Versorgungsfahrt in Berchtesgarden zu einer abgeschnitten Siedlung. Bild: dpa

In Berchtesgaden sind wegen der heftigen Schneefälle rund 1500 Soldaten eingesetzt. Die Kettenfahrzeuge der Bundeswehr helfen nicht nur in Afghanistan, sondern auch im Schnee. Doch für den Einsatz gibt es klare gesetzliche Vorgaben.

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          Deutschland ist ein Land der Helfer und Retter. Das erweist sich immer wieder – ob Flüsse über die Ufer treten, hunderttausende Flüchtlinge kommen oder es, wie derzeit, schneit und schneit. Wie fast immer ist dann neben den Feuerwehren, der Polizei und dem Technischen Hilfswerk auch die Bundeswehr zur Stelle. Im Berchtesgadener Land sind nun rund 1500 Soldatinnen und Soldaten eingesetzt. Sie kommen mit Schneeschaufeln, um einsturzgefährdete Dächer von der weißen Last zu befreien oder Wege freizuschaufeln. In besonderen Lagen können die Streitkräfte nicht nur auf ihre geländegängigen Lastwagen und Jeeps zurückgreifen, sondern auf gepanzerte Fahrzeuge, die noch dorthin kommen, wo Bäume zu brechen drohen, Einsturzgefahr besteht oder die Wege meterhoch verschneit sind.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Das bevorzugte Gerät ist dann der Hägglund, ein kleines schwedisches Kettenfahrzeug des gleichnamigen Herstellers, das es in sich hat. Ähnliche Fahrzeuge sind auf zahlreichen Skipisten im Einsatz. Die Bundeswehr verfügt aber unter anderem über die geschützte Variante, den „Bv206 S“, dessen Panzerstahl sowohl in schwierigem afghanischem Gelände hilft als auch bei der Fahrt über Schnee und unter bruchgefährdeten Bäumen. Die Hägglunds sehen recht unspektakulär aus: Mit ihren Anhängern ähneln sie zwei Kisten auf Ketten. Aber wer nun eines der Fahrzeuge im Berchtesgadener Land sieht, wie neulich eine Gruppe Schüler von den Christophorusschulen, die wegen Schnee und Straßensperren nicht mehr nach Hause kam, der kann sich sicherer fühlen. Und genau dazu ist die Bundeswehr ja auch eigentlich da.

          Klare gesetzliche Vorgaben für Bundeswehreinsatz im Inneren

          Einerseits haben die Menschen in Bayern jetzt schon wieder Wetter-Pech, andererseits aber auch das Glück, dass im Süden des Landes besonders fähige Verbände der Bundeswehr sitzen. Die meisten Helfer in der aktuellen Not gehören zur Gebirgsjägerbrigade 23, deren Kommando in Bad Reichenhall sitzt. Ein nennenswerter Teil des Verbandes – insgesamt ungefähr 5000 Soldatinnen und Soldaten – ist jetzt im Schnee-Einsatz oder in Bereitschaft dafür. Ein größerer anderer Teil der Brigade bereitet sich zur Zeit auf dem Übungsgelände des Heeres in Hammelburg auf Auslandseinsätze vor.

          Der Einsatz der Bundeswehr im Inneren ist an klare gesetzliche Vorgaben geknüpft. Sie kommt in der Not, aber nicht als Ersatzfeuerwehr. Formal betrachtet, muss in einem Landkreis erst einmal der Katastrophenfall ausgelöst werden. Dann wird eine „Führungsgruppe Katastrophenschutz“ gebildet, kurz „FüGK“, der neben anderen Behördenvertretern auch ein oder mehrere Offiziere der Bundeswehr angehören, meistens Reservisten. Kommt die Gruppe zu dem Schluss, dass zivile Kräfte zur Bewältigung der Lage nicht mehr ausreichen, kann dann über das Landeskommando die Bundeswehr angefordert werden. Solche Landeskommandos gibt es in allen Bundesländern, außer Berlin, wo das übergeordnete Kommando Territoriale Aufgaben der Bundeswehr diesen Job übernimmt.

          Bevor die Truppe in Marsch gesetzt wird, prüft das Verteidigungsministerium noch, ob alles rechtens ist. Dann rollen die Hägglunds oder fliegen die Löschhubschrauber wie bei den Waldbränden in Brandenburg im vergangenen Sommer.

          Wie ernst die Lage in Bayern zu nehmen ist, zeigt nicht nur, dass Hunderte Soldaten bis an den Rand der Erschöpfung schuften, sondern auch die moralische Unterstützung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Sie stattete dem Brigadekommandeur Jared Sembritzki und seinen Leuten am Sonntag einen Besuch ab.

          Und die Kosten des Einsatzes? Darüber wird zwar Buch geführt, aber in solchen Katastrophenlagen wird nur sehr selten etwas in Rechnung gestellt. Wie wollte man das auch später auseinanderdividieren? Im Einsatzgebiet helfen ohnehin alle allen.

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