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Blutiger Stierkampf : Im Netz wird der tote Torero geschmäht

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Seit fast drei Jahrzehnten ist kein Torero in der Arena umgekommen. Die dramatischen Aufnahmen von Victor Barrios finalem Stierkampf gehen um die Welt. Doch die Reaktionen im Internet sind gekennzeichnet von Hohn und Spott.

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          Als zum bisher letzten Mal vor gut 30 Jahren in Spanien ein Torero in Ausübung seines Berufes ums Leben kam, war das Internet mit seinen unbegrenzten Möglichkeiten zur Instant-Diffamierung noch nicht weit entwickelt. Das war diesmal anders, als in der vorigen Woche Víctor Barrio in der aragonesischen Stadt Teruel von einem Stier tödlich verletzt wurde. Mit einem Hornstoß hatte der 529 Kilogramm schwere Lorenzo dem 29 Jahre alten Stierkämpfer die Brust bis in das Herz durchbohrt. Barrio starb noch in der Arena.

          Kaum war die Nachricht verbreitet, da fing schon das Netz an, mit gehässigen Kommentaren aus dem In- und Ausland zu glühen. Das reichte von „Bravo Lorenzo“ bis zu der Einladung, jetzt noch „auf dem Grab des Mörders zu tanzen“. Militante Tierschützer, politisch „Fortschrittliche“ und Privatleute ohne Sprachhemmung sandten ihre Kommentare aus. Dass die junge Witwe Raquel Sanz von Beruf Journalistin ist und der konservativen Volkspartei angehört – Letztgenannte hat unlängst ein Gesetz verabschiedet, welches den Stierkampf zum „kulturellen Erbe“ des Landes erklärte –, schien manchen noch besonders anzustacheln.

          Was bei alledem abhandenkam, war etwas, das auch zum kulturellen Erbe Spaniens zu zählen wäre: der Respekt vor dem Tod und auch vor einem toten Matador. Die Schmähungen im Internet scheinen jedoch der Sache, wenn es denn der Tierschutz gewesen sein sollte, nicht allzu viel genutzt zu haben. Die meisten spanischen Politiker gingen jedenfalls bei dem Thema in Deckung.

          Am Dienstag wurde der Torero nun in seinem Heimatort Sepúlveda bei Segovia eingeäschert und beigesetzt. Dort zeigte sich das andere Spanien, das trauern kann und es auch wollte. In der Kapelle, wo Víctor Barrios Leichnam aufgebahrt war, deckten so viele Kränze den Sarg, dass weit und breit die Blumen ausgegangen waren. Tränen, Applaus, Rufe „Torero, Torero“ begleiteten ihn. Seine Eltern und seine Frau waren dabei, daneben auf leeren Stühlen sein Degen, sein rotes Tuch und seine Lichteranzüge. Die Witwe hinterließ auch eine Notiz im Netz, die lautete: „Wir träumten immer von der Puerta Grande in Madrid. Es sollte nicht sein. Das Leben ist ungerecht. Es ist mit dir gegangen.“

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