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Schlechtes Wetter : Venedig versinkt im Regen

  • -Aktualisiert am

Regen in Rom Bild: dpa

Im krisengebeutelten Italien bleiben jetzt auch noch Sonne und Touristen aus. Das Gastgewerbe hatte hohe Erwartungen an die Sommermonate. Doch die fallen nun ins Wasser.

          2 Min.

          Der Schriftsteller Gustav von Achenbach hätte in diesen Sommerwochen wohl keine Freude am Lido. Der Held in Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“, die vor 101 Jahren als Einzeldruck erschien, ergötzte sich bei seinen Sommerferien auf der langgestreckten Nehrung am Anblick eines Knaben, der mit seinen Schwestern und der Mutter im selben Hotel wie er selbst Ferien machte, und gab sich dabei seinen homoerotischen Gefühlen hin. Das „Grand Hotel Excelsior“ beim Palazzo del Cinema, wo Thomas Mann seine Geschichte spielen ließ, steht bis heute, wurde glanzvoll renoviert und lädt weiter betuchte Touristen ein; aber gerade dieser Sommer bringt bisher wenig Freuden. Bis zum Abend ist kaum ein Fußabdruck im geharkten Strand vor den Badehütten zu sehen, und die meisten Handtücher auf den Liegestühlen bleiben ungenutzt. Freundlich preisen die Damen an der Rezeption ungezählte leere Zimmer an; in diesem Regensommer bleiben die Touristen aus.

          Gerade im Norden Italiens gab es bisher keine Woche ohne schwere Regenfälle und Überschwemmungen. In Mailand sprangen am Wochenende unter dem Druck der Regenmassen Kanaldeckel hoch, vielerorts brach der Verkehr zusammen. In Latium wurden in diesem Sommer die seit 100 Jahren stärksten Regenfälle registriert, im Juni mit mehr als 101 Millimetern dreimal mehr als im Durchschnitt. Da bleiben allemal die Wochenendgäste aus, die am Freitag nicht mehr die Stadt verlassen, wenn sie aus ihren Fenstern schwere Regenwolken sehen. Zwischen Santa Severa im Norden und Sperlonga in Latiums Süden sei der Besuch im Juni und Juli gegenüber dem Durchschnitt um etwa 80 Prozentpunkte zurückgegangen. Man habe sich eine „so unsichere Wetterlage über einen so langen Zeitraum“ kaum vorstellen können, sagt der Chef des Zusammenschlusses italienischer Badeeinrichtungen, Marco Maurelli. Wind und Regen verschlechterten so die ohnedies schon durch die Wirtschaftskrise bedrohte Lage.

          Die Besitzer der „stabilimenti“ an den Stränden von Ostia oder Terracina locken nun mit Sonderangeboten. Liegebetten und Sonnenschirme sind im Schnitt um ein Drittel billiger geworden; Parkplätze gratis. Besonders findige Unternehmer laden bei Regen zu Ausflügen zu den Schönheiten des Hinterlandes ein: „Endlich werden wir umworben, sind wir als Gäste nicht mehr selbstverständlich“, sagt eine Touristin am Strand von Ostia. „Früher kamen wir und saßen in der vierten Reihe.“ Jetzt residiere man zum halben Preis „in der ersten direkt am Wasser“. An den Stränden entstehe ein bisher unbekannter Wettbewerb unter den Besitzern der „stabilimenti“, und „unser Gastgeber“ verlasse seine Hütte, um den Kaffee wie nie zuvor am Liegestuhl zu servieren.

          In Venedig hat der Gouverneur der Region, Luca Zaia von der „Lega Nord“, einen Schuldigen für den Einbruch der Wirtschaft am Strand gefunden. Die Meteorologen kündigten wie am vorletzten Wochenende „schlechtes Wetter an, aber am Strand schien trotzdem die Sonne“. Allemal die Wetter-Apps im Internet ruinierten mit oft falschen Meldungen einen ganzen Wirtschaftszweig. Immer mehr Hotels seien leer, weil die „Superexperten“ sich irrten, sagt Zaia und warnt vor „obskuren Vorhersagen“, die zu einem „Meteoterrorismus“ führten. Für diese Woche sind weitere heftige Gewitter für Venedig und andere Teile Italiens angekündigt; in Kalabrien und Sizilien soll hingegen die Sonne scheinen.

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