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Sensationsfund im Polarmeer : Ein Gruß von dem Mann, der seine Schuhe aß

Triumph der Unterwasserarchäologie: So sieht ein beinahe 200 Jahre altes Schiff aus, das seit gut 165 Jahren auf dem Grund des Eismeers liegt. Bild: AP

Ein Mythos taucht auf: Im Ewigen Eis haben Forscher das Wrack eines der Schiffe der Franklin-Expedition entdeckt. Vielleicht gibt es nach 170 Jahren Auskunft darüber, warum sie damals scheiterte.

          Manche Dinge finden sich schnell wieder, manche sind für immer verloren – aber dass ein verschwundenes Schiff nach knapp 170Jahren zum Vorschein kommt, ist ungewöhnlich. Und was für ein Schiff! Ausgelaufen im Mai 1845, um im Auftrag der britischen Marine eine Aufgabe zu bestehen, an der alle anderen gescheitert waren, bestens ausgestattet mit einem gepanzerten Rumpf, um das Eis abzuhalten, üppigen Vorräten und einer riesigen Bibliothek gegen die Langeweile der Polarnacht. Wenn es überhaupt möglich war, so glaubte man damals, die vielgesuchte Nordwestpassage zu finden, den Seeweg von Grönland nach Alaska, dann mit dieser Expedition unter dem eismeererfahrenen Sir John Franklin.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Das Schiff stach in See und wurde zwei Monate später gemeinsam mit seinem Schwesterschiff ein letztes Mal in der Baffin Bay gesichtet. Und dann erst wieder im Sommer 2014.

          Einige Suchexpeditionen waren unmittelbar nach dem Verschwinden von Franklins Truppe ausgeschickt worden, um die Verschollenen zu finden. Sie stießen auf drei Gräber von Expeditionsteilnehmern und schließlich auf King William Island auf ein im April 1848 verfasstes Schreiben – dort teilten die damals noch 105Überlebenden den 1847 erfolgten Tod ihres Anführers Franklin mit sowie ihren Plan, die beiden Schiffe zurückzulassen und zu Fuß das arktische Festland zu erreichen.Später berichteten Inuit von massenhaften Leichenfunden, die Spuren von Kannibalismus aufwiesen. Sehr viel weiter kam man seither nicht. Es blieb nur, ein Desaster zu konstatieren: Nur fünf von Franklins Männern überlebten die Reise (sie kehrten schon vor Grönland um), die restlichen 128 starben mit ihm im Eis.

          Wrack im nördlichen Kanada entdeckt

          Sechs Jahre lang hatte die örtliche Nationalparkbehörde Parks Canada in mehreren Kampagnen nach Spuren dieser Expedition gesucht. Anfang September dieses Jahres wurde bekannt, dass auf einer Insel im Süden der Victoria Strait, einer Meerenge nördlich des kanadischen Festlands zwischen Victoria Island und King William Island, ein eiserner Bestandteil eines Bootskrans gefunden worden war.

          Die Fahrtroute John Franklins (1845-1847) und der Fundort des Wracks

          Wenig später verkündete der kanadische Premierminister Stephen Harper, dass man in den Tiefen der Meerenge auf Sonarbildern ein Schiffswrack entdeckt hätte, erstaunlich gut erhalten und immer noch in aufrechter Position. Es handele sich zweifelsfrei um eines der beiden Schiffe der Franklin-Expedition – entweder die 1813 erbaute „Terror“ oder die 1826 erbaute „Erebus“, beides Schlachtschiffe, mit Dampfmaschinen und Stahlplatten für die Fahrt in die Arktis versehen. Zunächst sei nicht vorgesehen, das Wrack zu bergen, hieß es, auch der genaue Fundort vor der Küste von King William Island bleibe geheim, um keine Schatztaucher zu dem legendären Schiff zu locken.

          Ein Triumpf der Unterwasserarchäologie

          Ein Video, das Parks Canada publizierte, erlaubt immerhin einen Blick aus nächster Nähe auf das Wrack – ein faszinierendes Erlebnis: Die Kamera des ferngesteuerten U-Boots gleitet etwa eine Minute lang am Schiff entlang und über das mit Holzstücken übersäte Deck, auf dem man Kanonenrohre zu erkennen meint.

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