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Schienennetz : Bahn streicht fünf Prozent ihrer Zugkilometer

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Vergebliches Warten auf den Interregio - er fährt ab Juni seltener. Bild: dpa

Die Bahn wird mit Einführung des Sommerfahrplans im Juni etwa fünf Prozent ihrer Zugkilometer streichen. Jetzt wurden erste betroffene Strecken benannt.

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          Die Deutsche Bahn AG will ihr Angebot im Fernverkehr bis 2005 deutlich kürzen. Mit dem Fahrplanwechsel im Juni werden die ersten Änderungen spürbar werden. Auf unrentablen Strecken werden die Verbindungen „ausgedünnt“. Rund fünf Prozent der gefahrenen Zugkilometer werden gestrichen.

          Die grundsätzliche Absicht der Bahn, in den nächsten Jahren zahlreiche Strecken auszudünnen oder stillzulegen, ist aber längst bekannt. Die Bahn will sich „in den kommenden fünf Jahren konsequent von unwirtschaftlichen Aktivitäten trennen“ und gleichzeitig in verbleibende Strecken und Material investieren, erklärte das Unternehmen. „Schwach ausgelastete Interregio-Verbindungen fahren der Bahn derzeit rund 300 Millionen Mark Verlust pro Jahr ein“, erklärte Bahnchef Hartmut Mehdorn. „Das macht weder ökonomisch noch ökologisch Sinn.“

          Betroffene Teilstrecken genannt

          Interregio-Verbindungen sollen nicht vollständig gestrichen werden, stellte Bahnsprecherin Kornelia Kneissl klar. Nur auf wenig ausgelastete Teilstücke wolle die Bahn verzichten. Als Beispiele nannte sie die Strecken Aachen-Düsseldorf, Hamburg-Lübeck, Münster-Cuxhaven sowie Rostock-Berlin. Von den 13 Millionen Zugkilometern im Fernverkehr, die definitiv mit dem neuen Fahrplan gestrichen werden, würden aber 4,5 Millionen im Nahverkehr bereitgestellt. Das heißt, D-Züge und Regionalbahnen fahren ersatzweise auf den genannten Interregio-Strecken. Gestrichen werden 8,5 Millionen Zugkilometern Betriebsleistung.

          Diese horrend klingende Summe von 8,5 Millionen Zugkilometern errechnet sich wie folgt: Eine Strecke von 200 Kilometern zwischen den Orten A und B, die am Tag dreimal gefahren und von Montag bis Freitag bedient wird, hat eine so genannte Betriebsleistung von 312.000 Zugkilometern im Jahr. Insgesamt bringt es die Deutsche Bahn AG nach eigenen Angaben auf eine jährliche Betriebsleistung von etwa 170 Millionen Zugkilometern. Das heißt, gestrichen wird etwa fünf Prozent der Betriebsleistung der Bahn.

          „Rückzugsorgie“

          Protest kam von der Gewerkschaft Transnet, dem Fahrgastverband Pro Bahn, der Umweltorganisation BUND und den Grünen. Transnet, die sogar von einer Streichung von annähernd 40 Millionen Zugkilometern ausgeht, erklärte, die „Rückzugsorgie“ sei verkehrspolitisch falsch. Auch Pro-Bahn-Sprecher Frank von Meißner sprach von einer verfehlten Verkehrspolitik und warnte vor einem Teufelskreis von Streckenstreichungen und Abwanderung von Fahrgästen.
          Die Kürzungspläne kursieren nach Angaben von Pro Bahn seit 1998. Bei der Bahn laufen sie unter dem Kürzel MORA - Marktorientiertes Angebot. Das Programm soll zur Sanierung des Unternehmens beitragen.

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