https://www.faz.net/-gum-74rqk

Schausteller beim Papst : Immer unterwegs und fromm

  • -Aktualisiert am

Darf auch mal kleine Löwen streicheln: Papst Benedikt XVI. mit Zirkusartisten. Bild: dpa

Der Papst empfängt Zirkuskünstler und Schausteller im Vatikan – und lobt die „Uneigennützigkeit“ eines Gewerbes, das sich nicht von wirtschaftlichen Überlegungen beherrschen lasse.

          1 Min.

          Siebentausend Schausteller aus vielen Ländern besuchten am Wochenende Rom und den Papst. Einen Tag lang wurden beim Vatikan die sonst vorherrschenden weißen Priesterkragen und schwarzen Ornate von den Masken der Clowns verdrängt, von Akrobaten, Zauberern und Musikanten. Auf Einladung des „Päpstlichen Rates der Seelsorge für Migranten und Menschen unterwegs“ und aus Anlass des „Jahrs des Glaubens“ waren auch 60 Zirkuskünstler und Schausteller aus Deutschland mit ihrem Seelsorger Sascha Ellinghaus gekommen.

          In der Audienzhalle empfing sie Benedikt XVI. Er staunte über die sizilianischen Kinderakrobaten, beklatschte begeistert Marionettenspieler, hörte bewegt Familiengeschichten des „fahrenden Volks“ und begrüßte Dompteure. Sie hielten ihm ein Löwenjunges entgegen, das der Papst sichtlich mit Freude streichelte. Laut Ellinghaus sind die meisten Schausteller katholisch und frommer als andere Berufsstände. Benedikt sagte, die Kirche erfreue sich am „Einsatz, den ihr zeigt, und schätzt die Treue zu Traditionen, auf die ihr zu Recht stolz seid. Die Kirche, die wie auch ihr Pilgerin in dieser Welt ist, lädt euch ein, durch eure tägliche Arbeit an ihrer göttlichen Mission teilzuhaben.“

          Mit Karussellpferd: Der Papst spricht zu den Zirkuskünstlern. Bilderstrecke

          Benedikt lobte die „Uneigennützigkeit“ eines Gewerbes, das „sich nicht von wirtschaftlichen Überlegungen beherrschen lässt“. „Die Fröhlichkeit der Vorstellungen, die Erholung verschaffende Freude am Spiel, die Grazie der Choreographien und der Rhythmus der Musik stellen einen eigenen und direkten Kommunikationsweg im Dialog von Groß und Klein dar.“ Den Berufsstand zeichneten Respekt vor dem Alter, Zusammenhalt der Familie und Aufmerksamkeit für Kranke und Behinderte aus.

          Der Präsident des europäischen Schaustellerbundes und seiner deutschen Sektion, Albert Ritter, fünfte Generation einer Berliner Schaustellerfamilie, erhofft sich vom Besuch im Vatikan nicht nur seelischen Beistand. „Wir wollen, dass die Unesco Volksfeste als immaterielles Kulturgut anerkennt, und bauen auf Unterstützung des Migrantenrats.“ Ratspräsident Kardinal Antonio Maria Veglio zeige Wohlwollen. Aber Deutschland sei einer von drei Staaten, die den Beschluss blockierten. „Dort denkt man lieber an Investoren, die auf der Kirmeswiese ein Einkaufszentrum bauen“, sagte Ritter.

          Weitere Themen

          Es ist der Klimawandel, Dummkopf!

          Shell-Jugendstudie : Es ist der Klimawandel, Dummkopf!

          „Eine Generation meldet sich zu Wort“: So heißt die 18. Shell-Jugendstudie. Eine neue Entwicklung stellten die Autoren nicht nur bei Themen fest, die Jugendlichen Sorgen bereiten – sondern auch bei den Geschlechterrollen.

          In der Stadt der Zwillinge Video-Seite öffnen

          Alles doppelt : In der Stadt der Zwillinge

          Im nigerianischen Igbo-Ora gibt es landesweit die meisten Zwillinge. Die Stadt hat sich deshalb zur Hauptstadt der Zwillinge ernannt und feiert deshalb bereits zum zweiten Mal das „World Twins Festival“.

          Topmeldungen

          Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) spricht in Salzgitter mit Journalisten.

          Wegen Angriff auf Syrien : VW-Werk in der Türkei steht vor dem Aus

          Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil sieht wegen der türkischen Invasion keine Grundlage mehr für die geplante Milliardeninvestition. Das sei ein „Schlag ins Gesicht von Menschenrechten“.
          Luisa Neubauer: Die „Fridays for Future“-Bewegung wird medial vor allem von jungen Frauen repräsentiert.

          Shell-Jugendstudie : Es ist der Klimawandel, Dummkopf!

          „Eine Generation meldet sich zu Wort“: So heißt die 18. Shell-Jugendstudie. Eine neue Entwicklung stellten die Autoren nicht nur bei Themen fest, die Jugendlichen Sorgen bereiten – sondern auch bei den Geschlechterrollen.
          Trumps ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton Ende September in Washington D.C.

          Wegen Ukraine-Affäre : Bolton wollte Giulianis Vorgehen überprüfen

          Die Ukraine-Affäre zieht immer weitere Kreise. Medienberichten zufolge soll Trumps ehemaliger Sicherheitsberater John Bolton über das Vorgehen Rudy Giulianis so beunruhigt gewesen sein, dass er einen Anwalt einschalten wollte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.