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Wettersatellit Aeolus hebt ab : Das donnernde Ungeheuer aus dem Regenwald

Geglückter Raketenstart in Kourou, Französisch Guyana Bild: EPA

Mit einem Tag Verzögerung hebt die Rakete mit dem europäischen Aeolus-Satelliten ab. Er soll Windströmungen weltweit erfassen und wird aus Darmstadt gesteuert. Unser Autor war beim Start in Südamerika dabei.

          7 Min.

          Es war ausgerechnet der Wind, der „den Gott der Winde“ noch einen Tag länger als geplant auf der Erde hielt. Weil er zu stark war und aus der falschen Richtung kam, konnte die Vega-Rakete mit dem Satelliten „Aeolus“ nicht wie geplant am Dienstagabend vom Weltraumbahnhof Kourou im südamerikanischen Französisch-Guayana starten. Auf den Namen des griechischen Gottes der Winde „Aeolus“ war die fünfte Erdbeobachtungs-Mission der Europäischen Weltraumagentur Esa getauft worden, weil mit ihr zum ersten Mal Windprofile von der ganzen Erde erstellt werden sollen, um die Wettervorhersagen signifikant zu verbessern. Bisher können Winde nur punktuell mit Wetterballons bis in eine Höhe von 30 Kilometern gemessen werden. Und ausgerechnet einer dieser Wetterballons musste vor dem Raketenstart über Kourou in die Höhe steigen, um zu überprüfen, ob der Wind Teile der Rakete im Falle einer Explosion in Richtung eines bewohnten Gebietes tragen würde. In so einem Fall darf eine Rakete nicht starten.

          Sebastian Eder
          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Nach der Enttäuschung am Dienstag wurde es am Mittwoch ernst: Die Wetterprognosen sahen besser aus, neun Stunden und zehn Minuten vor dem für 18:20 Uhr Ortszeit geplanten Start wurde der finale Countdown eingeleitet – und eine riesige Maschinerie in Gang gesetzt: Weil Raketen nicht zuletzt ein Symbol für die hochentwickelte westliche Gesellschaft sind, müssen sie vor Terroristen geschützt werden. Französische Gendarmen postierten sich bewaffnet an den Eingängen des Weltraumbahnhofs, auf dem riesigen Gelände dahinter strömten Soldaten der Fremdenlegion aus. Bei einer letzten Rundfahrt am Mittag konnte man die Söldner sehen, am Rande des Dschungels saßen sie auf Kettenfahrzeugen und beobachteten die Straßen. Über ihnen kreisten Helikopter, die französische Luftwaffe sicherte den Luftraum – und die Marine den rund 50 Kilometer langen Küstenstreifen, der an das Gelände grenzt. Auch Feuerwehrleute aus Paris, die Teil der Armee sind, hielten sich bereit. Wie vor jedem Start legten unterdessen wohl auch einheimische Jäger ihre Waffen zurecht, um später die Tiere zu erlegen, die vor dem donnernden Ungeheuer aus dem Regenwald Reißaus nehmen würden. Als der Countdown noch drei Stunden anzeigte, hob der Wetterballon ab. Zwei Stunden brauchte er, um 30 Kilometer aufzusteigen. Erst zwanzig Minuten vor dem geplanten Start konnte anhand der Daten, die er auf seinem Flug gesammelt hatte, die finale Entscheidung getroffen werden: Grünes Licht!

          Bilderbuchstart um 18:19 Uhr

          Zwölf Kilometer von der Rakete entfernt hatten sich schon eine Stunde vorher hunderte Schaulustige auf einer Plattform im Regenwald versammelt. Unter ihnen war auch Rosa, eine 43 Jahre alte Lehrerin aus Frankreich, die erst kürzlich in das Überseegebiet gezogen ist. „Ich bin extra eine Stunde hergefahren, um zum ersten Mal in meinem Leben eine Rakete starten zu sehen“, sagte sie. Hinter ihr bauten da schon Fotografen ihre Kameras auf, unter ihnen erstreckte sich der Dschungel bis zum Meer, die Sonne ging langsam unter.

          Und pünktlich um 18:19 Uhr war es dann so weit: Über Lautsprecher wurden die letzten zehn Sekunden auf Französisch heruntergezählt, dann leuchtete im Dschungel ein Feuerball auf, über dem sich scheinbar ganz langsam und majestätisch die  vierstufige Trägerrakete in den Himmel erhob. Der Lärm kam erst auf der Plattform an, als die Rakete schon in den Wolken verschwunden war – ein dumpfes Grollen rollte über die Schaulustigen. Genau 54 Minuten und 57 Sekunden nach dem Start brach dann Jubel im Kontrollzentrum in Kourou aus: Der Satellit hatte sich wie geplant von der Rakete getrennt, wenig später empfing eine Bodenstation in Australien die ersten Signale von „Aeolus“. Josef Aschbacher, Direktor für Erdbeobachtungsprogramme bei der Esa, sagte in Kourou: „Das war ein Bilderbuchstart. Und der Satellit funktioniert. Für uns ist das ein großer Moment, nachdem wir so viel Arbeit in dieses Projekt gesteckt haben.“

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