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SARS-Lungenentzündung : Gelassenheit in Guangdong

  • -Aktualisiert am

708 Fälle in Hongkong

In Hongkong arbeitet man noch daran, alles unter Kontrolle zu bringen. Die Bewohner des Blocks E der Wohnanlage Amoy Garden in Hongkong, in der sich mehr als 200 Menschen mit der Krankheit infiziert hatten, wurden in ein Ferienlager in den außerhalb des Stadtzentrums gelegenen New Territories gebracht und werden dort unter Quarantäne gehalten. In Hongkong wurden am Dienstag nach amtlichen Angaben 75 neue SARS-Fälle registriert; insgesamt wurden 708 Fälle gezählt. Bislang starben in der früheren britischen Kronkolonie 16 Patienten. Die Hongkonger Behörden dementierten jedoch, daß geplant sei, Hongkong als infiziertes Gebiet von der Außenwelt abzuschließen. Ein solches Gerücht hatte bereits zu ersten Panikkäufen unter der Hongkonger Bevölkerung geführt. Ein Vierzehnjähriger, der über das Internet ganz Hongkong zur infizierten Zone erklärt hatte, wurde festgenommen.

Anders als in Hongkong, wo Presse und Regierung laufend über SARS berichten, ist die Bevölkerung in der Volksrepublik weiterhin kaum über die Krankheit informiert. Offensichtlich hatte die chinesische Führung eine Nachrichtensperre verordnet, die erst jetzt gelockert wird. Mehr als vier Monate nach dem Ausbruch der Krankheit in Südchina hat jetzt das chinesische Zentrum für Krankheitskontrolle ein Bulletin über die Krankheit ins Internet gestellt.

Vorsichtsmaßnahmen im chinesischen TV

Am Mittwoch abend ließ sich erstmals der chinesische Gesundheitsminister im Fernsehen zu der Krankheit befragen. Er gab die neuesten Zahlen bekannt und sagte, daß die Krankheit unter Kontrolle sei. Er sagte, es sei nicht richtig, China als Ursprungsland der neuen Krankheit zu bezeichnen. Es sei nur erwiesen, daß sie in Südchina zum ersten Mal bekanntgeworden sei.

Das chinesische Fernsehen veröffentlichte auch erstmals eine Liste von Vorsichtsmaßnahmen. Bislang war in chinesischen Zeitungsberichten immer noch der Eindruck erweckt worden, zwischen dem international verbreiteten SARS und den "atypischen Lungenentzündungen" in China bestehe kein Zusammenhang. Über die Fälle in Südchina wird außer in den örtlichen Zeitungen kaum berichtet. Die Pekinger "Jugendzeitung" konnte von der Sorge der Bevölkerung nur indirekt berichten, indem sie beschrieb, daß überall in der Hauptstadt Mundschutzmasken ausverkauft seien. Die englischsprachige "China Daily", die als einzige Zeitung regelmäßig über SARS berichtet hat, kritisierte am Mittwoch erstmals in einem Kommentar die schlechte Informationspolitik der chinesischen Regierung.

SARS-Höhepunkt in China überschritten?

Während ein Sprecher des chinesischen Zentrums für Krankheitskontrolle noch am Dienstag zu Protokoll gab, es gebe außer in Guangdong, Peking und Shanxi keine Fälle in anderen Provinzen, vermeldete die WHO am Mittwoch neue SARS-Fälle in den südlichen Provinzen Guangxi, Hunan und Sichuan. Damit sind jetzt insgesamt 1168 Fälle in China gemeldet. Ausländische Beobachter fürchten allerdings, daß es weit mehr sein könnten. Auch die chinesische Bevölkerung hat wenig Vertrauen in die amtlich veröffentlichten Zahlen.

Das chinesische Gesundheitsministerium hatte der WHO in Peking in der vergangenen Woche zugesichert, täglich aktualisierte Zahlen aus allen Provinzen vorzulegen. Nun hat es fünf Tage gedauert, bis die Zahlen für den Monat März bekanntgegeben wurden. Der Repräsentant der WHO in Peking, Henk Bekedam, sagte zu den neuen Zahlen in Guangdong, sie seien etwas höher, als er erwartet habe, aber insgesamt nicht überraschend.

Immerhin erlaubten die Pekinger Behörden nach fünf Tagen des Wartens dem Team von Wissenschaftlern der WHO am Mittwoch endlich, nach Guangdong zu fahren, um die dortigen Fälle zu untersuchen und sich mit ihren Kollegen in der Provinz auszutauschen. Der Leiter des WHO-Teams in Peking, Robert Breimann, sagte am Mittwoch, in China sei der Höhepunkt wohl überschritten: "Deswegen können wir sehr viel von China lernen." International jedoch habe SARS noch nicht seinen Höhepunkt erreicht. In China hört man die Botschaft gern, daß das Land auf dem Weg der Besserung sei. Die restliche Welt jedoch wird mit dem Erreger, der aus der Tiefe des Reiches der Mitte kam, noch lange zu tun haben.

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