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Dürre in Italien : Sardinien wird von Heuschreckenplage heimgesucht

Eine Heuschrecke sitzt auf einer Wildblume. Bild: dpa

Bis zu 50.000 Hektar Agrarland haben die Heuschrecken zerstört und dringen inzwischen auch in bewohntes Gebiet vor. Eine Bürgermeisterin sorgt sich wegen Ernteausfällen – und weil noch kein Ende in Sicht ist.

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          Während Nord- und Mittelitalien unter Hitze und Dürre leiden, wird die Insel Sardinien von einer Heuschreckenplage heimgesucht. Besonders betroffen von der Invasion der gefräßigen Insekten ist die Provinz Nuoro in Zentralsardinien. Dort sind nach Angaben des Bauernverbands Coldiretti inzwischen bis zu 50.000 Hektar Agrarland durch die Heuschreckenschwärme zerstört worden.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Hunderten Familienunternehmen drohe ein Totalausfall bei der Ernte und bei der Erzeugung von Futtermitteln. Die Bürgermeisterin des Weilers Noragugume, Rita Zaru, klagte: „Unsere Bauern und Viehzüchter sind am Ende. Sie müssen mit ansehen, wie die Arbeit eines ganzen Jahres innerhalb weniger Stunden zerstört wird.“ Hinzu komme, dass die nach der Heuschreckenplage von 2019 zugesagten staat­lichen Hilfen noch immer nicht aus­gezahlt worden seien.

          Heuschrecken vermehren sich rasend schnell

          Seit der ersten großen Plage vor drei Jahren beginnen sich die Heuschrecken im Tal des Flusses Tirso in Mittelsardinien jeden Frühling von März an rasend schnell zu vermehren. In diesem Jahr sei die Lage besonders katastrophal, sagte Bürgermeisterin Zaru. Die Heuschreckenschwärme kämen erst nach Sonnenuntergang zur Ruhe, um kurz nach Sonnenaufgang aufs Neue den Himmel zu verdunkeln.

          Die Plage habe sich von Äckern und Feldern inzwischen auch auf bewohntes Gebiet ausgebreitet, wo die Insekten Gärten zerstörten und in Häuser und Wohnungen eindrängen. „Man hat das Problem unterschätzt“, klagte die Bürgermeisterin. „Keiner hört uns an, wir fühlen uns von Gott und der Welt verlassen. Vom Staat kommt keine Hilfe, und jetzt suchen auch immer mehr unserer eigenen Leute das Weite.“

          Die auch auf Sardinien seit Monaten anhaltende Dürre sowie die hohen Temperaturen begünstigen die Vermehrung der Heuschrecken. In diesem Jahr wurden in Italien im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen Jahre etwa 50 Prozent weniger Niederschläge verzeichnet. Bei den Schneefällen in den Alpen, den Dolomiten und in den Abruzzen betrug der Rückgang sogar 70 Prozent. Auf Sardinien folgten auf einen kühlen Mai außer­gewöhnliche hohe Temperaturen schon im Juni.

          Diese klimatischen Bedingungen begünstigten die Brut­bedingungen für die Heuschrecken. Die Insekten schlüpfen in kürzester Zeit und breiten sich immer weiter aus. Die Heuschreckenplage von 2019 galt seinerzeit als die schlimmste der vergangenen 60 Jahre. In diesem Jahr nimmt die Katastrophe noch größere Ausmaße an. Während vor drei Jahren etwa 2000 Hektar Ackerland und Felder für Viehfutter zerstört wurden, müssen in diesem Sommer schon 50.000 Hektar als Totalverlust abgeschrieben werden.

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