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Sanktionen gegen Russland : Schnell noch eine Kalaschnikow

Darf in keinem amerikanischen Haushalt fehlen: die AK-47 Bild: AFP

Auch der Kalaschnikow-Konzern ist von den amerikanischen Sanktionen gegen Russland betroffen. Die noch erhältlichen Sturmgewehre AK-47 verkaufen sich deshalb bestens.

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          Eigentlich sollen Sanktionen dazu führen, dass Waren nicht mehr ins Ausland verkauft werden. Manchmal erreichen sie allerdings das Gegenteil. Nachdem sich im Juli die Ukraine-Krise zuspitzte, verschärfte Obama die Sanktionen gegen Russland. Unter den Firmen, denen der Handel untersagt wurde, befand sich fortan auch der Kalaschnikow-Konzern, jene Waffenschmiede also, die das wohl bekannteste Sturmgewehr der Welt herstellt, die AK-47. Sie wurde zum Symbol der Sowjetarmee schlechthin, und nach ihrem Zusammenbruch zu einem weltweiten Exportschlager. Schätzungsweise gibt es bis zu 100 Millionen Exemplare des Gewehrs. Sein Bekanntheitsgrad hat der Waffe sogar einen Platz auf der Flagge von Moçambique und auf dem Wappen von Simbabwe beschert. Und auch wer in realiter noch nie eine Waffe in der Hand hatte, dürfte virtuell schon einmal eine AK-47 abgefeuert haben.

          Morten Freidel
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

          Ist es da verwunderlich, dass Waffennarren in den Vereinigten Staaten über das Handelsverbot entsetzt waren? So entsetzt, dass sie damit begannen, alle noch im Land erhältlichen AK-47 aufzukaufen. Das berichteten das Blog „The Truth about guns“ (TTAG) sowie CNN. Robert Keller, Manager eines Online-Waffenhandels aus Las Vegas sagte: „Wir verkaufen einiges von dem Zeug. Und zwar schnell.“ Inzwischen seien alle Waffen des Kalaschnikow-Konzerns ausverkauft. Das gleiche gilt offenbar auch für andere Waffenhändler. Und auch die Preise für gebrauchte AK-47 sind im Netz um einige hundert Dollar gestiegen. Sein geliebtes Sturmgewehr will sich eben keiner wegnehmen lassen. Vor allem die Amerikaner nicht.

          Die NRA wittert ein Verbot durch die Hintertür

          Steht auch nur die Andeutung einer Gesetzesverschärfung im Raum, explodieren die Waffenkäufe. Zuletzt war das Anfang des vergangenen Jahres so, als Obama nach dem Amoklauf in Newtown mit 27 Toten forderte, die Waffengesetze zu verschärfen. Der amerikanische Präsident wollte besonders den Verkauf von Sturmgewehren eindämmen. Der wurde dadurch aber erst so richtig angekurbelt. Selbst Regierungsbehörden deckten sich massenhaft mit Sturmgewehren ein; das Department of Homeland Security (DHS) zum Beispiel orderte 7000 Waffen und, um sicherzugehen, dass es auch an nichts mangeln werde, 21 Millionen Patronen.

          Die National Rifle Association (NRA) griff die Sanktionen gegen Russland scharf an. Sie warf dem amerikanischen Präsidenten vor, ein Verbot von Sturmgewehren durch die Hintertür durchzusetzen. „Was auch immer die Hintergründe sein mögen“, heißt es in einer Meldung auf der Internetseite der NRA, „die Exekutive nutzt Einfuhrverbote schon lange, um einseitig Waffenverbote zu verordnen“. Es folgt der fettgedruckte Hinweis, dass die Sanktionen nicht für Kalaschnikow-Gewehre gelten, die Amerikaner vor dem Handelsverbot erworben haben. Außerdem dürfe man sie weiterverkaufen, solange dabei keine Gewinne für den Kalaschnikow-Konzern abfallen. Das haben sich offenbar viele Amerikaner zu Herzen genommen. „Wieder einmal“, bilanziert das Blog „The Truth about guns“, „kann die Waffenindustrie Obama dankbar sein“.

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