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Bis in die Wolken: Baustelle der neuen Gasprom-Zentrale in Sankt Petersburg Bild: Josef Gartner GmbH

Russland : In Sankt Petersburg entsteht das höchste Gebäude Europas

  • -Aktualisiert am

462 Meter hoch wird es sein, wenn es fertig ist. Doch schon jetzt ist die künftige Konzernzentrale von Gasprom der höchste Büroturm Europas. Das Hochhaus zeigt die Ambitionen Russlands.

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          Genau 390 Meter hat es mittlerweile erreicht. Und wenn das Hochhaus pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr fertig ist, dann wird es 462 Meter in die Höhe ragen. Obwohl also noch gut 70 Meter fehlen, ist das Gebäude schon jetzt das höchste europäische Hochhaus.

          Trotz des Superlativs hält sich die Aufmerksamkeit für die künftige Konzernzentrale von Gasprom in Grenzen. Was daran liegen mag, dass der Büroturm als Kern eines Gebäudekomplexes nicht im Zentrum von Sankt Petersburg geplant ist. Das Lachta-Zentrum – mit Kinos, Veranstaltungs- und Ausstellungshallen – entsteht in der zehn Kilometer nordwestlich gelegenen Primorskij-Region. Von der Innenstadt aus ist der Turm zwar zu sehen. Die Silhouette der nördlichsten Millionenstadt Europas wird er aber nicht prägen.

          Das wäre dem Vorgängerprojekt, dem Ochta-Zentrum, gelungen, sollte es doch nahe der Innenstadt an der Mündung des Flusses Ochta in die Newa entstehen. Als die Unesco jedoch mit der Aberkennung des Weltkulturerbe-Status für die Petersburger Innenstadt drohte, wurde das Projekt unter dem damaligen Präsidenten Dimitrij Medwedew 2010 beendet. Wenig später begannen die Arbeiten am Turm des Gasprom-Konzerns vor der Stadt, der von dem britischen Architekten Tony Kettle entworfen wurde und eine lodernde Gasflamme symbolisieren soll. Eine komplexe Geometrie erweckt diesen Eindruck. Der Turm startet unten schlank, erreicht etwa auf halber Höhe seinen größten Durchmesser, um sich nach oben hin zu verjüngen und in einer Spitze auszulaufen. Sein Grundriss erinnert an einen fünfzackigen Stern. Im Bereich der Ecken entstehen fünf Gebäudeflügel für Büros und Besprechungsräume, die sich um einen kreisrunden Kern drehen, der wiederum Aufzüge, Sanitär- und Technikräume aufnimmt.

          Jede der 110 Geschossdecken ist um knapp ein Grad (genau 0,82 Grad) gegenüber der darunter liegenden verdreht. Das verpasst dem Bau einen Drall. Die Dynamik wird von der Gebäudehülle aufgenommen, die von dem deutschen Fassadenbauer Gartner aus Gundelfingen an der Donau gefertigt und eingebaut wird. Die rund 100.000 Quadratmeter messende Glasfassade ist entsprechend der Gebäudewindung gebogen – die Scheiben sind es damit auch. Das plan liegende Glas wird dazu in parallelogrammförmige Stahl- und Aluminiumrahmen gedrückt – mit einem Krümmungsradius von bis zu vier Zentimetern.

          Das Gebäude zeigt die Ambitionen des Landes. Denn auch auf den Plätzen zwei bis fünf der höchsten Gebäude Europas sind nur russische Hochhäuser. Federasija Wostok, Oko Tower 1, Mercury City Tower, Eurasia Tower – sie stehen in Moskau. Da hat Sankt Petersburg nach dem sozialistischen Motto gehandelt: überholen ohne aufzuholen.

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