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Sanierung des Eiffelturms : Als ob man über Paris schweben würde

Bild: AP

Der Eiffelturm wird, rechtzeitig zum 125. Jahrestag des Baus, verjüngt. Durch einen Glasboden auf der ersten Plattform hat man nun einen tiefen Blick nach unten.

          3 Min.

          Madame le Maire ist garantiert schwindelfrei. Und das ist auch besser so, denn Anne Hidalgo, die neue Bürgermeisterin von Paris, blickt in 57 Meter Tiefe: „Ein Gefühl“, sagt sie, „als ob man schweben würde.“

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Auf der ersten Plattform des Eiffelturms geben Glasplatten künftig den Blick nach unten frei. Das Erlebnis soll mehr Besucher denn je auf die bislang unbeliebteste Plattform des mit 324 Metern höchsten Bauwerks der französischen Hauptstadt locken.

          Die Idee geht noch auf Hidalgos Vorgänger, Bertrand Delanoë, zurück. Der Bürgermeister fand, dass die „Eiserne Dame“, wie der Eiffelturm genannt wird, langsam in die Jahre komme. Deshalb verordnete er dem Bauwerk, das 1889 zur Weltausstellung in Paris und zur Erinnerung an die Französische Revolution 100 Jahre zuvor eröffnet wurde, eine Verjüngungskur. Gut zwei Jahre währten die Renovierungsarbeiten, ohne dass der Besucherzugang eingeschränkt wurde.

          Das Ergebnis kann sich - rechtzeitig zum 125. Jahrestag des Turmbaus - sehen lassen. Das findet zumindest die strahlende Bürgermeisterin. Neben den Bodenplatten aus Glas gibt es auch ein neues Geländer aus drei Meter hohen Glasscheiben sowie einen modernisierten Glaspavillon für Empfänge und Konferenzen oder eben feierliche Einweihungen.

          Zur offiziellen Eröffnung der neuen Plattform hat die Bürgermeisterin alle eingeladen, die im Pariser Kulturleben Rang und Namen haben. Da war fast vergessen, wie sehr sich die Künstlerszene zu Zeiten Gustave Eiffels an dem Turmbau gestört hatte. Damals unterzeichneten die Schriftsteller Emile Zola, Guy de Maupassant und Alexandre Dumas, der Komponist Charles Gounod und der Architekt der Pariser Oper, Charles Garnier, eine Protestschrift: „Wir Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Architekten und leidenschaftliche Liebhaber der Schönheit von Paris protestieren im Namen des verkannten französischen Geschmacks mit aller Macht gegen die Erbauung des unnötigen und ungeheuerlichen Eiffelturms im Herzen unserer Stadt.“

          Für Anne Hidalgo aber, das Einwandererkind aus Spanien, war der erste Besuch auf dem Eiffelturm „das Größte“, wie sie in ihrem autobiographischen Wahlkampfbuch schrieb. Aber nur selten liegt der im März gewählten Sozialistin Paris ganz zu Füßen wie auf dem Eiffelturm. Die Mittfünfzigerin mag dabei das Wort „Lifting“ nicht. „Unser nationales Wahrzeichen hat stets eine zeitlose Modernität ausgezeichnet“, sagt die Bürgermeisterin.

          „Noch so schön wie einst“

          Es ist schon das dritte Mal, dass die 5400 Quadratmeter große erste Plattform modernisiert wurde. „Ja, der Eiffelturm ist immer noch so schön wie einst“, sagt Anne Hidalgo. Das neue, frischere Design soll verstärkt auch das heimische Publikum ansprechen. So lautet zumindest der Wunsch der neuen Bürgermeisterin, die sich nur denkbar knapp bei den Wahlen gegen ihre Rivalin von der bürgerlichen Rechten, Nathalie Kosciusko-Morizet, durchsetzte.

          Das Architekturteam um Alain Moatti durfte auch das Restaurant „58 Tour Eiffel“ räumlich umgestalten. Zugleich soll der 10 000 Tonnen schwere Turm künftig für ökologische Nachhaltigkeit stehen. Mit Hilfe von Solarmodulen und Wasserturbinen wird er umweltfreundlicher. Sie sollen die Hälfte des Warmwasserbedarfs decken und jährlich etwa 8000 Kilowattstunden Strom produzieren. Auch die Digitalisierung schreitet voran. So gibt es künftig virtuelle Hilfen, die Besuchern über Smartphone und Tablet Informationen bieten. Dazu kommen moderne Installationen, die das Leben und Werk des Erbauers Gustave Eiffel sowie die Geschichte des Turms vorstellen.

          Seit dem Jahr 2006 wird das Wahrzeichen nicht mehr ausschließlich von der Stadt Paris, sondern von der gemischten Kapitalgesellschaft Société d’Exploitation de la Tour Eiffel“ („Sete“) verwaltet. Paris ist weiterhin zu 60 Prozent an der Firma beteiligt, der Rest gehört privaten Investoren. Die Betreibergesellschaft machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 73 Millionen Euro und knapp fünf Millionen Euro Gewinn. Die Renovierung hat gut 30 Millionen Euro verschlungen. Doch hofft man bei der Betreiberfirma vor allem auf eine bessere Verteilung der Besucherströme. Denn bislang halten nur die Hälfte der Touristen auf der ersten Plattform an - sie wollen gleich höher hinaus.

          Den Drang nach oben hofft auch Anne Hidalgo gebremst zu haben. „Der Blick von der ersten Plattform ist einfach spektakulär“, sagte sie. Der Eiffelturm sei eben kein Museum, sondern ein unschätzbares Erbe, das sich ständig wandele.

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