Sand am Himmel : Grüße aus der Sahara
- -Aktualisiert am
The Shard, Europas höchstes Gebäude, verschwindet im Saharastaub. Bild: REUTERS
Selten legte sich über Deutschland so viel Wüstenstaub wie jetzt. Allein über dem Saarland sind 13.000 Tonnen Sand in der Luft.
Staubige Luft klingt nach Westernfilmen. Oder nach Wüste. Und das trifft es: Wieder einmal ist es Sand aus der Sahara, den eine ungewöhnliche Drucklage in europäische Breiten trägt. Solange es nicht regnet, kann man das nur am Himmel sehen. Die Luft ist diesig und trüb, wirkt morgens milchig und hinterlässt einen gelblichen Schleier an Fenstern von Autos und Häusern.
Die Anzeigen des Deutschen Wetterdienst zeigten eine nicht vorhergesagte Wolke, die aber gar keine Wolke ist. Sie besteht aus Wüstensand, der aus Algerien, Tunesien und dem westlichen Libyen kommt. Dass dieser Sand in Mitteleuropa auftaucht, ist nichts ungewöhnliches. Ein bis zwei Mal im Jahr tragen besondere Luftströmungen so viel Sand aus der Sahara bis nach Deutschland. Trotzdem ist nicht alles wie immer. Diesmal wurde der Sand aber ungewöhnlich weit in den Norden und Osten Deutschlands getragen.
13.000 Tonnen Sand in der Luft über dem Saarland
„So weit ist der Staub bisher nur sehr selten vorgedrungen“, bestätigt Magdalena Bertelmann, Medienmeteorologin beim Deutschen Wetterdienst. Ein Hoch über Skandinavien und ein Tief über dem Atlantik und über dem Mittelmeer sind dafür verantwortlich. Vom Mittelmeer aus strömen Wind und Sand über den Südwesten Deutschlands. Dort hat er heute seine höchste Konzentration. Bis Sonntag ist der Himmel in Deutschland noch staubig. Danach strömt der Saharasand mit der Luft noch weiter Richtung Osten, wahrscheinlich bis nach Russland. Wie der Sand über Europa wandern wird, kann man sich auf der Internetseite der Universität Athen ansehen.
Um zu verstehen, wie viel Staub sich in der Luft befindet, muss man sich eine imaginäre Luftsäule vorstellen. Diese hat eine Grundfläche von einem Quadratmeter und reicht vom Boden bis zum oberen Rand der Atmosphäre. In einer so großen Luftsäule befinden sich fünf Gramm Saharastaub. Das klingt nicht viel. Doch allein im Saarland bedeutet das 13.000 Tonnen Staub, die den Himmel eintrüben.
Schlammregen in Spanien
Ausgehen wird der Sand der Sahara deswegen aber nicht. Auch viele Tausend Tonnen Sand machen nur einen kleiner Teil der Wüste aus, die im übrigen vor allem aus Steinen besteht.
Der Sand bleibt nicht in der Luft, sondern lagert sich andernorts wieder ab.
Zum Beispiel, wenn es regnet. Im Nordosten Spaniens gingen am Donnerstag etwa 50.000 Tonnen Saharastaub nieder und bedeckte den Boden mit einer bräunlichen Schicht. Dabei war die Konzentration mit zwei bis vier Gramm pro Quadratmeter niedriger als momentan in Deutschland.