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Sammelleidenschaft : „Steht da ein Zuckerstreuer, ist das Lokal tabu“

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Marianne Dumjahn ist stolz auf ihre Zuckersammlung
          2 Min.

          Angefangen hat alles mit harmlosen Mitbringseln aus dem Urlaub: Mal ein Zuckerwürfel aus einem Schweizer Café, mal ein Zuckertütchen aus einem Restaurant in Spanien. Als die Zuckerpackungen dann in der Küchenschublade verstaubten, sagte ihr Mann: „Entweder du wirfst die nun weg oder machst es richtig.“ Marianne Dumjahn entschied sich für die zweite Möglichkeit und sammelte weiter. Rund 325 000 Würfel und Tütchen besitzt die 69 Jahre alte Mainzerin heute. Damit lagert in ihrem Reihenhaus die wohl größte Zuckersammlung der Welt.

          Vor der Erfindung des Zuckerwürfels im Jahre 1843 sei das Lebensmittel in Zuckerhüten vertrieben und gelagert worden, berichtet Dumjahn. Da die Hüte recht unhandlich waren und ein gewisses Verletzungsrisiko bargen, schnitt sich der Überlieferung nach vor etwa 160 Jahren im mährischen Dacice im heutigen Tschechien eine Hausfrau beim Hantieren mit dem Zuckerhut in den Finger und beschwerte sich darüber bei ihrem Mann: Hobby-Erfinder Jakob Christoph Rad,der Direktor einer Zuckerfabrik war. Bis heute erinnert in Dacice ein Denkmal mit einem Zuckerwürfel an den berühmten Einwohner, der die Welt der Kaffee- und Teetrinker für immer veränderte.

          Nach Ländern und Orten sortiert

          Auch die Sammlung von Dumjahn wäre undenkbar ohne den umtriebigen Rad. In Plastikschachteln und Pappkartons sind ihre Zuckerpackungen nach Ländern und Orten geordnet - penibel beschriftet und sortiert in einem speziellen Zuckerzimmer. Die besonders schönen Stücke stehen in Vitrinen: Etwa ungewöhnliche Würfel, buntgemusterte Tütchen mit Aroma oder eine ganze Armee von kleinen Zuckerhüten. „Fahren sie vorsichtig, ich kann es mir nicht leisten, einen Gast zu verlieren“ hat der Wirt auf die Verpackung drucken lassen. Ein Dortmunder Hof warnt seine Gäste im Spaß: „Der Gastwirt kocht selber - kommen sie trotzdem.“

          Bei Café- oder Restaurantbesuchen wirft Dumjahn immer erst einen Blick auf den Tisch. „Steht da ein Zuckerstreuer, ist das Lokal tabu“, sagt sie. Erst vor kurzem sei sie in Polen auf eine Serie von Zuckertütchen gestoßen, die mit kleinen Tieren bedruckt sind. „Da habe ich gleich 1200 Stück gekauft, auch für die Tauschtage meines Zuckersammlerclubs“. Die Mainzerin ist Vorsitzende des Clubs der Zuckersammler Deutschlands und Freunde, in dem inzwischen 55 Mitglieder aus zehn Ländern verzeichnet sind.

          Zuckerwürfel sterben aus

          „In Deutschland wird der Zuckerwürfel wohl irgendwann verschwinden“, berichtet die Liebhaberin. Tütchen und Sticks würden immer moderner - in vielen Restaurants gebe es nur Zuckerstreuer oder Dosen mit losem Zucker. Die Sammelleidenschaft bei Dumjahn hält dennoch an. Zwar ist ihre Sammlung „Deutsche Zuckerwürfel“ inzwischen abgeschlossen - aber bei Tütchen und ausländischen Würfeln geht es munter weiter.

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