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Zum Tod von Gunter Gabriel : Der Stehaufmann

Gunter Gabriel (1942 - 2017) Bild: dpa

Gunter Gabriel ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Bekannt wurde er durch Songs auch für andere Schlagersänger, aber auch durch Eskapaden.

          Zuletzt das „Dschungelcamp“. Tiefer kann man im deutschen Kulturbetrieb nicht sinken, sollte man meinen. Doch Gunter Gabriel war gefühlt immer irgendwo ganz weit unten, war nie ein Star, keiner der als Sänger die Hitparaden stürmte, nicht mal zum Dschungelkönig taugte er. Im Dschungelcamp vor einem Jahr zog er selbst die Reißleine – am fünften Tag, nachdem er schon am ersten geklagt hatte: „Das halte ich nicht durch!“ Das war umso erstaunlicher, da Gabriel ein Mann des Durchhaltens war. Der sich selbst nie aufgab. Der aufstand, um wieder niedergeprügelt zu werden. Er war über Jahre das ideale Opfer. Er selbst bezeichnete sich als „Kreisklasse“.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Dabei war Gunter Gabriel ein hochtalentierter Songschreiber. Ihm verdankt die deutsche Partygesellschaft einige der schönsten Gassenhauer – sogar auf feuilletontauglichem Niveau: „Wenn du denkst du denkst, dann denkst du nur du denkst“ für Juliane Werding zum Beispiel. Oder „Ein Sonntag im Bett“ für Wencke Myhre. Auch für sich selbst hat er wunderbare Ohrwürmer geschrieben: „Komm unter meine Decke“ (1975), „Papa trinkt Bier“ (1977) und „Ohne Moos nichts los“ (1978).

          Diese drei Titel geben verkürzt auch Gunter Gabriels Lebenslauf wieder. Viermal verheiratet, Alkoholprobleme, mehrfach pleite. Sorgen und Nöte begleiteten den Koloss, der gerne den harten Kerl spielte – und auch besang: „Er ist ein Kerl (Er fährt ’nen 30-Tonner Diesel)“. Das war 1973. Mit diesem Fernfahrersong begann seine erstaunliche Gesangskarriere. Die tiefe Stimme, der Türsteher-Habitus, die Texte legten ihn seither auf Countrysänger fest. Und er mochte es auch, als solcher bezeichnet zu werden. Nashville war neben seinem Hausboot Magdeburg im Hamburger Binnenhafen, einem ehemaligen DDR-Arbeiterschiff, Heimat und Sehnsuchtsort zugleich. Sein größtes Glück: Im Bademantel und Schlappen zum nächsten Kiosk radeln und ein paar Bier holen.

          Anfang der Siebziger begann er mit der Musik

          Gabriel war bescheiden. Geboren 1942 in Bünde in Westfalen als Günter Caspelherr meinte es das Leben schon in seiner Kindheit nicht wirklich gut mit ihm. Seine Mutter starb, als er vier Jahre alt war, sein Vater kümmerte sich danach fast nur mit Prügeln um ihn. Er selbst schlug sich durch, von der Volksschule zum Fachabitur bis hin zum Maschinenbaustudium in Hannover, das er abbrach. Anfang der Siebziger dann begann er ernsthaft mit der Musik, erst als DJ, dann als Promoter bei einer Plattenfirma, schließlich als Songschreiber. Was folgte, lässt sich durchaus als „Karriere“ verkaufen. Sie brachte Gunter Gabriel (der Name stammt von seiner ersten Frau Gabriele) sogar Geld ein. Doch aus dem Millionär wurde ein Millionenschuldner.

          Gunter Gabriel ist tot. Er wurde 75 Jahre. Bilderstrecke

          Trotzdem ging es weiter – unter anderem mit seiner Wohnzimmertour. Er sang für jedermann für 1000 Euro. Hunderte solcher Auftritte hat er absolviert. Auch das war Gabriel, sich selbst für nichts zu schade. 2012, zu seinem 70. Geburtstag, antwortete er im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung auf die Frage, ob er Angst vor dem Tod habe: „Keinesfalls. Ich sag’ dir auch, warum: weil ich einen Haufen Zeugs gut gemacht habe in meinem Leben.“ Dazu zählte er, dass er „ein paar geile Songs geschrieben“ habe. „Ich habe ein superinteressantes Leben gelebt mit allen Amplituden.“

          Am Donnerstag ist Gunter Gabriel nach einem Treppensturz gestorben.

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