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Russland : Ermittler werten Zugunglück als Terroranschlag

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Entgleister Zug „Newsky Express” Bild: REUTERS

Das Zugunglück, bei dem im Nordwesten Russlands Dutzende Menschen umgekommen sind, ist nach ersten Ermittlungen als Anschlag zu werten. Darauf deuten ein Krater an der Unfallstelle und Zeugenaussagen.

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          Das Zugunglück im Nordwesten Russlands ist nach Einschätzung der Ermittler ein Terroranschlag gewesen. Das meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax am Samstag unter Berufung auf die Generalstaatsanwaltschaft. Sie hatte Ermittlungen wegen des Verdachts auf einen Terroranschlag eingeleitet. Außerdem wurde wegen illegalen Besitzes von Sprengstoff ermittelt.

          Interfax meldete weiter, nahe der Gleise am Unglücksort sei ein Krater mit einem Meter Durchmesser entdeckt worden. Zeugen hätten kurz vor dem Entgleisen der Waggons einen Knall gehört.

          Liegt die Opferzahl noch höher?

          Der mit mehr als 650 Personen besetzte Schnellzug „Newsky Express“ war am Freitagabend auf der Strecke zwischen Moskau und St. Petersburg entgleist. Mindestens 25 Menschen sind ums Leben gekommen und fast 100 verletzt worden. Mehrere Menschen wurden noch vermisst, wie das Gesundheitsministerium in Moskau am Samstag mitteilte. Andere Nachrichtenagenturen berichten unter Berufung auf Behörden von 39 Toten.

          Das Unglück vom Freitag ereignete sich nach Behördenangaben in der Provinz Twer rund 400 Kilometer nordwestlich von Moskau und 250 Kilometer südöstlich von St. Petersburg. An Bord des Schnellzugs waren 633 Reisende und 20 Bahnmitarbeiter, sagte der Leiter des Katstrophenministeriums, Sergej Schoigu. Die letzten drei der insgesamt 14 Wagen seien entgleist. Der „Newsky Express“ wird häufig von Geschäftsleuten und Regierungsmitarbeitern genutzt.

          Auf derselben Strecke war im Jahr 2007 bei einem Bombenanschlag ein Personenzug entgleist; dabei waren 27 Insassen verletzt worden. Anschließend gab es zwei Festnahmen, nach einem früheren Offizier wird noch gefahndet. Die Hintergründe der Tat sind nach wie vor unklar.

          1997 wurden bei einer Explosion in der Toilette eines Zuges auf der Strecke zwischen Moskau und St. Petersburg fünf Menschen getötet. In Russland werden seit den Kriegen, die Mitte der 90er Jahre im Kaukasus begannen, immer wieder Terroranschläge verübt. Im Dezember 2003 wurden bei einem Selbstmordanschlag auf einen Pendlerzug in der Nähe von Tschetschenien 44 Menschen getötet.

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