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Rückrufaktion : Mädchen stirbt nach Tortenverzehr

  • Aktualisiert am

Sahnetorte „Feine Conditor Auswahl” Bild: dpa

Das elfjährige Mädchen an einer Bakterieninfektion gestorben sein. Der Hersteller der Tiefkühltorte startete eine Rückrufaktion.

          2 Min.

          Nach dem Verzehr von tiefgekühlter Sahnetorte des Herstellers Coppenrath und Wiese ist ein elfjähriges Mädchen im Rhein-Main-Gebiet gestorben. Die genaue Todesursache stand am Samstag noch nicht fest. Nach Angaben des hessischen Sozialministeriums besteht der Verdacht auf eine Verunreinigung der Torte mit Bakterien. Aufschluss soll die Obduktion des Leichnams geben, sagte eine Ministeriumssprecherin in Wiesbaden am Samstag. Mit Ergebnissen sei jedoch nicht vor Anfang nächster Woche zu rechnen.

          Nach Angaben von Ministeriumssprecherin Petra Müller-Klepper litten fünf weitere Familienmitglieder - darunter zwei Kinder - an Vergiftungserscheinungen, konnten aber inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. Der in Nordrhein-Westfalen ansässige Hersteller habe den bundesweiten Rückruf des Produkts „Feine Conditor Auswahl - bunte Sahneplatte - neu sortiert“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 12/2003 und der Chargennummer L2164M119 eingeleitet.

          "Kein direkter Zusammenhang zwischen Verzehr und Todesfall"

          Ministerium und Hersteller warnten vor dem Verzehr dieses Produkts. „Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Verzehr und dem Unglücksfall ist nicht nachgewiesen“, teilte das Unternehmen am Samstag mit. „Wir werden unverzüglich, um unserer höchstmöglichen Sorgfaltspflicht nachzukommen, die etwa noch vorhandenen Produkte aus der vorgenannten Charge aus dem Handel zurückholen.“ Betroffene Torten wurden bundesweit entfernt. Coppenrath & Wiese garantiere die einwandfreie Beschaffenheit seiner Produkte, könne aber nicht ausschließen, dass an anderer Stelle Verunreinigungen hinein gelangten.

          Das Mädchen war am Freitagnachmittag gestorben. Die fünf weitere Familienmitglieder litten ebenfalls an Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Zwei sieben und neun Jahre alte Kinder lagen zunächst im Krankenhaus, wurden aber am Samstag nach Hause entlassen. Die Familie stehe weiter unter ärztlicher Beobachtung, sagte die Ministeriumssprecherin.

          Rückruf als Vorsichtsmaßnahme

          Der Rückruf aus dem Handel ist nach Darstellung des Referatsleiters für Lebensmittelüberwachung im hessischen Sozialministerium, Alexander Becht, eine „reine Vorsichtsmaßnahme“. Noch sei überhaupt nicht geklärt, ob das Mädchen tatsächlich am Verzehr der Torte gestorben sei. „Da muss man sehr, sehr vorsichtig sein. Es könnte auch etwas ganz anderes sein“, warnte Becht.

          Auch der Verdacht auf eine Bakterienvergiftung sei noch nicht bestätigt. Dies sei nur eine Vermutung, weil die ganze Familie von der Torte gegessen habe. Zunächst müssten die Ergebnisse von ärztlichen und Laboruntersuchungen abgewartet werden.

          War die Kühltheke ausreichend kalt?

          Die Lebensmittelkontrolleure prüften sowohl Reste der Sahnetorte, als auch weitere Produkte aus der Kühltheke des Supermarktes. Es werde auch überprüft, ob möglicherweise die Kühltheke in dem Geschäft nicht kalt genug eingestellt war.

          Als Ursache für eine mögliche Bakterienvergiftung kommen Becht zufolge mehrere Dinge in Frage. Dazu zähle eine mögliche Beschädigung der Verpackung wie auch eine Unterbrechung der Kühlkette auf dem Weg vom Hersteller in den Haushalt. Die Torte muss laut Hersteller bei minus 18 Grad aufbewahrt werden.

          Tiefkühlkette muss lückenlos funktionieren

          „Wir können natürlich nicht ausschließen, dass auf irgendeinem Weg vom Handel zum Verbraucher beim Verbraucher die Tiefkühlkette unterbrochen wird“, sagte der Sprecher von Coppenrath & Wiese, Peter Engel, der dpa/Rufa. In dem Moment seien bakterielle Verunreinigung möglich.

          Die Temperatur von minus 18 Grad verhindert nach Angaben des Lebensmittelchemikers Becht das Wachstum von Bakterien. „Das heißt nicht, dass Bakterien beim Einfrieren unter null Grad sterben.“ Je höher die Temperatur, desto größer sei aber das Wachstum von Bakterien. Bereits in einem Tiefkühl-Produkt vorhandene Keime könnten sich daher beim Auftauen „explosionsartig“ vermehren.

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