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„Royal Baby“ : Erster Tag, erstes Bild und erste Fahrt nach Hause

Mehr Prinz als auf diesem Foto gab’s dann doch nicht zu sehen Bild: REUTERS

Am Tag nach der Geburt des neuen Thronfolgers präsentierten die Eltern stolz den kleinen Prinzen. Nach dem kurzen Auftritt fuhren die drei in Richtung Kensington Palast davon. William saß am Steuer.

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          Das Warten ist vorbei. Es lebe das Warten! Am Tag nach der Geburt von „Baby Cambridge“ fieberte die Presse stundenlang dem nächsten Höhepunkt entgegen: dem ersten Foto des Thronfolgers. Am Abend wurden sie dann endlich erlöst. Erschöpft und glücklich trat das Paar aus dem „St. Mary´s Hospital“ und präsentierte seinen Jungen. Prinz William sprach von einem „speziellen Moment“ und versprach eine rasche Namensfindung. Wenig später lud er die Familie in einen schwarzen Geländewagen, startete ihn eigenhändig und fuhr winkend davon.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Bis zu diesem Augenblick war die Neugier der professionellen Prinzenjäger fast so hoch wie am Vortag gewesen. Sie hätten schließlich auch länger in den Wehen gelegen als die Mutter, spottete der königshauskritische „Guardian“, der freilich selber einen Liveticker eingerichtet hatte. Die medial vermittelte Erregung spielte sich nicht im luftleeren Raum ab, aber sie korrespondierte auch nicht eins zu eins mit der Stimmung auf den Straßen. Es waren eher Hunderte als Tausende, die sich in der Nacht und am nächsten Morgen vor dem Buckingham Palace eingefunden hatten. Und viele von ihnen waren neugierige Touristen, die auf die Glückwunsch-Sondervorstellung beim „Changing of the Guards“ warteten oder auf die angekündigten Salutschüsse.

          Die britische Presse lud ihre ausladende Berichterstattung - die acht großen Tageszeitungen füllten mehr als siebzig Seiten - mit einer Dosis Patriotismus und einer Prise Originalität auf. Die Boulevardzeitung „The Sun“ (Die Sonne) tauschte den mittleren Buchstaben in ihrem Titelkopf aus und erschien am Dienstag als „The Son“ (Der Sohn). Die „Daily Mail“ zeigte einen tänzelnden Großvater auf der Titelseite und schrieb neben den Kronprinzen Charles: „Oh boy! One’s a grandpa“ (Oje! Jetzt ist man Opa). Weitgehend staatstragend verlängerte hingegen die BBC ihre Live-Berichterstattung in den zweiten Tag. Immer neue Glückwunschschreiben wurden verlesen, von Mitgliedern der Königsfamilie, von Staatsoberhäuptern und anderen Berühmtheiten, die sich alle ehrlich freuten und nebenbei noch ein bisschen Glanz von der Geburt des Jahres abbekommen wollten.

          Es gab nicht viele, die auf den allgemeinen Jubel einen Schatten warfen. Und es war in Wahrheit auch kein Schatten, eher ein wohltuender Moment der Ernüchterung, als der Kolumnist Matthew Engel in der „Financial Times“ festhielt, dass die Geburt des Thronfolgers „in einigen Kreisen“ auch einen „vorsichtigen Anflug von Niedergeschlagenheit“ hervorgerufen habe. Damit waren nicht nur die traurigen Rechtsexperten gemeint, die Jahre damit zugebracht hatten, die Thronfolgeregelung für Mädchen zu öffnen, nur um es jetzt mit einem Jungen zu tun zu haben. Engel brachte die Tatsache ins Bewusstsein, dass das Königreich nun für den Rest des gerade erst angebrochenen Jahrhunderts voraussichtlich von Männern regiert werden wird.

          Zum ersten Mal seit der Spätphase der Königin Victoria warten wieder drei Generationen männlicher Thronfolger auf den Einzug in den Buckingham Palace. Nur Briten im Rentenalter können sich noch daran erinnern, dass die Nationalhymne einmal mit den Worten „God save the King“ gesungen wurde. Am Ende dieses Jahrhunderts - nach Charles III, William V und dem noch namenlosen Prinzen von Cambridge - wird die heute so vertraute Zeile „God save the Queen“ vermutlich nostalgisch und fremd im Ohr klingen. Königliche Regentschaft, argumentierte Engel, habe in den mehr als sechs Jahrzehnten unter Elisabeth II. eine „natürlich feminine“ Note bekommen: „Der Job des modernen Monarchen ist es, die Nation zu pflegen, ihre Tränen zu trocknen und ihr in gewisser Weise auch den Hintern abzuwischen.“ Werden ihre männlichen Nachfolger in gleicher Weise dazu in der Lage sein? Werden sie das moderne royale Herrschen umdefinieren? Und wenn, in welche Richtung?

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