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„Royal Ascot“ Pferderennen : No Pomp and Circumstance

  • -Aktualisiert am

Upper und under class: An normalen Renntagen kann man sich in Ascot Plätze erkaufen. Wenn die Königin kommt, ist das nicht möglich Bild: Maximilian Weingartner

Beim „Royal Ascot“ , dem berühmtesten Pferderennen der Welt, trifft sich vor allem die britische Oberschicht. An gewöhnlichen Renntagen geht es jedoch weniger königlich zu.

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          Eine Miniatur der Oper von Sydney, Müslischalen, riesige Eiscremewaffeln, oder eine das Gesicht verdeckende Satellitenschüssel auf dem Kopf. So etwas hatte die englische Königin Anne sicherlich nicht im Sinn, als sie 1711 das inzwischen berühmteste Pferderennen der Welt ins Leben rief: Royal Ascot. Von Besuchern in Nilpferdkostüm oder einer Schwangeren im Superwoman-Dress, hätte Königin Anne aber nicht einmal zu träumen gewagt.

          Es ist Samstag, kurz nach halb 12 Uhr, die Wiese zwischen Rennbahn und Tribüne des Ascot Racecourse füllt sich langsam. Das Nilpferd und Superwoman sind Peter und Hettie, die im siebten Monat schwanger ist. Die beiden feiern an diesem Tag ihre Hochzeit. Angemessen angezogen sind sie nicht nur aus diesem feierlichen Anlass eher nicht. Das Motto an diesem Rennwochenende ist „Frankie says race, rattle ,N’ Roll at Ascot“, also die fünfziger Jahre. Schon freitags wurde der „Grandstand“ als American Diner gestaltet. Dazu verteilten Roller Girls Buddy-Holly-Brillen und Eisbecher. Eine Band spielte Swing Music.

          Ein Treffpunkt der Reichen und Schönen

          Am Samstag findet nun der „Betfred Victoria Cup“ statt. Das Wochenende im Mai ist das letzte Rennen vor den berühmten königlichen Renntagen im Juni „Royal Ascot“ - ein standesgemäßer Vorbote ist es nicht. Im Laufe der vergangenen 300 Jahre hat sich - außer für den Hochadel vielleicht - an der gesellschaftlichen Bedeutung von Royal Ascot nur wenig geändert. Bis heute ist Royal Ascot ein Treffpunkt der Reichen und Schönen und derer, die es gerne wären. An normalen Rennwochenenden geht es wenig königlich zu. Auch an diesem Samstag. Unterhalb der Tribüne picknickt das mit dem Bummelzug aus Londons Vorstädten gekommene, meist schon angetrunkene kostümierte Volk, oben stößt der Teil von ihnen, der die 28 Pfund für eine „Premier Admission“-Karte hat, mit Sekt an.

          Hettie und Peter haben mehr als ein Dutzend Freunde mitgebracht, deswegen seien Premiumtickets nicht drin gewesen, sagen sie. Das frisch vermählte Paar hat für die Hochzeitsgäste feines Dosenbier besorgt, billigen Sekt und Sandwiches. Sie seien schon oft in Ascot gewesen. „Es ist ein netter Tagesausflug. Man liegt in der Sonne, betrinkt sich ein wenig und wettet ein bisschen“, sagt der 31 Jahre alte Peter, ein Versicherungsvertreter. „Und tanzen kann man auch.“

          Neben der Hochzeitsgesellschaft haben sich vor allem junge Leute niedergelassen. „Die Motto-Wochenenden sollen etwas Farbe nach Ascot und die Musik die Leute zum Tanzen zwischen den Rennen bringen“, sagt Karen Smith, Marketingleiterin von Ascot. Für die neuen Gäste wurden die Kleiderregeln über die Jahre hinweg gelockert - oder anders, eine Missachtung wurde nicht weiter verfolgt. Vor ein paar Jahren wären Peter und Hettie noch hochkant rausgeschmissen worden.

          Vage Vorschriften: „Respektable Kleidung“ und Hut

          Aber an normalen Renntagen gilt die strikte Kleiderordnung, die um 1807 eingeführt wurde, nicht, lässt sie doch den Herren nicht viel Spielraum; sie verpflichtet zu Stresemann und Zylinder. Bei den Damen sind die Vorschriften vager: „Respektable Kleidung“ und Hut - das eröffnet Interpretationsspielraum. Ascot, so erklären dessen Organisatoren immer wieder gern, sei eine formelle Angelegenheit, keine, bei der man sich kleide „wie in einem Nachtclub“. Miniröcke, schulter- oder rückenfreie Kleider und Kleider mit Spaghettiträgern gelten selbst an gewöhnlichen Wochenenden als untragbar.

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