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Rote Armee Fraktion : RAF-Terroristin Ulrike Meinhof litt unter Hirnschädigung

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Ulrike Meinhof Bild: AP

Eine Hirnschädigung die zu „erhöhter unkontrollierter Aggressivität“ geführt habe, hat ein Wissenschaftler der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof bescheinigt.

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          Die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof war in ihren letzten Lebensjahren „erheblich durch krankhafte Hirnveränderungen mit beeinflusst“. Das sagte am Dienstag in Magdeburg Professor Bernhard Bogerts, Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin. Er hatte 1997 begonnen, das Gehirn Meinhofs zu untersuchen, die sich 1976 im Gefängnis Stuttgart-Stammheim erhängt hatte. Auch die Gehirne weiterer RAF-Terroristen sollen jahrelang in Tübingen aufbewahrt worden sein.

          Der Rechtsmediziner und emeritierte Hirnforscher Jürgen Peiffer sagte laut Südwestrundfunk, es handle sich um die Gehirne von Jan-Carl Raspe, Gudrun Ensslin und Andreas Baader, die 1977 in Stammheim Selbstmord begingen. Bei besonderem wissenschaftlichem Interesse dürften Körperteile auch über die gesetzliche Frist von zwei Jahren hinaus für Forschungszwecke aufbewahrt werden, sagte Peiffer dem Bericht zufolge. Der weitere Verbleib der Gehirne ist laut SWR unklar. Peiffer hatte seinerzeit das Gehirn von Meinhof untersucht. „Das Abgleiten in den Terror ist durch die Hirnerkrankung mit zu erklären“, sagte Bogerts.

          Untersuchung auf Verlangen der Staatsanwälte

          Nach derzeitigem Kenntnisstand stehe zweifellos fest, dass eine derartige Schädigung der Hirnsubstanz zu erheblichen psychischen Störungen und zu erhöhter pathologischer Aggressivität führe. Das späte Verhalten Meinhofs in der Terroristenszene müsse allerdings auch mit dem damaligen politischen Zeitgeschehen und der eigenen Biografie in Zusammenhang gebracht werden.

          Bogerts bestätigte, dass er das Hirn 1997 von Peiffer erhalten hatte. Dieser war 1976 von der Staatsanwaltschaft Stuttgart mit der Untersuchung beauftragt worden. Danach habe das Gehirn 20 Jahre lang in der Tübinger Rechtsmedizin gelegen, sagte Bogerts. Peiffer habe bereits 1976 in dem Organ Veränderungen als Folge einer 1962 vorgenommenen Tumor-Operation und eine „Kausalität zwischen der Hirnveränderung und den realitätsverlustigen Terrorhandlungen“ festgestellt. Bogerts sei wie Peiffer zu dem Ergebnis gekommen, dass die Operation über Jahre hinweg zu einer Persönlichkeitsveränderung geführt habe und die strafrechtliche Verantwortlichkeit beim Prozess hätte hinterfragt werden müssen.

          Anzeige wegen Störung der Totenruhe

          Unklar blieb die rechtliche Legitimation für die Aufbewahrung des Gehirns über 26 Jahre. Bogerts berief sich auf die Schreiben von Peiffer, der Obduktionsgesetze und dabei insbesondere den Umgang mit Personen der Zeitgeschichte angeführt habe. Die beiden Töchter Ulrike Meinhofs „haben ein Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit“ und zur „Aufklärung und Erklärbarkeit der Handlungen ihrer Mutter in deren letzten Jahren“, erklärte Bogerts. Tochter Regine Röhl, die Fachkollegin sei, habe sogar Interesse an einer gemeinsamen Fachpublikation zu dem Thema signalisiert. Ein Termin für die Bestattung des Hirns stehe noch nicht fest, er werde „auf Wunsch der Töchter“ festgelegt werden.

          In einem Beitrag für die „Magdeburger Volksstimme“ hatte die Journalistin und Meinhof-Tochter Bettina Röhl Entrüstung darüber geäußert, dass das Gehirn ihrer Mutter nicht - wie von den Angehörigen angenommen - mit dem Leichnam in einem Grab in Berlin bestattet worden war. Dem Blatt zufolge war der Befund von 1976 mit dem Hinweis auf verminderte Schuldfähigkeit oder Unzurechnungsfähigkeit schon damals den Anwälten Meinhofs bekannt, von diesen aber offenbar aus politischen Motiven nicht verwendet worden. Regine Röhl erstattete inzwischen Anzeige wegen Störung der Totenruhe.

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