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Rose Byrne : „Ich gehöre zur Jane-Austen-Fraktion“

  • Aktualisiert am

Rose Byrne in „The Place Beyond the Pines“ Bild: AP

Zuletzt hinterließ sie bleibenden Eindruck in „Brautalarm“: Schauspielerin Rose Byrne über Paartherapie, Lust und die irre Idee der Ehe.

          4 Min.

          Als Rose Byrne 21 war, im Jahr 2000, wurde sie bei den Filmfestspielen in Venedig für ihre Rolle in „The Goddess of 1967“ als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Das lag nicht zuletzt an einer Szene, in der sie sich die Seele aus dem Leib tanzt, was so ansteckend lebenslustig wirkt, dass man sich als Zuschauer sofort wesentlich besser fühlt. Seitdem hat Byrne 31 weitere Filme gedreht, darunter „Troja“, „Marie Antoinette“, „Sunshine“, „Knowing“, „X-Men: Erste Entscheidung“, sie hat mit Regisseuren wie Wolfgang Petersen, Sofia Coppola oder Danny Boyle gearbeitet; für den Golden Globe war sie zweimal nominiert, für die Fernsehserie „Damages - Im Netz der Macht“ mit Glenn Close und hinterließ zuletzt in „Brautalarm“ einen bleibenden Eindruck. Seit Donnerstag ist sie in der Hauptrolle der wunderbar politisch unkorrekten romantischen Komödie „Das hält kein Jahr . . .!“ zu sehen, in der sie sich nach einer Spontanhochzeit in den eigentlichen Mann ihrer Träume verliebt. Nach diesem Film und einem Interview im Londoner „St. Pancras Renaissance Hotel“ ist klar: Rose Byrne sollte ab sofort zusätzlich zu ihren eigenen sämtliche Keira-Knightley-Rollen übernehmen. Denn wenn sie auf der Leinwand erscheint, macht das Kino die Welt wieder ein bisschen besser.

          Sie sind nicht nur sehr schön, wenn ich das einmal sagen darf, sondern auch umwerfend komisch. Wie haben Sie Ihre witzige Seite entdeckt?

          Ich wollte schon immer Komödien machen. Aber zunächst hat man mir immer all diese dramatischen Sachen angeboten. Ich habe meinen Agenten ständig angefleht: Such mir etwas Komisches, bitte. Nach und nach wurde ich dann zu Castings eingeladen. Ich stamme aus einer Familie, in der viel gelacht wird. Wir sind immerhin Australier. Und unsere Art von Humor ist ein Teil unserer Kultur. Ehrlich gesagt lache ich ja über beinahe alles. Ich bin ein wirklich dankbares Publikum. Leicht zu erheitern, verstehen Sie? Das heißt natürlich noch lange nicht, dass ich ein gutes komödiantisches Timing vor der Kamera habe. Die meisten Komiker sind ja jenseits der Kamera sogar sehr ernsthafte Menschen.

          Komiker sollen ja sogar häufig richtig mies und gemein sein.

          Richtig! Viele große Komödianten waren berühmt für ihre Miesepetrigkeit. Insofern bin ich wahrscheinlich komplett ungeeignet für dieses Genre. Aber ich finde tatsächlich, Komödie ist die Königsdisziplin. Es ist enorm schwierig, etwas vor der Kamera leicht und witzig aussehen zu lassen. Es ist mindestens so anstrengend wie Drama, und die Erwartungen des Publikums sind sogar höher. In Komödien hängt Leben oder Tod von einem Lacher ab. In Dramen sollen die Zuschauer sich sowieso ein bisschen elend fühlen.

          Dass Sie leicht zu erheitern sind, finden Männer doch bestimmt zusätzlich attraktiv. Oder haben Sie andere Erfahrungen gemacht?

          Klar, Männer mögen es, wenn man über ihre Witze lacht. Und seien sie noch so dämlich. Das scheint für sie eine Art Aphrodisiakum zu sein. Aber das wissen Sie besser als ich (lacht). Mal ganz abgesehen davon ist es auch ein guter Test, wenn man jemanden kennenlernt. Man sollte schon zusammen lachen können, sonst hat diese Bekanntschaft keine Zukunft. Das führt nur in eine Sackgasse.

          Rose Byrne: „Komödie ist die Königsdisziplin.“

          Wie sieht Ihre Checkliste aus, wenn Sie einen Mann treffen?

          Sehr wichtig, wie gesagt: Wir müssen gemeinsam lachen können. Und das schließt ein, dass man die Welt aus derselben Perspektive sieht. Man macht ja eine Menge im Leben durch. Und ich will einen Mann, mit dem ich das gemeinsam mit Humor durchstehen kann. Ansonsten habe ich keine Checkliste im Sinne von: Er sollte einen guten Job haben, groß und blond sein. Er müsste auch nicht bestimmte Dinge für mich aufgeben. So unflexibel war ich nie. Niemand ist perfekt. Wenn man das erst einmal begriffen hat, wird die Liebe wesentlich einfacher. Es ist ja toll, wie viele Menschen sich heutzutage beim Online-Dating kennenlernen. Für mich wäre das nichts. Denn das ist ja eine einzige Checkliste, die man da abarbeitet. Für mich fühlt es sich an, als ob man online eine neue Wohnung sucht.

          Im Film gehen Sie als Paar zur Ehetherapie. Was halten Sie von so was?

          Als Vorbereitung auf die Dreharbeiten bin ich ja mit meinem Filmpartner in unseren Rollen tatsächlich zur Therapie gegangen (lacht). Es war faszinierend, weil ich so etwas noch nie erlebt hatte. Die Therapeutin stellte Fragen und hörte sich unsere Geschichten an, denn sie wusste nicht, dass wir Schauspieler sind. Und wissen Sie was? Sie hat die Seite meines Film-Mannes ergriffen! Sie sagte, ich hätte ein Problem und brauchte dringend Hilfe (lacht).

          Was genau hat Sie denn gesagt?

          Sie kam aus Osteuropa. Und sie sagte, ich hätte sehr tief sitzende Probleme, die ich verdränge. Sie stellte sofort eine Verbindung zu meinem Vater her, der bei diesen Problemen angeblich eine Rolle spielte. Kurz: Es war alles meine Schuld, weil ich zu hart mit Männern umginge und zu hohe Ansprüche stellte. Ich fand das sehr informativ.

          Ein wichtiger Aspekt romantischer Komödien ist die Liebe auf den ersten Blick. Ist das ein Filmmythos, oder haben Sie das selbst schon erlebt?

          Liebe auf den ersten Blick? Ich glaube eher an Faszination oder, besser gesagt, Lust auf den ersten Blick. Dann verlierst du dich komplett in diesem Augenblick, in der Gegenwart dieses Menschen. So kenne ich es jedenfalls. Der Mythos ist ja Jahrhunderte, Jahrtausende alt und Teil aller schönen Künste. Und das finde ich faszinierend. Dem Phänomen selbst stehe ich eher skeptisch gegenüber. Sagen wir es mal so: Ich gehöre wahrscheinlich eher zur Jane-Austen-Fraktion. Auf Lust auf den ersten Blick folgt selten eine glückliche Beziehung. Ich bin sehr praktisch veranlagt.

          Aber Lust auf den ersten Blick ist doch auch eine gute Sache, wenn man den Augenblick genießen kann.

          Natürlich. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe überhaupt nichts gegen Lust auf den ersten Blick (lacht). Und ich habe eine Freundin, die ihren Mann geheiratet hat, als sie noch gemeinsam auf Wolken schwebten. Die beiden sind immer noch zusammen. Und ich habe sie gerade kürzlich gefragt: Woher wusstest du, dass er der Richtige ist? Sie meinte: Ich hatte keine Ahnung. Aber ich dachte, es ist besser zu heiraten, solange ich noch richtig verknallt bin.

          Das wäre nicht Ihre Strategie?

          Ich respektiere diese Idee. Es ist zwar verrückt, aber Ehe ist doch sowieso eine irre Idee, oder? Wer hat sich das bitteschön ausgedacht? Völlig verrückt. Die Idee ist nett. Aber die praktische Umsetzung? Man kann sich nur mit den besten Vorsätzen in die Geschichte stürzen. Aber es gibt keine Garantien, auch wenn wir uns das gerne einreden.

          Sind Sie deswegen nicht verheiratet?

          Eine gewisse Skepsis ist vorhanden, das will ich gar nicht abstreiten. Aber meine Eltern sind jetzt seit mehr als 35 Jahren verheiratet und haben vier gemeinsame Kinder in die Welt gesetzt. Das bewundere ich sehr. Ehe ist eine schöne Sache, wenn man sich aus den richtigen Gründen von Herzen dazu entschließt. Es ist andererseits aber auch beängstigend. Es kommt gerade wieder in Mode zu heiraten, oder? Wahrscheinlich liegt es daran, dass man es nicht mehr muss. Der Druck ist nicht mehr da. Deswegen ist es wohl eine schöne Geste, es freiwillig zu tun. Wenn ich es als eine Art Fest im Namen der Liebe sehe, gefällt mir die Idee.

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