https://www.faz.net/-gum-8yghs

Rock-Festival : Endlich wieder Ring – und dann der Terror!

Gute Stimmung vor der Unterbrechung. Bild: dpa

Nach zwei Jahren im Exil findet Deutschlands größtes Musik-Festival wieder am namengebenden Nürburgring statt. Viele Fans sind erleichtert – aber am Abend muss das Open Air dann wegen Terrorgefahr abgebrochen werden.

          4 Min.

          Viel los ist an diesem Freitagmorgen nicht gerade. Normales Vormittagsgeschäft. Keine langen Schlangen vor den beiden Kassen, kein Gedrängel am Gefrierregal. Andrea Thönnes kann ganz in Ruhe neue Tiefkühlware einsortieren. Das war vor einem Jahr noch ganz anders, da wurde der Lidl-Markt in Mendig förmlich überrannt. Mehr als 100.000 Rockfans strömten damals in die Kleinstadt in der Eifel, es herrschte drei Tage lang Ausnahmezustand. Vor allem in dem Discounter am Stadtrand. „Das war Chaos pur“, erinnert sich Thönnes und grinst. „Die sind hier mit Schubkarren und Bollerwagen in den Markt gekommen und haben alles leergekauft – das war wirklich irre.“ Es sei für sie und die Kollegen ein enormer Stress gewesen, sagt die Sechsundvierzigjährige. „Aber es war ein lustiges Völkchen, und wir haben viel gelacht. Schon schade, dass es damit vorbei ist.“

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zwei Jahre hintereinander war in Mendig das größte deutschen Open-Air-Festival zu Gast, doch in diesem Jahr ist es in der 9000-Einwohner-Gemeinde wieder still. Sehr still. Die Musik spielt wieder am 35 Kilometer entfernten Ring, dort, wo der große Rock-Zirkus vor mehr als 30 Jahren von Veranstalter Marek Lieberberg zum ersten Mal aufgeführt und als „Rock am Ring“ im Lauf der Jahre zum populärsten und wichtigsten Konzert-Event in Deutschland wurde. So wie früher an jedem ersten Juni-Wochenende zieht die endlose Karawane der Fans nun wieder zum Nürburgring, der namengebenden Rennstrecke.

          Die Geschichte vom Auszug des Traditionsfestivals vom Nürburgring, seines Exils auf dem früheren Heeresflugplatz in Mendig und schließlich seiner Rückkehr an den Originalschauplatz ist eine Geschichte voller Irrungen und Wirrungen, eine Geschichte voller Wendungen und Überraschungen. Und es ist eine Geschichte, an deren Anfang es vor allem um Geld ging – wie bei so vielen großen Geschichten. In diesem Fall ging es um das Geld, das sich mit einem Open-Air-Festival wie „Rock am Ring“ verdienen lässt. Das ist nämlich inzwischen eine Menge, und davon wollten die damals neuen Besitzer des Nürburgrings, dessen Schicksal genug Stoff für viele weitere abenteuerliche Geschichten bietet, im Sommer 2014 plötzlich einen größeren Anteil haben. Doch Marek Lieberberg und sein Sohn Andre, die mit ihrem Großevent auf der legendären, aber unrentablen Rennstrecke und dem Parallel-Festival „Rock im Park“ in Nürnberg Jahr für Jahr die großen Stars der Rock- und Pop-Szene und zusammen rund 150.000 Zuschauer anlockten, sperrten sich und bekamen postwendend die Kündigung. Um mit dem Berliner Veranstalter Peter Schwenkow und seiner börsennotierten Deutschen Entertainment AG (Deag) ein eigenes Festival auf die Beine zu stellen und Lieberberg die Namensrechte abzunehmen, zogen die Ring-Eigentümer schließlich sogar vor Gericht – und kassierten eine krachende Niederlage.

          Umjubelter Neubeginn

          Lieberberg präsentierte derweil nicht nur ein attraktives Programm für 2015, sondern auch einen neuen Veranstaltungsort mit einem Pachtvertrag über fünf Jahre: den Flugplatz in Mendig. Und er feierte dort mit einem schon Monate im Voraus ausverkauften „Rock am Ring“ einen von 100.000 Fans umjubelten Neubeginn, während die Ring-Besitzer und Schwenkow sich im Streit trennten und mit dem Versuch, ein eigenes Festival namens „Grüne Hölle“ auszurichten, kläglich scheiterten.

          Weitere Themen

          Fauci stellt seine Impfstoff-Kritik an Briten klar

          Corona-Liveblog : Fauci stellt seine Impfstoff-Kritik an Briten klar

          Zwei Drittel der Deutschen gegen Lockerungen an Silvester +++ Schweden schließt alle Gymnasien +++ Nächtliche Ausgangssperren für Hotspots in Baden-Württemberg +++ Italien macht Inlandsgrenzen über Weihnachten dicht +++ Alle Entwicklungen im Liveblog

          Junge Senegalesen hoffen auf bessere Zukunft Video-Seite öffnen

          Flucht auf Kanarischen Inseln : Junge Senegalesen hoffen auf bessere Zukunft

          Viele junge Senegalesen versuchen, mit dem Boot auf die nahen Kanarischen Inseln überzusetzen. Für eine Zukunft in Europa riskieren sie ihr Leben. Jetzt versucht die senegalische Regierung, mit Umschulungsprogrammen junge Menschen im Land zu halten.

          Aufbruch zum K2

          Winter-Erstbesteigung : Aufbruch zum K2

          Vier Expeditionen wollen den zweithöchsten Berg der Welt erstmals im Winter besteigen. Ein ehemaliger Elitesoldat sagt: „Wir glauben, dass derzeit kein Team besser aufgestellt ist, diese letzte große Herausforderung im Bergsteigen zu meistern.“

          Topmeldungen

          Hinter Glas: Ministerpräsident Reiner Haseloff am Dienstag im Landtag

          Krach wegen Rundfunkbeitrag : Die CDU sitzt in der Klemme

          Der Magdeburger Streit über den Rundfunkbeitrag wächst sich zu einem politischen Beben aus, das nicht nur das Kenia-Bündnis in Sachsen-Anhalt zerstören könnte. Auch der Koalitionsfrieden in Berlin ist in Gefahr.

          EU-Aufbaufonds : Ungarn und Polen drohen leer auszugehen

          Die EU-Kommission bereitet nach F.A.Z.-Informationen in Absprache mit den anderen Ländern vor, den Aufbaufonds ohne Polen und Ungarn in Kraft zu setzen. Sie hat mehrere Möglichkeiten.
          Stefan Löfven, Ministerpräsident von Schweden, auf einer Pressekonferenz in Stockholm am 31. März

          Schwarze-Peter-Spiel : Wer ist schuld an den vielen toten Schweden?

          Die zweite Corona-Welle trifft Schweden mit voller Wucht. Auf der Suche nach den Verantwortlichen geraten die Regionen ebenso in den Fokus wie die Gesundheitsbehörde und die Regierung in Stockholm.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.