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Rhein-Seilbahn in Koblenz : Hoffen auf Phnom Penh

Seil oder nicht Seil? Kaiser Wilhelm I. - Kurt Tucholsky nannte das Deutsche Eck mit dem Reiterstandbild einen „Faustschlag aus Stein“ - schaut in die Koblenzer Zukunft Bild: dpa

Der Rhein-Seilbahn in Koblenz droht ein Kulturschock - und eine Stadt versteht plötzlich die Welt nicht mehr.

          Sie haben gehofft, gekämpft und gebangt - aber jetzt scheint es, als sei in Koblenz doch alle Anstrengung umsonst gewesen: Die spektakuläre Seilbahn über den Rhein, die zur Bundesgartenschau 2011 installiert wurde und seither einer ganzen Region ans Herz gewachsen ist, soll nun doch schon Anfang 2014 abgebaut werden. So wollen es die nationalen und internationalen Denkmalschützer. Ein Weiterbetrieb über 2013 hinaus, den man in Koblenz fast schon sicher geglaubt hatte, sei nicht mit dem Welterbe-Status des Mittelrheintals vereinbar, heißt es in einer Beschlussempfehlung des Internationalen Rates für Denkmalpflege (Icomos), über die das Welterbekomitee der Unesco in dieser Woche in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh entscheiden wird.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Vor allem die Talstation der Bahn, die nahe der historischen St. Kastor-Basilika am Rhein liegt, ist den Denkmalschützern ein Dorn im Auge, weil sie die Blickachse zur Basilika zerstöre. Auch die Seilbahn selbst und die Bergstation verschandeln das Gesamtbild nach Meinung von Icomos so, dass die Unesco dem Oberen Mittelrheintal den prestigeträchtigen Welterbe-Status aberkennen soll, sollte die Bahn in Betrieb bleiben.

          Eine Stadt versteht die Welt nicht mehr

          Die Koblenzer verstehen die Welt nicht mehr - erst recht nicht Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig, der von der Vorlage „völlig überrascht“ wurde und sich von Icomos und Unesco hintergangen fühlt. Obwohl er seit Monaten den Dialog gesucht habe, sei er nicht über die Empfehlung informiert worden, klagt Hofmann-Göttig im Gespräch mit dieser Zeitung. „Ich habe die Vorlage im Internet gefunden. Das hat mich furchtbar geärgert.“ Zumal man den Icomos-Gutachter „hoch und runterbetreut“ habe, wie Hofmann-Göttig sagt.

          Gemeinsam für die Seilbahn: Mehr als 3500 Koblenzer protestierten Ende vergangener Woche für ihren Erhalt

          Überhaupt empfinden viele in Koblenz das Verhalten von Icomos und Unesco als Affront. Akribisch hatte Hofmann-Göttig in den vergangenen Monaten mit der Betreibergesellschaft Doppelmayr und den Denkmalschützern verhandelt, um nach Möglichkeiten für einen Weiterbetrieb der Bahn über 2013 hinaus zu suchen. Heraus kam ein zweistufiger Plan: In einer ersten Stufe sollte die Betriebsgenehmigung bis 2015 verlängert werden. Diese Zeit wollten die Koblenzer nutzen, die Bedenken der Denkmalschützer zu zerstreuen, um den Betrieb der Bahn danach in einem zweiten Schritt vielleicht für weitere zehn Jahre zu verlängern. Auch eine abgespeckte Form der Bahn mit weniger wuchtigen Stationen und kleineren Gondeln wurde dabei erwogen.

          Kein Wort vom Kompromissangebot

          Ein faires Kompromissangebot, so dachten die Koblenzer - und waren entsprechend guter Dinge, dass die Unesco, die schon während der Bundesgartenschau ein Auge zugedrückt und den Betrieb ausnahmsweise bis Ende 2013 genehmigt hatte, sich ein weiteres Mal würde überzeugen lassen. Vor allem der touristische Mehrwert der Bahn für die ganze Region wird von den Seilbahn-Befürwortern immer wieder ins Feld geführt. So überstieg die Zahl der Fahrgäste bei weitem die Erwartungen. Auch die Zahl der Besucher auf der Festung Ehrenbreitstein sei durch die Bahn um mehr als 100.000 gestiegen, wie Hofmann-Göttig vorrechnet. Selbst viele, die früher scharfe Kritiker waren, sind mittlerweile überzeugt, dass Seilbahn und Welterbe sich nicht widersprechen, sondern einander im Gegenteil auf das Beste ergänzen.

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