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Rhein-Seilbahn in Koblenz : Am stählernen Faden

Star am Rhein: die Seilbahn in Koblenz Bild: Michael Kretzer

Koblenz hat sich endgültig in seine Seilbahn verliebt, die nicht nur wegen ihrer spektakulären Strecke über den Rhein einzigartig ist. Nun ringt die Stadt darum, dass sie bleibt.

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          Sie war der Star der Bundesgartenschau in Koblenz und der Stolz einer ganzen Region: die Seilbahn, die vom Deutschen Eck über den Rhein zur Festung Ehrenbreitstein führt und eigens für die Schau errichtet wurde. Nach heftigen Widerständen von Denkmalschützern und Bürgerverbänden, die um den Status des Mittelrheintals als Welterbe bangten und ein Millionengrab befürchteten, übertraf sie während der Schau mit mehr als drei Millionen Fahrgästen alle Erwartungen.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Eine Attraktion war geboren, die sogar die Skeptiker überzeugte. Denn die Stadt hatte einen cleveren Handel abgeschlossen: Um den Welterbe-Status nicht zu gefährden, sollte die Bahn nicht dauerhaft über den Rhein führen, sondern nur bis Ende Oktober 2013. Auch würde sie nicht von der Stadt betrieben, deren Haushalt notorisch klamm ist, sondern vom österreichischen Unternehmen Doppelmayr, das die Bahn auf- und abbauen und auch die Betriebskosten übernehmen würde. Ein Seilbahn-Leasing ohne Risiko, wenn man so will, und ein Coup, für den man sich in der Stadtverwaltung auf die Schenkel schlug.

          Mittlerweile ist die Bundesgartenschau (Buga) längst Geschichte. Doch die Bahn, finden viele Koblenzer, soll bleiben. Nicht nur die Bürgerinitiative „Pro Seilbahn“ meint, sie sei ein touristisches Kleinod, das um jeden Preis bewahrt werden müsse. Allein die Festung Ehrenbreitstein rechnet in diesem Jahr dank der Bahn mit vier bis fünf Mal so vielen Besuchern wie früher.

          Die Rhein-Seilbahn in Koblenz hat sich zu einem Touristenmagneten entwickelt Bilderstrecke
          Die Rhein-Seilbahn in Koblenz hat sich zu einem Touristenmagneten entwickelt :

          In der Stadtverwaltung sieht man die Dinge naturgemäß nüchterner. Zwar gibt es auch dort viele Seilbahn-Fans, doch mindestens ebenso viele Bedenken. Doppelmayr die Bahn einfach abzukaufen und selbst weiter zu betreiben? Wohl viel zu teuer für eine Stadt, die trotz schöner Buga-Einnahmen noch immer hoch verschuldet ist. Ein Weiterbetrieb des „Leasing“-Modells? Unsicher, weil bis zuletzt im Dunkeln lag, ob die Seilbahn abseits der Bundesgartenschau überhaupt rentabel zu betreiben ist. Die Besucherzahlen erhebt ausschließlich Doppelmayr. Selbst dem Koblenzer Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig liegen nur Schätzungen „für den Privatgebrauch“ vor.

          Weiterbetrieb bis 2015 - oder sogar noch länger?

          Trotzdem begann die Stadt im Frühjahr, mit dem Unternehmen über eine Verlängerung des Betriebs bis 2015 zu verhandeln – offenbar mit Erfolg: In einer Stadtratssitzung, in der vorsorglich die Änderung des Flächennutzungs- und Bebauungsplans für einen möglichen Dauerbetrieb der Seilbahn beschlossen wurde, sagte Hofmann-Göttig in der vorletzten Woche, das Unternehmen sei an einem weiteren Betrieb der Bahn interessiert. Unter dem Beifall der Verordneten erklärte er weiter, er sehe gute Chancen, dass die Stadt sich mit Doppelmayr bald über den Wunsch nach einer Verlängerung einigen könne.

          Ein Hoffnungsschimmer für alle Seilbahn-Anhänger! Schon träumt so mancher in Koblenz davon, das „Leasing-Modell“ nicht nur bis 2015, sondern möglicherweise noch viel länger weiterzuführen: keine Kosten für die Stadt, maximaler Effekt für den Tourismus – eine Win-Win-Situation ohne finanzielles Risiko. Auch Hofmann-Göttig ist von der Variante angetan: „Wenn der Betreiber weitermachen möchte, erübrigen sich alle anderen Optionen.“

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