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Reutlingen : Für die engste Straße der Welt wird es eng

  • Aktualisiert am

Nicht breiter als ein Lineal: Tanja Ulmer in ihrer Lieblingsstraße. Bild: dpa

Sie ist schon die engste Gasse der Welt, und sie wird noch enger: Ein marodes Haus wird zur Gefahr für einen der außergewöhnlichsten Orte Reutlingens.

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          Tanja Ulmer muss sich ziemlich schmal machen, wenn sie durch ihre Lieblingsstraße geht. 31 Zentimeter breit ist die Spreuerhofstraße im baden-württembergischen Reutlingen – damit steht sie als engste Gasse der Welt im Guinness-Buch der Rekorde. Längst sei der kleine Durchgang zum Tourismus-Magneten geworden, erzählt die Geschäftsführerin der Stadtmarketing-Gesellschaft. Doch damit könnte es bald vorbei sein: Dem jahrhundertealten Kleinod droht im schlimmsten Fall der Abrissbagger.

          Die Geschichte hat ihre Spuren hinterlassen. Entstanden ist die Gasse vor fast 300 Jahren nach einem großen Stadtbrand. Die Häuser wurden anschließend dicht aneinander wieder aufgebaut. Wer von einer Straße in die nächste wollte, musste oft um den ganzen Häuserblock herum. Doch an einer Stelle hatten die Menschen eine pfiffige Idee, erzählt Ulmer: Sie ließen zwischen zwei Häusern einen kleinen Durchgang - so entstand die Spreuerhofstraße. Vor allem durch das nahe gelegene Lagerhaus sei die Gasse zu einer wichtigen Verbindung geworden.

          Doch die Jahrhunderte haben ihre Spuren hinterlassen. Eines der beiden Häuser, die an die kleine Gasse grenzen, ist baufällig. Drahtgitter verhindern nun, dass Mörtelbrocken auf die Touristen herabfallen. Ein wenig habe sich das Haus sogar schon geneigt – und die engste Straße der Welt damit noch ein bisschen enger gemacht. „Da will ich nicht einfach zuschauen“, sagt die Stadtmarketing-Chefin.

          Auch heute noch nutzen die Reutlinger den Durchgang in ihrem Alltag. Eine Frau kommt heran, bepackt mit Einkaufstüten. Am Eingang der Straße dreht sie sich quer und läuft seitwärts durch die Gasse. „Das ist einfach eine nette Abkürzung. Hier sind wir als Kinder schon immer durchgegangen“, erzählt sie.

          Die Reutlinger Stadtführer haben den schmalen Durchgang schon lange auf dem Programm. „Da hieß es: Das ist vermutlich die kleinste Straße Baden-Württembergs“, erzählt Ulmer. „Und irgendwann wollte ich es dann genau wissen.“ Doch niemand konnte ihr sagen, wie breit die engsten Straßen in Baden-Württemberg oder gar in Deutschland waren.

          Nach langem Suchen fragte sie schließlich beim Guinness-Buch der Rekorde an. Die Antwort war für Reutlingen eine Sensation: Die damals offiziell engste Straße der Welt war fast doppelt so breit wie die in Reutlingen. Seit 2007 ist der Rekord von den Guinness-Rekordwächtern bestätigt. Viele Touristen kämen nun extra deswegen nach Reutlingen. „Das ist ein unglaublich sympathischer Ort“, sagt Ulmer.

          Am Donnerstagabend war der Reutlinger Finanzausschuss vor Ort, um sich das Problem selbst anzuschauen. Denkbar sei, dass die Stadt das Haus kaufe und dann selbst saniere, berichteten mehrere Lokalzeitungen am Freitag. Der jetzige Besitzer hat schon seine Bereitschaft signalisiert, an einer solchen Lösung mitzuarbeiten. „Als Reutlinger Bürger bedeutet uns die Gasse etwas“, sagte er dem „Schwäbischen Tagblatt“.

          Tanja Ulmer jedenfalls hofft, dass schnell eine Lösung gefunden wird. Sie fürchtet den Tag, an dem das Haus so marode sein könnte, dass es abgerissen werden muss. Eine Übergangslösung, wie sie sonst bei baufälligen Häusern üblich ist, hält die Stadtverwaltung jedenfalls für ausgeschlossen: Die Straße halbseitig zu sperren.

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