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Restaurierung : Das Grab lebt

Am 22. März wird sie gesegnet: Noch ist die Grabkapelle (Ädikula) in der Grabeskirche eingerüstet. Bild: Andrea Krogmann

Bei der Renovierung der Grabeskirche in Jerusalem wird ein 500 Jahre altes Geheimnis gelüftet. Die Chef-Restauratorin Antonia Moropoulou erzählt, was es mit dem „lebendigen Monument“ auf sich hat.

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          Am Grab Jesu durchzuckt ein greller weißer Lichtschein das ewige Halbdunkel der Kirche. Der griechische Bauarbeiter zieht seinen fauchenden Plasmaschneider durch den historischen Stahlträger. „Bengal Steel Company“ steht darauf, eine Erinnerung an vergangene Kolonialzeiten. Die britische Mandatsmacht hatte die Grabkapelle, die nach einem Erdbeben einsturzgefährdet war, 1947 mit einem Stahlkorsett versehen. „Wir erleben einen historischen Moment“, sagt Antonia Moropoulou, bevor der Arbeiter sein Gerät wieder ans Metall anlegt.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Die Grabkapelle ist vom Stahl befreit, den die Briten damals kurzerhand in die heiligen Marmorplatten geschraubt hatten, ohne Kirchenvertreter zu konsultieren. Moropoulou, die Chef-Restauratorin der Grabeskirche, eine Chemie-Ingenieurin aus Athen, weiß, dass es in Jerusalem um mehr geht als um Statik und Restaurierung. „Wir stehen vor einem lebendigen Monument“, sagt sie. „Das Grab lebt.“ Bei den Worten wackelt ihre goldene Halskette, an der ein goldenes Kreuz befestigt ist.

          Die Restauratorin hofft, dass die Pilger ihr Verhalten ändern

          Die Arbeiten an der maroden Kapelle hatten vergangenes Jahr in letzter Minute begonnen, als der heiligste Schrein der Christenheit schon über dem Jesusgrab zusammenzustürzen drohte. Jetzt nähern sie sich dem Ende. Moropoulous Mannschaft hat Titanium und Kalkmörtel in das Gemäuer eingesetzt und es erdbebensicher gemacht. Wenn die Grabkapelle am 22. März wieder gesegnet wird, dann ist sie so zu sehen wie vor Jahrhunderten: ohne Stahlträger, in hellem Stein, dessen durch Hunderttausende Pilgerkerzen rußgeschwärzte Patina entfernt wurde.

          „Ich hoffe wirklich, dass die Pilger ihr Verhalten ändern“, sagt Moropoulou. Der Ruß und die Hitze haben Fresken geschwärzt und das alte Gestein porös gemacht. Mit Pinseln und Pinzetten arbeiten die Restauratoren an jedem Stein, meist nachts, um die Pilger nicht zu stören. Aber es gibt Hoffnung: Die meisten Kerzen standen auf den Querstreben der Stahlträger, und die sind nun entfernt. Es liege nun an den drei die Grabeskirche dominierenden Konfessionen, das Gestein zu schützen, sagt Moropoulou. „Ich kann nur erklären und drängen.“

          „Die Renovierung hat auch eine symbolische Bedeutung“

          Die griechisch-orthodoxen, armenisch-orthodoxen und römisch-katholischen Besitzer der Grabeskirche trafen schon einmal eine seltene gemeinsame Entscheidung. Das war vor einem Jahr, als die israelische Polizei plötzlich Pilgern wie Priestern für einige Stunden den Zugang zur Grabkapelle verweigerte, um Menschenleben zu schützen. In geheimen Verhandlungen einigten sich die Kirchenoberen auf das mehr als drei Millionen Euro teure Projekt. Anderthalb Millionen kamen durch private Spender zusammen, mehr als eine Million gab der New Yorker „World Monuments Fund“, eine große Summe stellte auch der König von Jordanien zur Verfügung, der in Jerusalem als Hüter der heiligen muslimischen Stätten wirkt. Aber das Schwierigste war, das Allerheiligste der weltlichen Verfügung zu öffnen. „Die erfolgreiche Renovierung hat auch eine hohe symbolische Bedeutung“, sagt Francesco Patton, Kustos des Heiligen Landes der Franziskaner in Jerusalem. „Es zeigt, dass die verschiedenen Gemeinschaften hier erfolgreich Zusammenarbeiten können.“ Das Jesusgrab sei nicht nur der heiligste Schrein aller Christen, sondern auch für Angehörige anderer Religionen bedeutend.

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          Unser Autor: Sebastian Reuter

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