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Renovierung in Kassel : Bei Herkules' Fußvenen

  • -Aktualisiert am

Behutsam wird der Kopf des Herkules mit einem Kran zur Sanierung abtransportiert Bild: ddp

Der Herkules, das Wahrzeichen Kassels, ist derzeit kopflos. Für 20 Millionen Euro soll die fast 300 Jahre alte Kupferplastik aufwendig saniert werden. Fast zwei Millionen Menschen besuchen den Hünen jedes Jahr, momentan dürfen sie sogar auf das Baugerüst.

          Ausgerechnet in diesem Sommer, da sich die Documenta mit zeitgenössischer Kunst zum ersten Mal in ihrer vergleichsweise kurzen Geschichte in den historischen Bergpark auf der Kasseler Wilhelmshöhe vorwagt, ist der Herkules kopflos. Der muskulöse Hüne, der seit beinahe 290 Jahren über der phantastischen Parkanlage steht und bei klarem Wetter weit über das Kasseler Becken bis zum Harz und zum Thüringer Wald blickt, wird saniert.

          Die gigantische Kupferplastik, die 8,26 Meter misst, wurde von den Restauratoren enthauptet, um den Helden der griechischen Sagenwelt von innen zu inspizieren und zu sanieren. Aber nicht nur der Löwenbezwinger wird restauriert, sondern sein ganzes fensterloses, offenes Schloss, jener Palast der Winde, der als „Point de Vue“ in Verlängerung der barocken Achse der Wilhelmshöher Allee etwa zehn Kilometer westlich der Innenstadt rund 450 Meter über dieser aufragt. Die architektonische Inszenierung ist beeindruckend und zieht Jahr für Jahr mit mehr als zwei Millionen Besuchern das Dreifache an Gästen an wie eine Documenta.

          Versailles sollte übertrumpft werden

          Der hessische Landgraf Karl ließ den Bau der Parkanlagen im Westen der Residenzstadt und am Osthang des Habichtswaldes 1696 beginnen. Fünf Jahre später - nach einer Italien-Reise - kamen dann Handwerker und Bauern aus den hessischen Dörfern, um für den Landgrafen nach den Plänen seines italienischen Baumeisters Giovanni Francesco Guerniero den Herkules zu errichten. Zunächst wollte man am Höhenkamm des Habichtswaldes nur ein Oktogon als Ausgangspunkt von Wasserspielen, den Kaskaden, errichten, die einmal bis weit in die Stadt reichen sollten. Dem Landgrafen wird nachgesagt, er habe damit Versailles übertrumpfen wollen. Doch nur ein Teil seiner Pläne wurde Wirklichkeit.

          8,26 Meter misst der Kasseler Herkules

          Der Landgraf hatte erst während des Baues des achteckigen Schlosses die Idee, auf dem Oktogon solle der Stadt zugewandt eine Pyramide samt Statue stehen: der Herkules. Die Aufgabe war heikel. Während der Westteil des Bauwerks auf festem Grund steht, musste der Ostteil, auf dem die Pyramide noch erschwerend ruht, auf einem kluftigen Geröllhang errichtet werden. Die Baumeister verstärkten also das Schloss, mauerten einige runde Öffnungen zu, verkleinerten einige Ovale und fassten filigrane Einzelsäulen zu Blöcken zusammen, bevor am 30. November 1717 die Arbeiten mit der Montage der Figur in 600 Höhenmetern abgeschlossen werden konnten. Dennoch kam Bewegung in das Ganze, und die Mauern strebten bis zu 30 Zentimeter nach außen, während das Wasser in den weichen Tuffstein eindrang und der Wechsel aus Hitze und Frost ihn zunehmend zermürbte. Jährlich sandet noch immer ein Kubikmeter des Baumaterials ab.

          Herkules ist eine denkmalpflegerische Daueraufgabe

          So wurde der Herkules zur ingenieurtechnischen und denkmalpflegerischen Daueraufgabe. Zuletzt musste ihm in den siebziger Jahren ein Stahlbetonkorsett eingezogen werden. Doch die Verwitterung schritt weiter voran. Darum fasste die Landesregierung unter Ministerpräsident Roland Koch (CDU) den Plan, die gesamte Kasseler Museumslandschaft, die wegen ihrer Tradition mit jener von Dresden und München vielfach in einem Zug genannt wird, wieder so zu präsentieren, wie es ihrem Rang entspricht. Das Land allein will 200 Millionen Euro investieren.

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