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Streit in Italien : Rektor macht aus Adventssingen ein Winterfest

  • -Aktualisiert am

Wollen sich ihre Krippe nicht nehmen lassen: Die Lega Nord führt die Proteste in Rozzano an Bild: dpa

Der Rektor einer Schule unweit von Mailand verärgert viele Italiener. Nach den Anschlägen von Paris hat er aus „Rücksicht auf andersgläubige Schulkinder“ ein Adventssingen abgesagt. Selbst Ministerpräsident Renzi mischt sich ein.

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          Ein Pädagoge, der seit mehr als 20 Jahren die Garofani-Gesamtschule von Rozzano bei Mailand leitet, ruft in Italien politischen Aufruhr hervor und zieht nun die Konsequenzen. Zum Wochenende bot Marco Parma seinen Rücktritt an. Er hatte nach den Attentaten von Paris das Adventssingen in seiner Schule aus „Rücksicht auf andersgläubige Schulkinder“ abgesagt und war dadurch bei Christen, Muslimen und in der Politik gleichermaßen auf Kritik gestoßen.

          Selbst Ministerpräsident Matteo Renzi mischte sich ein: „Weihnachten ist wichtig; wenn da ein Direktor versucht, durch die Absage einer Weihnachtsveranstaltung Integration und Koexistenz zu fördern, scheint er mir einen sehr großen Fehler zu begehen,“ sagte der Regierungschef und schickte am Montag die Lehraufsicht nach Rozzano. Die katholische Familienzeitung „Avvenire“ hatte vergangene Woche berichtet, der 63 Jahre alte Marco Parma habe mit dem Hinweis auf die Trennung von Staat und Kirche alle Kreuze aus der Schule verbannt und ein Adventssingen vom 17. Dezember zu einem „musikalischen Winterfest“ mit nichtreligiösen Liedern umdeklariert und auf den 21. Januar verschoben.

          In seiner Stellungnahme verwies Schulmeister darauf, dass zwanzig Prozent der etwa 1000 Schüler aus muslimischen Familien kämen. Er wolle diese Menschen „integrieren und nicht ausschließen“. Das seit Jahren stattfindende gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern könnte allemal nach den Attentaten von Paris als Provokation missverstanden werden, sagte Parma. Zugleich verteidigte er sich gegen den Vorwurf, er habe in der Schule alle Kreuze abgehängt: „Das stimmt nicht, da waren nie welche.“

          Ein angesehener Bürger

          Parma ist in Rozzano ein angesehener Mann. Zuletzt war er bei den Kommunalwahlen für die antipolitische Basisbewegung „Fünf Sterne“ von Komiker Beppe Grillo als Bürgermeisterkandidat angetreten. „In einer multiethnischen Schule führen Weihnachtslieder zu Problemen“, sagte Parma. „Beim vergangenen Weihnachtskonzert standen die muslimischen Kinder mit auf der Bühne, aber sie konnten nicht mitsingen.“ Das sei keine schöne Szene gewesen. Das Angebot zweier Mütter, sie wollten in der Mittagspause mit allen Kindern zusammen Weihnachtslieder üben, nahm Parma allerdings nicht an.

          Derweilen kritisiert selbst der Interessenverband der Muslime Parmas Haltung als „Irrtum“. Muslime müssten sich in einer mehrheitlich christlichen Gesellschaft anpassen, sagte Sprecher Rifat Aripen. Zudem sei es für die muslimischen Kinder wichtig, die Wurzeln ihrer Klassenkameraden kennen zu lernen. Aber es gibt auch andere muslimische Meinungen. Aus dem mehrheitlich von Ausländern bewohnten Stadtteil Porta Palazzo in Turin wurde bekannt, dass sich dort muslimische Eltern weigern, ihre Kinder an dem Musikprogramm „Wachsen im Orchester“ teilnehmen zu lassen, das eigens initiiert worden war, um über das gemeinsame Musizieren Hemmschwellen zu überwinden. In der Turiner Zeitung „Stampa“ hieß es dazu, hier werde offenbar gezielt ein Widerstand mit dem Argument organisiert, westliche Musik widerspreche dem Islam.

          Eltern wollen nicht, dass Parma entlassen wird

          Auch war dieser Tage in Vicenza ein Imam seines Predigeramts verwiesen worden, weil er Kinder indoktriniert hatte, sie müssten im Musikunterricht ihre Ohren verschlossen halten. Ibrahim Baya aber, einer anderer Sprecher der Muslime in Italien sagt, bei diesem Widerstand gegen das Mitspielen im Orchester würde das religiöse Argument nur vorgeschoben. Die Eltern schämten sich, zuzugeben, dass sie nicht genügend Geld für Instrumente hätten. So sei jetzt beschlossen worden „Wachsen im Orchester“ fortzusetzen und beim Erwerb von Instrumenten finanziell zu helfen.

          Derweilen wurde der Vertreter der Schulaufsicht am Montag in Rozzano von einigen Eltern mit der Aufforderung empfangen, Marco Parma nicht zu entlassen. Auch wenn seine Entscheidung falsch gewesen sei, bleibe Parma ein guter Pädagoge, beteuerten sie vor dem Schulgebäude und hielten ein Banner in die Luft: „Ich bin für Parma.“ Die Eltern zeigten sich vor allen Dingen darüber verbittert, dass die Affäre von der Politik ausgenutzt wird. Der Chef der Lega Nord Matteo Salvini hatte den Schuldirektor auf dem „IS-Trip“ für den terroristischen „Islamischen Staat“ gesehen, seinen sofortigen Rücktritt gefordert und angekündigt, der Schule eine Krippe zu schenken. Am Montag wollte auch Mariastella Gelmini nach Rozzano kommen, um gegen die Entscheidung Parmas zu demonstrieren. Sie vertritt die „Forza Italia“ von Silvio Berlusconi in der Region.

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