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Reise zu Jesu : Wo steckt der Stern von Bethlehem?

  • -Aktualisiert am

Ein Stern auf der Verkehrsinsel: wer in der Geburtsstadt von Jesus den Sternen folgt, ist viel unterwegs. Bild: Ben Kuhlmann

Der Himmel auf Erden: Raum für Andacht ist hier rar - das Zeichen der Geburt aber ist überall dort, wo man es nicht erwartet hatte. Ein Besuch in Bethlehem.

          Unsere Existenz steht in den Sternen geschrieben. Und die Deutung der Sterne ist höchst unbestimmt. Es beginnt mit der Geburt, für deren Beschreibung schon bei einem Menschenkind weder Raum noch Zeit ausreichen. Jede Geburt ist ein Mysterium. Wer soll da erst erklären, unter welcher Konstellation Jesus auf die Welt kam? Das All verknotete in jener bedeutsamen Nacht Jupiter und Saturn, die sich in seltener Konstellation überlappten und die judäischen Berge hell beschienen. So jedenfalls meint es manch moderner Himmelskundler, der das Ungreifbare fassbar machen möchte - oder muss, beruflich gesehen.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Ein Stern aber kann dieser seltene Vorübergang der Planeten ebenso wenig gewesen sein wie eine Supernova. Oder gar ein Komet, der ja ebenfalls kein Stern ist, auch wenn solch ein Himmelsgeschoss stets einen Schweif hinterherzieht, wie er seit dem Mittelalter geschnitzt, gegossen und gemalt wird. Was also sahen die „Magier“, die später auch bekannt wurden als die drei Weisen aus dem Morgenland, im Nachthimmel vor rund 2000 Jahren?

          Der Evangelist Matthäus drückte sich eher vage aus: „Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war.“ Und warum erfuhr König Herodes erst durch die drei Weisen von ihrer Entdeckung, wo das Himmelslicht doch so hell erschien, dass es auch dem Herrscher im wenige Kilometer entfernten Jerusalem nicht entgangen sein kann? Nicht einmal klar ist, wann genau Jesus von Nazareth geboren ist. Vielleicht war es sieben vor Christi Geburt, vielleicht das Jahr vier vor Christi Geburt.

          Erklärungen gibt es fast so viele wie Lichtpunkte am Firmament. Doch die Sterne bleiben stumm. Wer heute mit dem zufrieden ist, was sichtbar ist und sich anfassen lässt, der muss nur den Zeichen folgen, die der Stern von Bethlehem in dieser kleinen Stadt hinterlassen hat. Kaum eine Falafel-Bude, Kirche oder Straßenkreuzung, an der die Himmelserscheinung nicht zu sehen ist. Selbst Gully-Deckel tragen das Emblem der heiligen Nacht. Man sollte nicht zu genau schauen auf die Sterne am Boden - wenn man dem Verkehrstod entrinnen will. Raum zur Ruhe und Andacht ist hier in Bethlehem so rar wie Sternenstaub.

          Auf der Suche nach dem modernen Stern von Bethlehem in der biblischen Stadt. Ein Stern, eingelassen im Boden, vor einem Modegeschäft in Bethlehem. Bilderstrecke

          Wie der Raum damals auch beschaffen gewesen sein mag: In Bethlehem findet bald wieder eine große Party statt, mit Straßenumzügen, Chören, Tanz und Geschepper. Einmal im Jahr schallt die Sternenkirmes sogar lauter als der Megafon-Ruf der örtlichen Muezzine. Weitere saisonale Sterne sind bereits verkabelt worden. Alles wird erleuchtet. Nur in den Himmel werden auch dieses Jahr wieder wenige schauen. Jetzt weisen Smartphones den Weg in die Sternenstraße, zu „Stars & Bucks“ oder in das Souvenirgeschäft der „Heiligen Sterne“.

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