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REINER WEIN : Steinreiche Tropfen

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Keine andere Komponente des Weins ist schwieriger zu erklären als die mineralische Dimension seines Geschmacks. Es handelt sich dabei jedoch um eine entscheidende Frage für den deutschen Wein, weil keine anderen Weißweine der Welt ...

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          VON STUART PIGOTT

          Keine andere Komponente des Weins ist schwieriger zu erklären als die mineralische Dimension seines Geschmacks. Es handelt sich dabei jedoch um eine entscheidende Frage für den deutschen Wein, weil keine anderen Weißweine der Welt derart mineralisch schmecken wie die besten der hier wachsenden Rieslinge. Der 2006er Riesling "Mineral" (13,50 Euro exklusiv bei Pinard de Picard, Telefon 0 68 38/ 97 95 00) vom Weingut Emrich-Schönleber in Monzingen an der Nahe trägt diesen Namen nicht umsonst: Mit seiner extrem mineralischen Prägung ist er geradezu ein Paradebeispiel. Keine andere Komponente des Weins ist schwieriger zu erklären als die mineralische Dimension seines Geschmacks. Es handelt sich dabei jedoch um eine entscheidende Frage für den deutschen Wein, weil keine anderen Weißweine der Welt derart mineralisch schmecken wie die besten der hier wachsenden Rieslinge. Der 2006er Riesling "Mineral" (13,50 Euro exklusiv bei Pinard de Picard, Telefon 0 68 38/ 97 95 00) vom Weingut Emrich-Schönleber in Monzingen an der Nahe trägt diesen Namen nicht umsonst: Mit seiner extrem mineralischen Prägung ist er geradezu ein Paradebeispiel.

          Für manche Gaumen, die sehr fruchtbetonte und runde Weine gewohnt sind, wird der "Mineral" fast schmerzlich wirken, aber für Abenteuerlustige ist er eine Entdeckungsreise ins Reich der Steine; er riecht tatsächlich wie die Werkstatt eines Steinmetzen. Fruchtige Aromen (Zitrus und Steinobst) sind durchaus präsent, aber sehr hintergründig. Der Säuregehalt des Weins ist analytisch gesehen gar nicht so hoch, wird aber durch die mineralische Note deutlich verstärkt. Aus diesem Grund spricht Hanno Zilliken vom gleichnamigen Weingut in Saarburg an der Saar sogar von trockenen Rieslingen, die "zu mineralisch" seien, und baut viele seiner Weine mit etwas natürlicher Süße aus, um auf diesem Weg zu einer überzeugenden Geschmacksharmonie zu gelangen. Auch bei Emrich-Schönleber sind die mineralischsten Weine nicht unbedingt die besten. Der 2006er Riesling Spätlese trocken aus der Lage "Monzinger Halenberg" (14 Euro ab Hof, Telefon 0 67 51/27 33) ist zwar nicht so "steinig" wie der "Mineral", aber harmonischer und zugänglicher.

          Wer unter diesem Aspekt über einen gewissen Zeitraum hinweg viele gute Weine verkostet, wird zugeben müssen, dass "mineralisch" gar kein Geschmack ist, sondern eine ganze Familie von verwandten Tönen. Bei den Großes-Gewächs-Rieslingen von Emrich-Schönleber wird das besonders deutlich, weil die Weine aus den Lagen "Frühlingsplätzchen" und "Halenberg" extrem unterschiedlich ausfallen, obwohl diese Lagen sehr nah beieinander liegen. Der 2006er "Frühlingsplätzchen" (22 Euro ab Hof) aus einem Rotliegenden-Boden ("Rotschiefer") zeigt sehr intensive Kräuteraromen und eine sehr ansprechende Saftigkeit neben der mineralischen Würze. Dagegen ist der 2006er "Halenberg" aus einem Devonschiefer-Boden ("Grauschiefer") zwar recht üppig im Duft - vollreifer Pfirsich und Zitrone -, aber markant-herb im Geschmack mit geradezu salzigem Nachgeschmack, der nicht aufhören möchte. Das gefällt sicher nicht jedem, auch wenn es den Wein zu einem äußerst vielseitigen Essensbegleiter macht. Wem das alles zu viel ist, der weicht auf die günstigsten Abfüllungen von Emrich-Schönleber aus und hat immer noch einen mineralisch geprägten Wein im Glas.

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