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China : Für die Gäste töten wir einen Tiger

  • -Aktualisiert am

Ein sibirischer Tiger in einem nordchinesischen Tierpark Bild: AFP

Reiche Unternehmer in Südchina haben eine neue Form der Unterhaltung gefunden: zuschauen, wie ein Tiger mit Elektroschocks getötet und geschlachtet wird. Dabei steht der Tiger auch in China unter Schutz.

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          Reiche Unternehmer in Südchina, denen Karaoke und Massagesalons zum Angeben bei ihren Gästen zu langweilig sind, haben eine neue Form der Unterhaltung gefunden: zuschauen, wie ein Tiger mit Elektroschocks getötet und geschlachtet wird. Zehn Tiere sollen auf diese Art in den vergangenen Jahren getötet worden sein. Die Tigerprodukte werden dann an Funktionäre von Staat und Partei verschenkt, zur Pflege der Beziehungen.

          Bei einer Razzia in der südchinesischen Stadt Zhanjiang seien jetzt 15 Personen festgenommen worden, die illegal Tiger gekauft, getötet und deren Fleisch und Knochen verkauft hätten, berichtete die „Nanfang“-Zeitung. Der Kadaver eines kürzlich getöteten Tigers sei sichergestellt worden. Ein konfiszierter Videofilm zeige, wie bei einer „Schlacht-Party“ einem Tier im Käfig ein Elektroschocker ins Maul gesteckt wurde.

          Weil es in China keine wildlebenden Südchinesischen Tiger mehr gibt und in Nordchina nur noch 20 wildlebende Sibirische Tiger, vermuten die Ermittler, dass die getöteten Tiere aus offiziellen oder illegalen Zuchtfarmen in der Provinz Guangxi kommen oder aus Südostasien eingeschmuggelt werden. Die Tiere werden betäubt bis zum Ort der Schlachtung gebracht. Die Festgenommenen bezahlten für einen lebenden Tiger 200.000 (etwa 23.000 Euro) bis 300.000 Yuan und verkauften ihn mit einem Profit von 100.000 Yuan weiter.

          Obwohl der Tiger als vom Aussterben bedrohtes Tier auch in China unter Schutz steht und Handel sowie Konsum von Tigerprodukten seit 1993 verboten sind, ist die Nachfrage noch immer groß. Tigerfleisch, Tigerknochen und Tigerpenis gelten in China als Potenzmittel und erzielen Höchstpreise, wiewohl die Wirksamkeit nicht erwiesen ist.

          Tierschützer fordern bessere Aufklärung über den Wert wildlebender Tiere. Bei den Pandabären hat sich der Artenschutzgedanke durchgesetzt, nicht zuletzt dank massiver staatlicher Unterstützung der Reservate. Der Schutz der Tiger, mit denen sich viel Geld verdienen lässt, hinkt hinterher, obwohl sich mittlerweile auch Prominente als Tierschützer zeigen, etwa der Hongkonger Schauspieler Jackie Chan, der für den Schutz der Nashörner wirbt. Der Basketballspieler Yao Ming setzt sich für Elefanten ein, deren Elfenbein in China beliebt ist. Er plädiert auch seit Jahren dafür, Haifischflossensuppe nicht mehr zu essen. Die Kampagne war erfolgreich; Haifischflossensuppe ist seit dem vergangenen Jahr von der Speisekarte staatlicher Bankette verschwunden. Insgesamt ist die Nachfrage nach Haifischflossen in China um etwa die Hälfte zurückgegangen.

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