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Regionalwährung im Chiemgau : Noch so ein Schwundgeld

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Für die Unternehmen besteht der Anreiz darin, neue Kunden zu gewinnen. Markus Bauer zum Beispiel, Inhaber der Alten Apotheke, berichtet, dass zwei oder drei seiner Kunden zu ihm kämen, weil sie mit Chiemgauern zahlen könnten. Ebenso habe er Kunden, die der Payback-Punkte wegen kämen. Rechtlich gesehen sind Payback, Chiemgauer und auch die Meilenkonten von Fluggesellschaften inoffizielle Privatgelder. Der Chiemgauer allerdings ist dem Geld wesentlich ähnlicher, schließlich hat er ein silbernes Logo, eine eingestanzte Prägung und eine Seriennummer, was die Fälschung erschweren soll. Eigentlich ist der Chiemgauer ein Gutschein – denn in Deutschland ist nur die Bundesbank dazu befugt, mit Genehmigung der Europäischen Zentralbank Geld in Umlauf zu bringen.

Die Bundesbank akzeptiert die Regionalgelder, weil sie keine ernstzunehmende Konkurrenz zum Euro darstellen, bezweifelt aber ihren Nutzen. Volkswirt Gerhard Rösl, der sich im Auftrag der Bundesbank mit den alternativen Währungen beschäftigt hat, schätzt, dass Regionalgelder im Wert von einer Million Euro in Umlauf sind – „viel zu wenig, um mit dem Euro zu konkurrieren“. So lange der Kurs zum Euro eins zu eins sei, seien Schwundgelder immer verhältnismäßig teuer: Allgemeine Preissteigerungen würden weitergegeben, Kosten für Druck und Regionalbank sowie die Inflation kämen außerdem dazu. In Rösls Augen sind das „völlig unnötige Kosten, die am Unternehmer hängenbleiben“. Den Gewinnen der am Chiemgauer beteiligten Unternehmen stünden Umsatzverluste anderer Unternehmen gegenüber. Das ist für Rösl „ein Protektionismus, der die heimische Wirtschaft abschottet und jeglicher Konsumenten-Souveränität widerspricht“.

Die meisten Leute bezahlen mit dem Euro

Gelleri verteidigt seinen Chiemgauer: Es sei schließlich eine freie Entscheidung, damit zu zahlen. Für die 3000 Privatpersonen aus Rosenheim und Traunstein, die mitmachen („vor allem Frauen mit Kindern und gestandene Bayern“) sei meist entscheidend, dass auch Vereine vom Chiemgauer profitieren. Gelleri hat berechnet, dass es damit statistisch gesehen in einem Prozent der Haushalte jemanden gibt, der mit Chiemgauern zahlt.

Das entspricht aber nicht einmal einem Prozent der Bevölkerung, weshalb in Rosenheim auch nicht viel vom Chiemgauer zu sehen ist. Die Verkäuferin der Thalia-Buchhandlung erkundigt sich bei ihrer Kollegin, was das überhaupt sein soll. Im Gummibärchengeschäft wollte in all den Jahren noch keiner mit ihm bezahlen, schon gar nicht die Touristen im Hotel Wendelstein. Und vielen ist er einfach zu kompliziert. Yvonne Frank zum Beispiel sagt, es sei ihr zu umständlich, ständig zwei Sorten Geld dabeizuhaben und die Gültigkeitsdauer der Chiemgauer im Blick zu behalten. Aber ihr Bioladen nimmt die Scheine, und ihre Kinder gehen auf die Priener Waldorfschule, an der Christian Gelleri den Chiemgauer einst entwickelte. Außerdem ist es inzwischen auch möglich, mit Karte zu zahlen. Und im November kam eine weitere Ausgabestelle hinzu: Nun gibt es die bunten Scheine sogar am Schalter der Rosenheimer Sparkasse.

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