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Miss-World-Wahl 2002 : Regierung will Steinigung verhindern

  • Aktualisiert am

Offensichtlich haben die Tränen geholfen Bild: AP

Erleichterung in Nigeria: Der drohende Skandal wegen eines grausamen Todesurteils konnte gerade noch verhindert werden.

          Eine gründliche Politur seines angeschlagenen Images hatte sich Nigeria von der diesjährigen Miss-World-Wahl erhofft, aber nun drohte dem heruntergewirtschaftetet Ölstaat der Gesichtsverlust. Einige der Schönheitsköniginnen hatten ihre Teilnahme abgesagt, um gegen das Todesurteil zu protestieren, das gegen die Nigerianerin Amina Lawal verhängt wurde. Entsprechend groß die Erleichterung der Regierung, als 91 von 110 der Schönen am Montag in der Hauptstadt Abuja eintrafen.

          Am Wochenende hatte die nigerianische Regierung angesichts der Proteste versprochen, die von einem islamischen Gericht angeordnete Steinigung der 31-jährigen Amina Lawal zu verhindern. Staatsminister Dubem Onyia versprach in einer veröffentlichten Verlautbarung, die Regierung werde die ihr von der Verfassung eingeräumten Rechte zum Schutz Lawals ausüben. „Niemand soll in Nigeria durch Steinigung zum Tode verurteilt werden“, heißt es in der Erklärung. Die Verfassung erlaube dies nicht.

          Ehebruch Jahre nach der Scheidung

          Lawal hatte Jahre nach ihrer Scheidung ein Kind bekommen und wurde daher wegen außerehelichen Geschlechtsverkehrs von einem islamischen Scharia-Gericht zum Tode durch Steinigung verurteilt. Sie werde „nicht Opfer eines Gesetzesbruches werden“, erklärte der Minister. Ihr Einspruch gegen das Urteil war im August abgewiesen worden. In den nördlichen Bundesstaaten Nigerias gilt das islamische Scharia-Recht, das unter anderem Steinigungen und Amputationen als Strafen vorsieht.

          Während immer mehr Schönheitsköniginnen absprangen, verhängten islamische Gerichte in Nordnigeria inzwischen vier weitere Todesurteile durch Steinigung. Keines wurde bislang vollzogen.

          Miss-World-Veranstalter: „Blödes Gerede“

          Beobachter werten die Regierungserklärung als Rettungsversuch für den Schönheitswettbewerb. „Das ist blödes Gerede“, sagte Stella Din vom Miss-World-Veranstalter Silverbird Productions in Abuja. „Wenn von 110 Frauen 91 kommen, wo ist dann der Wettbewerb in Gefahr?“ Jede habe das Recht auf ihre eigene Meinung. „Aber Nigeria ist ein säkularer Staat, und ein Boykott für etwas, das mit größter Wahrscheinlichkeit gar nicht stattfindet, ist doch vielleicht ein wenig verfrüht“, meinte sie. „Gleich mit Boykott zu drohen, ist nicht unsere Sache“, sagte kürzlich auch der Geschäftsführer der „Miss Germany Corporation“ (MGC), Ralf Klemme, in Oldenburg.

          Schärfste Sicherheitsvorkehrungen auch für Miss Germany

          Wenn die Vize Miss Germany, Simone Wolf-Reinfurt (20) in Abuja eintrifft, erwarten die Büroangestellte aus dem hessischen Darmstadt dort höchste Sicherheitsvorkehrungen. Zahlreiche moslemische Gruppen haben gegen die „unanständige Schau der Unbekleideten“ protestiert und Proteste angedroht.

          Wenn die Schönen in den nächsten Tagen für Foto-Shootings im Badeanzug auf Viehfarmen und unter Wasserfällen posieren, geschehe dies unter strengster Bewachung, beteuert Miss World-Sprecherin Din. „Nicht etwa, dass wir etwas Schlimmes befürchten - aber wir wollen ihnen zeigen, dass wir unsere Verantwortung ernst nehmen.“ Den moslemischen Norden, betont sie allerdings, werden die Schönheiten auf ihrem Präsentationszug durchs Land meiden.

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