https://www.faz.net/-gum-wh29

Rechtsstreit : Pumuckl und Pumuckline

  • Aktualisiert am

Die Pumuckl-Hochzeit findet in ihrem Atelier statt: Barbara von Johnson Bild: ddp

Nach 40 Jahren Singledaseins darf der Kobold Pumuckl nun eine Freundin haben und sogar heiraten. Allerdings nur im Rahmen eines Malwettbewerbs. Die Zeichnerin Barbara von Johnson ist erfreut, Erfinderin Ellis Kaut findet es „geschmacklos“.

          „Hurra, hurra, die Pumuckline ist da“, könnte sich der Kobold mit der schrillen Stimme künftig freuen. Der Pumuckl darf - mit gerichtlicher Billigung - eine Freundin haben und sogar heiraten. Was für die meisten das Normalste der Welt ist, beschäftigte in einem Rechtsstreit der beiden virtuellen Mütter Pumuckls monatelang Anwälte und Richter. Am Donnerstag entschied das Landgericht München I zugunsten von Barbara von Johnson, der früheren Zeichnerin des Kobolds.

          Sie darf in einem Malwettbewerb eine Freundin für den kleinen Kerl zeichnen lassen und zu einer privaten Koboldhochzeit in ihr Atelier einladen. Die Urmutter Pumuckls, seine Erfinderin Ellis Kaut, dürfte die Entscheidung weniger erfreuen. Sie brachte die Figur 1961 als Hörspiel zur Welt. Bei der Urteilsverkündung war sie nicht anwesend. Die 87 Jahre alte Dame findet eine Freundin für Pumuckl schlicht eine „Geschmacklosigkeit“. Pumuckl sei ein Nachfahre der Klabauter und damit ein Geistwesen, das nun mal nicht heirate, stellte sie schon zu Beginn des Streits apodiktisch fest.

          Der Koboldhochzeit steht nichts mehr im Wege

          „Ich halte das Urteil für gerecht“, sagte dagegen die 65 Jahre alte Johnson am Donnerstag nach der Urteilsverkündung. Sie hoffe, dass künftig eine Zusammenarbeit mit Kaut möglich sei. Gegenstand des Prozesses war das Engagement der Zeichnerin für einen Kinder-Malwettbewerb im März 2007. Pumuckl habe es nach mehr als 40 Jahren Unfugmachens verdient, eine Freundin zu bekommen, hatte sie einem Münchner Fernsehsender gesagt. Der Sieger des Wettbewerbs sollte an einer Koboldhochzeit in Johnsons Atelier teilnehmen dürfen.

          Ellis Kaut ist gegen eine Hochzeit: Eine Pumuckline 
sei eine dumme, überflüssige und störende Person

          Kaut hatte im vergangenen Mai eine einstweilige Verfügung gegen die Zeichnerin beantragt. Sie wollte damit von Johnson die Teilnahme an dem Malwettbewerb untersagen lassen. Die Pumuckl-Erfinderin fühlte sich in ihren Rechten verletzt. Sie habe Pumuckl erfunden und dürfe daher allein darüber entscheiden, ob er eine Freundin haben solle oder nicht. Das Landgericht war anderer Auffassung und lehnte den Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz ab. Am Donnerstag bestätigten die Richter die in dem Eilverfahren getroffene Entscheidung. Die Zeichnerin habe weder durch die Teilnahme an dem Malwettbewerb noch durch die Aussage, Pumuckl habe eine Freundin verdient, die Urheberschaft an der literarischen Figur in Anspruch genommen. Denn damit habe sie die Geschichte des Pumuckl nicht weiterführen wollen, befanden die Richter; Johnson habe nur eine Meinung geäußert. Gleiches gelte für die Ankündigung der privaten Koboldhochzeit.

          Offiziell muss er Single bleiben

          Allenfalls eine öffentliche Inszenierung der Heirat könnte nach Ansicht des Gerichts die Urheberrechte der Autorin verletzen. Darüber habe man jedoch nicht entscheiden müssen: Im privaten Umfeld stehe es jedem frei, Fantasiefiguren zu verheiraten, begründete das Gericht seine Entscheidung in überraschender Weitherzigkeit. Und die Richter offenbarten sich auch als Pumuckl-Kenner: Die Autorin Kaut habe schließlich selbst in einer ihrer Geschichten erzählt, dass sich der Kobold unglücklich in die Nichte des Meister Eder verliebt habe.

          Nach Auffassung des Landgerichts muss es die Autorin daher grundsätzlich hinnehmen, dass Pumuckl mit einer Freundin in Verbindung gebracht wird. Nach dem Münchner Urteil könnte Pumuckl - wie viele anderen Zeitgenossen - damit ein gespaltenes Liebesleben drohen: Bei privaten Gelegenheiten darf er heiraten, offiziell muss er Single bleiben. Denn Ellis Kaut will hartherzig bleiben und dafür sorgen, dass es nie eine öffentliche Geschichte von Pumuckl und seiner Freundin geben wird: Eine Pumuckline sei eine „dumme, überflüssige und dramaturgisch nur störende“ Person.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Es ist das erste Mal, dass Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel ausrichtet.

          G-7-Gipfel : Wer reden will, soll ruhig reden

          In Biarritz inszeniert Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel voller Überraschungen. Er überrumpelt Trump und lässt den iranischen Außenminister einfliegen. Ganz offensichtlich hat der französische Präsident aus seinem Anfängerfehler gelernt.
          Der Faktor Wohnen wird von den meisten Menschen in der Klimadebatte übersehen. Dabei produzieren vor allem Warmwasser und Heizungen große Kohlendioxid-Emissionen.

          Wohnen und Heizen : Das ist Deutschlands Klimakiller Nr. 1

          Kaum jemand will wahrhaben, dass wir mit unseren Wohnungen dem Klima mehr schaden als mit Steaks und Flugreisen. Einige Länder reagieren darauf – während sich die Politik in Deutschland nicht einigen kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.